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„Too good to go“: Wie eine App Mahlzeiten rettet

Erste Betriebe am Bodensee und in Oberschwaben registrieren sich bei „Too good to go“
Im Raum Ravensburg ist Nicole Köppe (rechts) die erste Ladenbesitzerin, die bei „Too good to go“ mitmacht. Über die App werden übrig gebliebene Lebensmittel günstiger verkauft.
Im Raum Ravensburg ist Nicole Köppe (rechts) die erste Ladenbesitzerin, die bei „Too good to go“ mitmacht. Über die App werden übrig gebliebene Lebensmittel günstiger verkauft.
Lilia Ben Amor

Ravensburg sz Es scheint die Lösung eines allgegenwärtigen Problems in der Gastronomie zu sein: Eine App, die übrig gebliebenes Essen kurz nach Geschäftsschluss für einen reduzierten Preis an Mann und Frau bringt. Die dänisch-deutsche App „Too good to go“, bekannt aus der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“, hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Jetzt haben sich auch erste Betriebe in Baden-Württemberg und Bayern angemeldet.

Nicole Köppe verkauft in ihrem Laden in der Ravensburger Innenstadt keine frischen Lebensmittel, die übrig bleiben könnten. Aber sie hat ein anderes Problem: das Mindesthaltbarkeitsdatum. Köppe verkauft alles mögliche rund um Großbritannien. Dazu gehören auch viele abgepackte Süßigkeiten, Backmischungen und Lebensmittel. In regelmäßigen Abständen steht sie vor ihren Regalen und sortiert aus: „Bisher musste ich bald ablaufende Ware verschenken oder selbst essen.“ Eine Zusammenarbeit mit der Tafel habe organisatorisch nicht geklappt und beispielsweise Schokolade noch rechtzeitig für einen günstigeren Preis zu verkaufen, funktioniere nicht immer, sagt sie.

Für Selbstabholer

Als Köppe im Fernsehen von der App erfuhr, war sie Feuer und Flamme. „Das ist die Lösung für genau mein Problem. Das ist eine Win-win-Situation für alle“, findet sie. Ladenbesitzer würden noch einen kleinen Umsatz machen, das Essen werde nicht verschwendet, und Hungrige könnten Neues ausprobieren und ein Schnäppchen machen. Noch während der Sendung schrieb die Ladenbesitzerin eine Mail an das Unternehmen. Seit Montag ist ihr Geschäft „Little Britain“ der erste Laden in Ravensburg und Umgebung, der bei „Too good to go“ mitmacht.

Die Lösung der deutsch-dänischen Gründer ist einfach: Über die App bieten Restaurants, Bäckereien, Cafés, Hotels und Supermärkte ihr überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis für Selbstabholer an. Die Kunden bestellen und bezahlen direkt über die App und können ihre Portion dann im angegebenen Zeitfenster – meist nach Ladenschluss – im Geschäft abholen.

Das Essen müsse dabei mindestens die Hälfte des Originalpreises und dürfe maximal 3,90 Euro kosten, schreibt „Too good to go“. Für Ladenbesitzer und Nutzer ist die App kostenlos, vom angezeigten Preis einer Portion geht allerdings ein Euro an die App-Entwickler. Bei einem Preis von 3,90 Euro bekommt „Too good to go“ also einen Euro und der Ladenbesitzer 2,90 Euro.

Keine Konkurrenz zur Tafel

Vielerorts sind es Tafeln, die Händlern und Supermärkten überschüssige Lebensmittel abnehmen, um sie an Bedürftige zu verteilen. Die App komme dieser gemeinnützigen Arbeit aber nicht in die Quere, sagt Paul Bundschuh, Leiter der Tafel des Deutschen Roten Kreuzes in Ravensburg. „Wir bekommen zum Beispiel von Restaurants nichts, wir nehmen nur abgepackte Ware“, erklärt Bundschuh. Bei kleineren Lebensmittelläden lohne sich eine Abholung oft nicht, da sei die App nicht störend.

1500 deutsche Betriebe haben sich nach Angaben des Unternehmens bereits bei der App registriert. „Too good to go“ gibt es außerdem in Dänemark, Frankreich, Norwegen, Großbritannien und der Schweiz – Zwei Millionen Mahlzeiten seien dadurch in ganz Europa gerettet worden.

In Baden Württemberg haben sich bisher aber vor allem in den ländlichen Regionen kaum Betriebe angemeldet. Im westlichen Bodenseekreis, rund um Überlingen, Salem und Radolfzell gibt es aber bereits einige Vorreiter. In größeren Städten wie Ulm, Stuttgart und Augsburg haben die Nutzer der App bereits eine Auswahl an Restaurants, Bäckereien und Cafés.

„In Ravensburg und Umgebung müssen jetzt andere Betriebe nachziehen, sonst verlieren die Leute die Lust und löschen die App wieder“, befürchtet Köppe. Auf Facebook ruft sie andere Ladenbesitzer dazu auf, sich ebenfalls zu registrieren. Als Antwort meldeten sich mehrere Facebook-Nutzer, die die App bereits installiert, aber wegen mangelndem Angebot wieder deinstalliert hatten. „Für eine kurze Zeit ist es toll, der erste zu sein, aber jetzt müssen andere nachziehen“, appelliert Köppe.

„Too good to go“ gibt es für Android- und Apple-Geräte. Die App ist kostenlos. Betriebe und Nutzer können sich über die App anmelden. Betriebe können sich außerdem über die Internetseite registrieren:

www.toogoodtogo.de

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