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„Wähinger“ Mundart wird auf CD erlebbar

Erich Mayer hat Dialekt-Begriffe gesammelt und mit Wehingern aufgenommen
Erich Mayer, der in mühevoller Kleinarbeit das Werk „Los‘ amol, we ma z’Wähinga g’schwätzt hät“ erstellt hat, freut sich, dass ihn viele waschechte Wehingerinnen und Wehinger mit ihrem Dialekt unterstützt haben.
Gisela Spreng

WEHINGEN sz „Los‘ amol, we ma z’Wähinga g’schwätzt hät“, heißt ein ganz außergewöhnliches Projekt, das Erich Mayer auf den Weg gebracht hat. Es geht darum, den alten „Wähinger“ Dialekt und das Alltagsleben von einst erlebbar zu machen. Nun hat Mayer sein Projekt rund 200 interessierten Gästen vorgestellt.

Der „Erhalt des kulturellen Erbes“ sei für ihn und seinen Gemeinderat oberstes Gebot, betonte Bürgermeister Josef Bär in der Aula der Schlossbergschule, nachdem ihm zuvor die Vereine seiner drei Gemeinden ein Ständchen zu seinem 60. Geburtstag gebracht hatten. Deshalb habe er die Initiative Mayers in Zusammenarbeit mit alten „Wähinger“-Bürgern nach besten Kräften unterstützt. 600 Dialektbegriffe habe der ehemalige Realschullehrer in 15 Dialoge eingebaut, ein Textbuch mit den Dialogen und einem etymologischen Teil erstellt, mit Wehinger Bürgerinnen und Bürgern die Dialoge eingeübt und diese in einem Tonstudio mit den entsprechenden Hintergrundgeräuschen aufgenommen. So könne sich jeder mit Buch und CD an das „Wähinger“ Alltagsleben von einst erinnern und es nachempfinden. Als Hauptsponsor habe der Naturpark „Obere Donau“ das Projekt mit 9600 Euro gefördert.

„Sie sind doch aus Tübingen – und sie wollen dem Wehinger Dialekt auf die Spur kommen?“ habe er häufiger hören müssen, verriet Mayer. Seine Liebe zum Dialekt habe ihn fast sein ganzes Leben begleitet. Als Lehrer an der Realschule Gosheim-Wehingen habe er beim Arbeiten mit Schülern aus den verschiedenen Heuberggemeinden festgestellt, dass jedes Dorf seinen eigenen Dialekt spreche. Damals habe er angefangen, über Jahrzehnte hinweg Mundart-Material zu sammeln. Auch seine „Ur-Wähinger“ Sängerinnen im Kirchenchor hätten ihn beflügelt. Zusammen mit ein paar waschechten „Wähingern“ als Wortlieferanten, allen voran Anna Welle, Erika Blamberger, Herbert Betsch und Franz Winz, habe er Dialektausdrücke gesammelt, sie in mindestens 500 Arbeitsstunden etymologisch erforscht und schließlich in Dialoge eingebaut. 33 Sprecherinnen und Sprecher hätten mitgewirkt.

Wie urig es einst beim „z’Stubeda go“, im Wirtshaus oder „In der Ernte“ zuging, durften die Zuhörer live miterleben und hatten eine Menge Spaß dabei, als zum Beispiel Genovefa feststellt, dass Melittas „Weschda am Ellaboga faschd durgfidschlad ischd“ (Weste am Ellenbogen fast durchgescheuert ist), oder Alois zum Thema Orgel meint:“ „A baar vu diane Pfupa dond gar nimma und äll Häck sodd ma si schdimma loh“ (Ein paar von diesen Pfeifen tun gar nicht mehr und jeden Augenblick sollte man sie stimmen lasse).

Ein großes Kompliment macht Kreisarchivar Dr. Hans-Joachim Schuster Erich Mayer. „Vorbildhaft, fundiert, mit Liebe und Engagement“ helfe er mit, die Mundart als Kulturgut unseres Raumes zu bewahren. Sogar im ländlichen Raum sei der Dialekt leider im Rückzug. Inzwischen würden die lokalen Ausprägungen abgeschliffen. In manchen Schulen und Kindergärten sei es sogar „verpönt, Mundart zu sprechen“.

Bär und Mayer bedankten sich bei Norbert Hermle, der die Figuren für das Titelblatt gezeichnet hat und bei Josef Zisterer, dem Designer der Broschüre. Alle Mitarbeiter des Projekts erhielten die ersten Exemplare. Der Akkordeonspielring Heuberg unter Anita Winz machte mit leicht rustikalen Beiträgen wie dem „Bauernball-Dixie“ Stimmung.

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