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„Film-Pionier Laemmles Ehrenbürgerschaft hat Bestand“

Die Auszeichnung von 1919 ist nach Aussage des Museumsleiters weiterhin gültig

Laupheim sz Im Dezember 1921 hat das damalige Oberamt Laupheim einen 1919 ergangenen Beschluss des Gemeinderats, Carl Laemmle das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, auf Weisung des württembergischen Innenministeriums gekippt. Die Auszeichnung sei dennoch unverändert gültig, sagt der Museumsleiter Michael Niemetz.

Von Staats wegen aberkannt

Ist der Hollywood-Pionier Laemmle (1867 - 1939) Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Laupheim oder nicht? Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg (HdG), hat diese Frage neu befeuert. Bei der Eröffnung der Laemmle-Sonderausstellung im Dezember in Stuttgart regte er an, den Gründer des Filmgiganten Universal anlässlich seines 150. Geburtstags 2017 wieder zum Ehrenbürger zu machen. Laut Wikipedia sei ihm diese Würde 1921 aberkannt worden.

Erwin Graf, Fraktionschef der Freien Wähler im Laupheimer Gemeinderat, erinnerte daraufhin Oberbürgermeister Rainer Kapellen an ein zwei Jahre altes Versprechen, dem Sachverhalt nachzugehen – „mit dem Ziel der Korrektur“, wie Graf betont. Er möchte klargestellt wissen, etwa durch eine Entschließung des Gemeinderats, dass Laemmle ein Laup- heimer Ehrenbürger ist und bleibt. Das Land für seinen Teil möge die „rechtswidrige“ Anordnung von 1921 revidieren, als Geste der Wiedergutmachung gegenüber den Nachfahren.

Auch OL-Stadträtin Iris Godel-Ruepp sieht Klärungsbedarf. Im Kulturausschuss verwies sie am Montag auf die Homepage der Stadt. Dort heißt es lediglich, Laemmle sei für seine regelmäßigen Spenden mit der Ehrenbürgerschaft gedankt worden. Museumsleiter Niemetz nahm dazu Stellung und erklärte: „Aus unserer Sicht wurde die Ehrenbürgerwürde vom Land widerrechtlich außer Kraft gesetzt. Insofern ist sie nach wie vor gültig.“

Wie der 2015 verstorbene Laemmle-Biograf Udo Bayer stellt auch Niemetz fest, dass dem Bescheid des Oberamts von 1921 die rechtliche Grundlage fehlte. Das Ministerium habe fälschlicherweise behauptet, Ausländern wie Laemmle, zum fraglichen Zeitpunkt amerikanischer Staatsbürger, bleibe das Ehrenbürgerrecht verwehrt. In der Gemeindeordnung von 1885, auf die sich das Oberamt berief, sei jedoch nirgends die Rede davon, dass ein Ehrenbürger Deutscher sein muss, so Niemetz. Zum selben Schluss kam laut Bayer das Staatsarchiv Ludwigsburg bereits 1965 in einem Schreiben an die Stadt Laupheim. Zudem war es 1919 allein Sache der Kommunen, Ehrenbürger zu ernennen. Erst von März 1930 an musste der württembergische Staat zustimmen, wenn es sich um Angehörige anderer Nationen handelte.

Laupheims Gemeinderat hat das Verdikt 1921 zur Kenntnis genommen und anscheinend Carl Laemmle darüber informiert, den Beschluss von 1919 aber mitnichten revidiert. Laemmle besuchte weiterhin die alte Heimat und unterstützte sie groß-zügig.

Als Laemmles oscargekrönter Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ 1930 in Deutschland für Aufruhr sorgte und antisemitische Hetzer auf den Plan rief, distanzierten sich die reich Beschenkten allerdings von „Uncle Carl“. Wenige Tage nach der Deutschland-Premiere im Berliner Mozartsaal, NSDAP-Anhänger erzwangen den Abbruch, beschloss der Laupheimer Rat, Anfragen zur Ehrenbürgerschaft Laemmles dahingehend zu beantworten, dass er nicht Ehrenbürger der Stadt sei. Seine Auszeichnung wurde nun geleugnet, aber auch dieses Mal nicht zurückgenommen.

Michael Niemetz könne ja den Wikipedia-Beitrag zu Laemmle und Laupheim ergänzen, schlug Karin Meyer-Barthold (FW) am Montag vor. Rainer Kapellen nickte. Am Dienstag verlautete aus dem Bürgermeisteramt, man wolle den gesamten Sachverhalt nochmals besprechen.

„Geht in die Offensive“

„Geht in die Offensive“, empfiehlt unterdessen der HdG-Chef Schnabel Laupheims Kommunalpolitikern. Sie sollten, statt juristische Mühlen in Gang zu setzen, „ehrlich dokumentieren“ was war, auch dass sich ihre Vorgänger politischem Druck beugten, und mit Stolz bekunden: „Laemmle ist Ehrenbürger dieser Stadt." Dergestalt würde auch ein Signal gesetzt, „dass Laupheim mit seiner Geschichte offen und konstruktiv umgeht“.

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