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40 Jahre Engagement für das Heimatmuseum

Werner Fischer gibt die Leitung in Meßkirch ab – Er kämpfte für den Erhalt der Einrichtung
Nach 40 Jahren als Leiter des Meßkircher Heimatmuseums gibt Werner Fischer dieses Ehrenamt ab. Musik, Schach und Geschichte sind die großen Leidenschaften des 86-Jährigen aus dem Ortsteil Heudorf.
Nach 40 Jahren als Leiter des Meßkircher Heimatmuseums gibt Werner Fischer dieses Ehrenamt ab. Musik, Schach und Geschichte sind die großen Leidenschaften des 86-Jährigen aus dem Ortsteil Heudorf.
Sebastian Musolf

Meßkirch sz 40 Jahre lang hat Werner Fischer das Meßkircher Heimatmuseum geleitet, nun gibt der Historiker aus Heudorf dieses Amt an die Stadtverwaltung zurück. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ blickt Fischer vor allem auf die vier Jahrzehnte im Dienst der Meßkircher Heimatforschung zurück.

Fischer wurde am 29. April 1931 in Santa Cruz de la Sierra in Bolivien geboren. Sein Vater, ein Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, war wegen der wirtschaftlichen Not in Deutschland während der 1920er-Jahre nach Südamerika ausgewandert. Er arbeitete in der Banco Alemán in La Paz.

1938 reiste Werner Fischer zusammen mit seiner Schwester und der Mutter nach Deutschland, um seine Großeltern in Bruchsal und Müllheim (Baden) kennenzulernen. Der Vater kam im Juli 1939 nach, um die Familie abzuholen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 verhinderte Fischers Rückkehr nach Bolivien.

Fischer besucht Vorlesungen von Martin Heidegger

1950 machte er sein Abitur in Müllheim. Fischer studierte anschließend in Freiburg Deutsch, Geschichte und Englisch für das Lehramt an Gymnasien. „Dort habe ich Vorlesungen des Meßkircher Philosophen Martin Heidegger besucht“, berichtet Fischer. Seine Doktorarbeit verfasste er über die Flurnamen von Müllheim. Mit der Erforschung von Flur- und Gewannnamen beschäftigt sich der 86-Jährige bis heute: „Mit dieser Flurnamenarbeit habe ich Maßstäbe gesetzt.“ Viele Wissenschaftler zitieren den Heudorfer in ihren Werken.

1961 wurde er nach Meßkirch versetzt. Dort trat Fischer eine Stelle als Lehrer am Progymnasium an. Weil damals Lehrermangel an kleinen Schulen herrschte, unterrichtete Fischer neben seinen Fächern Deutsch, Geschichte, Englisch, Gemeinschaftskunde noch Latein, Biologie, Erdkunde, Sport und Musik.

„Eigentlich wollte ich ja Musiklehrer werden“, berichtet Fischer. Aber die verfügbaren Stellen wurden für ehemalige deutsche Soldaten, die aus Kriegsgefangenschaft heimkehrten, freigehalten. Damals hatte das Progymnasium 81 Schüler, zehn Jahre später waren es über 500. Aus Platzgründen erfolgte ein Neubau – das heutige Martin-Heidegger-Gymnasium. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung 1995 war Fischer dort stellvertretender Schulleiter.

1976 bot der damalige Meßkircher Bürgermeister Siegfried Schühle Fischer die Leitung des Heimatmuseums an. Der vorherige Leiter, Eugen Eiermann, war 1975 gestorben und kein Nachfolger hatte sich gefunden. 1961 war das Museum anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums von Meßkirch eröffnet worden. Das Heimatmuseum war damals wie heute in einer ehemaligen Wohnung im Gebäude des Meßkircher Bauamts untergebracht.

Museum war ein richtiges Sammelsurium

Eiermann war Lehrer gewesen und hatte mit seinen Schülern viele Versteinerungen und Fundsachen aus alten Zeiten gesammelt. „So gab es in dem Museum etwa drei verschiedene Größen von Haifischzähnen, aber auch eine alte Truhe aus Worndorf und alte Feldkreuze aus Engelswies. Es war ein richtiges Sammelsurium“, berichtet Fischer.

„Ich habe meine Aufgabe darin gesehen, das Museum und die Sammlung zu erhalten. Mit meinen Schülern habe ich das Museum geputzt und die Objekte abgestaubt.“ Die Menschen boten Fischer Gegenstände aus Nachlässen Verstorbener an. „Ich habe es immer genommen. Ich war Ansprechpartner für altes Glump“, sagt Fischer und lacht.

Das Museum sollte mit seinen Fundstücken den Umkreis von Meßkirch abbilden. Fischer führte Interessierte nach Vereinbarung durch die Einrichtung. „Die Jahrgänger schwelgten dabei immer in Erinnerungen an ihre Schulzeit. Ich habe Hunderte von Schülern durchs Museum geführt.“ Er beantwortete Anfragen von auswärts, stellte etwa Exponate wie Conradin Kreutzers Noten anderen Museen zur Verfügung. Fischer war später an der Gründung der Stiftung Stadtmuseum beteiligt.

In den 1990er-Jahren erlebte das Heimatmuseum schwere Zeiten: Dem Stadtrat wurde die Einrichtung und deren Unterhaltung lästig, berichtet Fischer. Das Gebäude sollte abgerissen werden. „Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, das Verschwinden des Museums zu verhindern. Mit List und Tücke und mithilfe eines Stadtrats gelang es mir, das Gebäude zu retten.“ Unter Bürgermeister Arne Zwick besserte sich die Situation: „Er hat sich sehr für Geschichte und die Außendarstellung Meßkirchs interessiert, hat stark den Tourismus gefördert.“ Zwick habe es in die Wege geleitet, dass das Museum künftig im Schlössle untergebracht sein wird.

Musik, Schach und Geschichte sind seine Leidenschaft

Neben Geschichte und Musik ist Schach eine große Leidenschaft des 86-Jährigen. Er war 37 Jahre lang Regionaler Turnierleiter, erhielt 2007 den Ehrenbrief des Badischen Schachverbands – dessen zweithöchste Auszeichnung. Im Dezember 2008 wurde Fischer mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Im Januar 2009 wurde ihm die Meßkircher Bürgermedaille verliehen, vor allem wegen seiner Verdienste um die Heimatforschung und seines ehrenamtlichen Engagements. Der Kreutzer-Chor zeichnete ihn 2011 mit seiner höchsten Ehrung aus, der Kreutzer-Medaille. Fischer war Sänger, Vize-Vorsitzender und Vorsitzender des Chors gewesen, zudem bis vor wenigen Jahren Vize-Chorleiter.

Seit 1993 ist Werner Fischer mit seiner zweiten Frau Karin verheiratet. Er hat zwei Töchter und einen Sohn aus erster Ehe sowie sieben Enkelkinder und einen Urenkel. „Ich danke allen Unterstützern des Heimatmuseums und der Stiftung Stadtmuseum, allen Sach- und Geldspendern und den vielen großen und kleinen Besuchern – vor allem den Lehrkräften mit ihren Klassen, die mir immer wieder selbstgemalte Bilder zu ihren Lieblingsobjekten im Museum schenkten“, sagt Fischer.

In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 30. Mai, wird Fischer als Museumsleiter verabschiedet. Sein Nachfolger wird Armin Heim.

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In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 30. Mai, wird Fischer als Museumsleiter verabschiedet und erfährt hoffentlich eine Ehrung durch den Bürgermeister.

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