Schwäbische.de
Regen 7
Bad Waldsee
Lokales

„Ein kulturhistorischer Skandal“

Der Denkmalschutz bröckelt: zwei mittelalterlichen Häusern in der Altstadt droht der Abriss
Wenn es nach den Plänen des Architekten Felix Elger geht, dann werden diese Häuser bald abgerissen.
Wolfgang Heyer

Bad Waldsee sz Seit kurzer Zeit hängt an einem Haus in der Ulrich-Kuderer-Straße in der Bad Waldseer Innenstadt ein aussagekräftiges Plakat. Darauf verkündet das Elger Architekturbüro: „Wohnen in der Altstadt – hier entstehen 5 barrierefreie Wohnungen.“

Unverständnis und Ärger

Stadtarchivar Michael Barczyk kann seinen Augen beim Anblick der Ankündigung kaum trauen. „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die zwei Häuser aus dem 16. Jahrhundert ja abgerissen werden. Und das wäre ein kulturhistorischer Skandal“, versucht Barczyk auf den bevorstehenden Abriss aufmerksam zu machen. Ein solches Vorgehen stößt bei dem Traditionalisten auf Unverständnis. Schließlich berufe sich die Stadt immer wieder auf ihr mittelalterliches Flair: „Wenn man aber ein mittelalterliches Haus nach dem anderen abreißt, wo bitte soll dann das Flair herkommen. Das passt nicht zusammen.“

Und so wird der Historiker nicht müde, die besondere Beschaffenheit der Immobilie in der Ulrich-Kuderer-Straße 5 hervorzuheben, die sowohl über ein spätmittelalterliches Rundtor, ein Krüppelwalmdach, als auch über ein sogenanntes Eulenloch verfügt. „Das ist eine kleine Öffnung im Dach, über die der Rauch abziehen kann. Es handelt sich nämlich um ein kaminloses Haus, das über eine offene Feuerstelle im Erdgeschoss komplett beheizt wurde. Aus diesem Grund ist auch das Dachgebälk kohlrabenschwarz und von besonderer Bedeutung“, schwärmt Barczyk und würde sich über einen achtlosen Abriss ärgern.

„Noch ist nichts entschieden“

Dass das Gebäude aktuell noch unter Denkmalschutz steht und folglich nicht so einfach abgerissen werden kann, bestätigt der Sachgebietsleiter für Baurecht, Peter Natterer, auf SZ-Nachfrage: „Der Abriss ist noch nicht bewilligt, das wird noch geklärt und es ist noch nichts entschieden.“ Der Bauherr, die Elger GmbH, habe bisher lediglich einen Bauantrag eingereicht. Für einen Abriss müsse gleichwohl ein Abbruchantrag im Kenntnisgabeverfahren gestellt werden. Und das sei bisher noch nicht der Fall gewesen, so Natterer.

Sobald das Ansinnen schriftlich vorliegt, wird die Denkmalschutzbehörde der Stadt Bad Waldsee – wiederrum Peter Natterer – unter Einbeziehung des Regierungspräsidiums Tübingen den Denkmalschutz überprüfen. Das Gebäude mit der Hausnummer sieben könnte jedoch schon jetzt abgerissen werden, es ist nicht geschützt. „Ich glaube aber nicht, dass das geschieht. Es macht wenig Sinn, nur mit einem Teil der Arbeiten zu beginnen.“

Das Ziel: Abriss

Den fälligen Antrag möchte Felix Elger nun alsbald einreichen. „Sobald wir alle Unterlagen zusammen haben, stellen wir den Antrag. Ich habe die Gebäude schließlich gekauft, um sie abzureißen und ein Mehrfamilienhaus zu bauen“, so der Architekt. Die Erfolgsaussichten bezeichnet er darüber hinaus als hervorragend, denn vor ein paar Jahren gab es bereits eine offizielle Abbruchgenehmigung. „Und wieso sollte die jetzt nicht mehr ausgestellt werden?“, fragt sich Elger.

Dass Michael Barczyk den Abriss zur Diskussion frei gibt, nimmt der erfahrene Architekt gelassen zur Kenntnis: „Ich akzeptiere das. Herr Barczyk verkündet in seiner Funktion als Stadtarchivar nur seine Meinung. Deswegen reißen wir die Gebäude trotzdem ab.“ Je nach weiterem Verlauf spekuliert Elger mit einem Abrisstermin bereits Anfang des nächsten Jahres.

Ihr Kommentar zum Thema