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„Erwin Hymer blieb stets einer von uns“

Wegbegleiter und Freunde betroffen vom Tod des bekannten Waldseer Unternehmers
Der Unternehmer Erwin Hymer (links) ist seiner Heimatstadt Bad Waldsee treu geblieben und engagierte sich unter anderem in der Narrenzunft, die ihn dafür zum "Ehrenzunftrat" ernannte.
Kara Ballarin

Bad Waldsee sz Der Unternehmer Erwin Hymer (82) aus Bad Waldsee ist tot. Der begnadete Konstrukteur, Firmenpatron, Träger von Bundesverdienstkreuz und Bürgermedaille der Stadt Bad Waldsee ist am Donnerstag nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben. Weggefährten und Freunde in seiner Heimatstadt haben auf diese Nachricht am Freitag mit Bestürzung und Trauer reagiert. „Erwin Hymer ist trotz seiner geschäftlichen Erfolge und dem hohen Ansehen, das er weit über die Grenzen Bad Waldsees hinaus genossen hat, immer einer von uns geblieben – und das hat ihn ausgemacht“, bringt es einer auf den Punkt, der namentlich nicht genannt werden möchte in der SZ, der aber von Kindesbeinen an mit Erwin Hymer befreundet war und ihm all die Jahrzehnte eng verbunden geblieben ist.

Die Information vom Tode des wohl bekanntesten Bad Waldseer Bürgers verbreitete sich am Freitagmorgen wie ein Lauffeuer in der Kurstadt und löste allenthalben Betroffenheit aus. „Mit Herrn Hymer verliert die Stadt Bad Waldsee eine große Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die den Namen der Stadt so geprägt und bekannt gemacht hat wie kein anderer“, unterstrich Bürgermeister Roland Weinschenk , der bei vielen öffentlichen Anlässen mit dem Firmenpatriarchen zusammengetroffen ist. „Vor allem in den Bauphasen von Unternehmen und Museum gab es immer Gelegenheit für mich zu Gesprächen mit ihm. Aber er war auch bei gesellschaftlichen Ereignissen gerne präsent, etwa an der Fasnet“, so Weinschenk, der weiß: „Erwin Hymer hat bleibende Dinge geschaffen in und für Bad Waldsee!“

In sehr guter Erinnerung behalten werden Erwin Hymer deshalb mit Sicherheit auch die vielen Mitglieder der Waldseer Narrenzunft - allen voran Zunftmeister Franz Mosch . „Sein Tod bedeutet in jeder Hinsicht ein großer Verlust für die Zunft, der er über Jahrzehnte hinweg sehr verbunden war und deren Gönner er war“, sagt Mosch. Er erinnert sich gerne zurück an die vielen Feste der Zunfträte in Erwin Hymers Partykeller, die jahrelang am „Bromigen Freitag“ dort ausgerichtet wurden. Mosch über den verstorbenen Ehrenzunftrat Hymer, der privat Golf spielte und auf Reisen selbstverständlich bevorzugt „mobil“ unterwegs war: „Für mich persönlich war er zunächst ein Vorbild, aber er war auch ein Freund und vor allem jemand, der trotz aller Erfolge immer ein normaler Mensch geblieben ist.“

Mit Marianne Mast aus Bad Waldsee bestätigt diesen Sachverhalt auch eine Jahrgängerin des Unternehmers, die einst mit ihm in Volks- und Oberschule die Schulbank gedrückt hat: „Er war bodenständig, hat nie abgehoben, blieb stets einer von uns, kam zu den Jahrgängertreffen und jedes Mal war es so wie immer, wie damals in jungen Jahren...“, denkt Mast zufrieden an die Begegnungen mit Erwin Hymer zurück. Und dabei kommt ihr auch eine Anekdote in den Sinn, die schon früh von den beruflichen Anlagen des späteren Werkzeugmachers, Ingenieurs und Erfinders von Freizeitfahrzeugen künden: „Beim Tanzkurs war er der einzige, der mit einem selbst konstruierten Mofa kam und seine Partnerin heimfuhr, während wir zu Fuß gehen mussten.“

Wilhelm Noppenber ger, lange Jahre Betriebsratsvorsitzender bei der Hymer AG , lenkt seinen Blick auf SZ-Anfrage für einen Moment nochmals zurück auf seine aktive Amtszeit: „Herr Hymer war, so lange er persönlich im Betrieb mitgemischt hat, so etwas wie ein Standortgarant für uns alle. Es war ihm wichtig, dass die Arbeitsplätze in Bad Waldsee gesichert sind“, lobt Noppenberger den persönlichen Einsatz des „Patrons“ für seine Mitarbeiter. „Er hatte zwar viele Betriebe, aber Bad Waldsee war sein Standort. Wir haben uns deshalb immer geeinigt und er war stets kompromissbereit.“

„Erwin Hymer liebte das Leben und die Menschen. So wird er uns immer in Erinnerung bleiben.“ Mit diesem Satz beschrieb gestern morgen denn auch die Hymer AG Bad Waldsee in ihrer schriftlichen Mitarbeiterinformation die Person ihres Firmengründers trefflich. Bekannt war der zweifache Familienvater nämlich auch dafür, dass er seinem Gegenüber stets freundlich, offen und fair begegnete, obwohl er in der Sache selbst durchaus standhaft bleiben konnte. In ihrer Mitteilung an die Beschäftigten betonten die Vorstände Roel L. W. Nizet und Andreas E. Lobejäger sowie Wolfgang Baur, Geschäftsführer der CMC Caravan Verwaltungs GmbH, dass sich das Wirken Erwin Hymers nicht nur als wichtiger Arbeitgeber in der Region manifestiert habe, dass er viel mehr auch ein „ortsverbundener Mensch gewesen ist. Die Unterstützung und Gestaltung des kulturellen Lebens und zahlreicher anderer Initiativen zeichneten ihn als aktives Mitglied inmitten der Gesellschaft aus“, hieß es dazu abschließend.

Am Freitagnachmittag ergänzte Firmensprecher Tobias Welp , dass Erwin Hymer als „Unternehmer mit Tatkraft, Erfindungs- und Pioniergeist eine erfolgreiche Unternehmensgruppe geschaffen und eine gesamte Branche über Jahrzehnte hinweg geprägt“ habe. Welp: „Dabei lag ihm die Nähe zu seinen Mitarbeitern immer besonders am Herzen. Sein langfristiges Denken und wertorientiertes Handeln sind das Fundament, auf dem unsere Unternehmensgruppe heute steht.“

Auch Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben, würdigte die Verdienste des verstorbenen Unternehmers: „Mit dem Tod von Erwin Hymer verliert die Region Bodensee-Oberschwaben eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit. Er verkörperte all das, was man sich unter einem erfolgreichen schwäbischen Unternehmer vorstellt: Erfindungsreichtum, Fleiß und Zielstrebigkeit aber auch Menschlichkeit und Humor.“ Darüber hinaus habe sich Hymer 30 Jahre lang ehrenamtlich als IHK-Vollversammlungsmitglied für die Weiterentwicklung der regionalen Wirtschaft engagiert und das Gesicht der oberschwäbischen Erfolgsgeschichte entscheidend mitgeprägt. Jany: „Seine Wohnwagen und -mobile eroberten mit ihm die Welt und sorgen auch dafür, dass das Andenken an Erwin Hymer lebendig bleiben wird.“

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