Bayern
Geplante Pflegekammer in Bayern stößt auf Zuspruch
„Die professionelle Pflege erhält mit der Kammer die Anerkennung und Wertschätzung, die sie verdient“, sagte Marliese Biederbeck, Landesgeschäftsführerin im Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK). Auch der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising und der Paritätische Wohlfahrtsverband äußerten sich am Freitag positiv.
„Berufspolitisch kann sich die Pflegekammer eignen, den Organisationsgrad und die berufliche Selbstbestimmung der Pflegekräfte zu steigern“, sagte Margit Bendl, Vorstand des bayerischen Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Jedoch seien noch zahlreiche Fragen offen, wie die Höhe von Pflichtmitgliedschaften oder Berufszulassungen für ausländische Berufsabschlüsse, gab Bendl gleichzeitig zu bedenken.
Als erstes Bundesland will Bayern eine sogenannte Pflegekammer einführen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag) berichtete. Dadurch würden Pflegekräfte den Berufsvertretungen von Apothekern und Ärzten gleichgestellt. Söder, der als Gesundheitsminister für die bayerischen Heilberufe zuständig ist, sagte der Zeitung: „Die größte Gruppe im Gesundheitswesen braucht unbedingt eine eigene Stimme.“
Im Unterschied zu Verbänden gilt in einer Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts eine Zwangsmitgliedschaft für alle Berufstätigen der betreffenden Branche. „Das schafft mehr Transparenz, denn wir wissen momentan nicht, wie viele Pflegekräfte in Bayern überhaupt tätig sind“, sagte Biederbeck. Derzeit gehe man in Bayern von schätzungsweise 150 000 Beschäftigten in der Pflegebranche aus. Mithilfe einer Kammer und der Erfassung aller Berufstätigen in der Pflegebranche könne man zukünftig exakte Zahlen nennen, ergänzte Biederbeck. Zudem verbessere die Einführung einer Kammer die Qualitätsstandards. „Fort- und Weiterbildungen können so übergreifend besser gesteuert werden.“
Kritische Stimmen gab es von dem Münchner Pflege-Experten Claus Fussek. Die Diskussion um eine Einführung der Pflegekammer führe völlig am Thema vorbei, sagte er. Politik, Kostenträger und Gesellschaft wüssten seit Jahrzehnten, dass Pflegekräfte besser bezahlt werden müssen. „Für was soll sich diese Kammer also stark machen? Sie wird zu Ergebnissen kommen, die längst vorliegen: Wir brauchen bessere Löhne“, sagte er an die Adresse der Arbeitgeber gerichtet. Fussek schlägt der Pflegebranche stattdessen vor, sich verstärkt in Gewerkschaften zu organisieren.
(Erschienen: 28.01.2011 17:55)
„Die professionelle Pflege erhält mit der Kammer die Anerkennung und Wertschätzung, die sie verdient“, sagte Marliese Biederbeck, Landesgeschäftsführerin im Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK). Auch der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising und der Paritätische Wohlfahrtsverband äußerten sich am Freitag positiv.
„Berufspolitisch kann sich die Pflegekammer eignen, den Organisationsgrad und die berufliche Selbstbestimmung der Pflegekräfte zu steigern“, sagte Margit Bendl, Vorstand des bayerischen Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Jedoch seien noch zahlreiche Fragen offen, wie die Höhe von Pflichtmitgliedschaften oder Berufszulassungen für ausländische Berufsabschlüsse, gab Bendl gleichzeitig zu bedenken.
Als erstes Bundesland will Bayern eine sogenannte Pflegekammer einführen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag) berichtete. Dadurch würden Pflegekräfte den Berufsvertretungen von Apothekern und Ärzten gleichgestellt. Söder, der als Gesundheitsminister für die bayerischen Heilberufe zuständig ist, sagte der Zeitung: „Die größte Gruppe im Gesundheitswesen braucht unbedingt eine eigene Stimme.“
Im Unterschied zu Verbänden gilt in einer Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts eine Zwangsmitgliedschaft für alle Berufstätigen der betreffenden Branche. „Das schafft mehr Transparenz, denn wir wissen momentan nicht, wie viele Pflegekräfte in Bayern überhaupt tätig sind“, sagte Biederbeck. Derzeit gehe man in Bayern von schätzungsweise 150 000 Beschäftigten in der Pflegebranche aus. Mithilfe einer Kammer und der Erfassung aller Berufstätigen in der Pflegebranche könne man zukünftig exakte Zahlen nennen, ergänzte Biederbeck. Zudem verbessere die Einführung einer Kammer die Qualitätsstandards. „Fort- und Weiterbildungen können so übergreifend besser gesteuert werden.“
Kritische Stimmen gab es von dem Münchner Pflege-Experten Claus Fussek. Die Diskussion um eine Einführung der Pflegekammer führe völlig am Thema vorbei, sagte er. Politik, Kostenträger und Gesellschaft wüssten seit Jahrzehnten, dass Pflegekräfte besser bezahlt werden müssen. „Für was soll sich diese Kammer also stark machen? Sie wird zu Ergebnissen kommen, die längst vorliegen: Wir brauchen bessere Löhne“, sagte er an die Adresse der Arbeitgeber gerichtet. Fussek schlägt der Pflegebranche stattdessen vor, sich verstärkt in Gewerkschaften zu organisieren.
(Erschienen: 28.01.2011 17:55)
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