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„Das Arbeitsverhältnis wurde beendet“

Oliver Schmid-Selig ist nicht mehr Laupheimer Stadtbaumeister
Im Oktober 2010 gratulierte Bürgermeister Rainer Kapellen dem neuen Stadtbaumeister Oliver Schmid-Selig (links). Risse im Verhältnis der beiden traten bald zutage und waren nicht zu kitten.
Fotomontage: Braig

LAUPHEIM ry Schlüssel und Diensthandy hat er abgegeben, seinen Schreibtisch im Rathaus geräumt: Seit einigen Tagen ist Oliver Schmid-Selig nicht mehr Stadtbaumeister. Der 49-jährige Diplom-Ingenieur und Architekt hat einen Aufhebungsvertrag unterschrieben.

„Auf Wunsch von Herrn Schmid-Selig wurde das Arbeitsverhältnis beendet“, erklärte Bürgermeister Rainer Kapellen auf Anfrage der SZ. Damit sei in dieser personalrechtlichen Angelegenheit „gesagt, was zu sagen ist“.

Über die Vertragsinhalte haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Dass Kapellen seinen Bauamtsleiter nicht sonderlich schätzte, gilt im Rathaus und in der Laupheimer Kommunalpolitik allerdings seit Langem als offenes Geheimnis. Wobei nicht wenige hinter vorgehaltener Hand sagen, Schmid-Selig habe nie wirklich eine Chance bekommen, sich zu beweisen.

Der Gemeinderat kürte ihn im Oktober 2010 zum Stadtbaumeister. Bis dahin leitete Schmid-Selig achteinhalb Jahre das Stadtbauamt in Mengen, bis dieses aufgelöst, in ein Sachgebiet umgewandelt und der dortigen Kämmerei unterstellt wurde. In Mengen wurde spekuliert, die Herabstufung habe ihn zum Gehen bewegen sollen, und Schmid-Selig machte keinen Hehl daraus, dass er und der 2008 ins Amt gewählte Bürgermeister Stefan Bubeck nicht auf einer Wellenlänge lagen. „Das war kein Grund, ihn nicht zu nehmen“, sagte damals ein Laupheimer Stadtrat der SZ. „Er hatte gute Referenzen.“

Schmid-Selig brannte nach eigenem Bekunden darauf, in Laupheim anzufangen. Im Januar 2011 trat er die Stelle an. Kapellen war offenbar schon bald unzufrieden mit ihm. Nur mit Rückendeckung einer Ratsmehrheit wurde Schmid-Seligs Probezeit zunächst verlängert und schließlich ein unbefristetes Arbeitsverhältnis als städtischer Angestellter daraus. Im Herbst 2011 bewarb er sich zweimal von Laupheim weg, ohne Erfolg.

Bereits damals sei zu erkennen gewesen, dass die Kluft zwischen Bürgermeister und Stadtbaumeister von Dauer sein würde, berichtet ein Ratsmitglied. Der Konflikt weitete sich aus, drehte sich unter anderem um angebliche Verstöße gegen Arbeitszeiten. Aus dem Bauamt sind keine Klagen über Schmid-Selig bekannt. Ehemalige Mitarbeiter bescheinigen ihm menschliche Qualitäten und Fachkompetenz.

Im September 2012 richtete Schmid-Selig einen Hilferuf an die Fraktionen. In dem Schreiben, das der SZ vorliegt, beklagt er sich bitter darüber, wie der Bürgermeister mit ihm und anderen Rathaus-Bediensteten umspringe: „Wie auch andere dies empfinden, wird nur noch versucht, mich in Besprechungen ,vorzuführen‘, um meine Inkompetenz beweisen zu können“. Langjährige Mitarbeiter würden „mit Misstrauen überzogen und dadurch in ihrer Arbeit behindert“. Die Stimmung im Rathaus sei sehr schlecht. „Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, verliert Laupheim.“ Rainer Kapellen sieht demgegenüber die Stimmung in seinem Haus für „gut“ an, wie er erst jüngst im Jahresabschlussinterview der SZ behauptet hat.

Als Kapellen von Schmid-Seligs Vorstoß erfuhr, war das Tischtuch endgültig zerschnitten. Nach übereinstimmenden Berichten aus Rathaus und Gemeinderat wurde Schmid-Selig in der Folge regelrecht kaltgestellt. Ihm seien alle wichtigen Kompetenzen entzogen worden.

Das mag ihn bewogen haben, das Kapitel Laupheim zu beenden. Wie die SZ erfuhr, hat Kapellen am vergangenen Montag den Stadträten in nichtöffentlicher Sitzung den von beiden Parteien bereits unterschriebenen Aufhebungsvertrag vorgelegt. Nach SZ-Informationen ist darin geregelt, dass Schmid-Selig noch ein ganzes Jahr lang seine vollen Bezüge erhält. Allein die Urlaubsansprüche und Überstunden sollen sich auf mehrere Monate summieren.

Kapellen brauchte für die Abmachung das Okay des Gemeinderats, der für personalrechtliche Entscheidungen in dieser Entgeltgruppe (TVöD 14) zuständig ist. Die Räte haben, wie zu hören ist, mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Aufgrund der Entwicklung habe man keine Chance mehr gesehen, dass sich das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Stadtbaumeister bessern könnte, wird berichtet. Letztlich habe man einen unguten Zustand beenden und Oliver Schmid-Selig auch schützen wollen.

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