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Baden-Württemberg

Oberschwabens Storchen fehlt es an Nachwuchs

Störche
Störche

Irndorf / dpa Die Kälte im Frühsommer hat den Störchen in Oberschwaben dieses Jahr schwer zugesetzt.

Erneut hätten deutlich weniger Kleine überlebt als für den Erhalt der Population nötig wären, sagte die Storchenbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen, Ute Reinhard, der Nachrichtenagentur dpa. Auch der intensive Anbau von Mais und Raps für Bio-Sprit mache den Tieren zu schaffen. Nachdem die Zahl der Störche in Oberschwaben bis vor einigen Jahren wieder deutlich gestiegen war, werde die Situation nun wieder schwieriger. Oberschwaben ist neben dem oberen Rheintal das wichtigste Brutgebiet für Störche in Baden-Württemberg.

117 Storchenpaare haben dieses Jahr in Oberschwaben und am Bodensee ihre Jungen großgezogen. 188 Jungstörche haben überlebt und sind in den vergangenen Wochen nach und nach ausgeflogen. „Das heißt, jedes Storchenpaar hat im Schnitt 1,6 Junge durchgebracht. Das ist nicht katastrophal, aber eigentlich wären zwei Junge pro Storchenpaar nötig“, sagte die Expertin.

Durch die kühle Witterung im Mai und Juni hätten die Störche wenig Futter gefunden. Besonders verheerend sei dann aber die Kältewelle Mitte Juni gewesen. „Da waren die Jungstörche so groß, dass die Alten sie nicht mehr wärmen konnten — sie hatten aber auch noch kein dichtes Gefieder, um der Kälte zu trotzen“, sagte die Biologin, die sich seit fast zehn Jahren um die Störche in Oberschwaben kümmert.

Reinhard beobachtet aber auch, dass viele Störche ihre Kinder nicht mehr so gut umsorgen wie früher. Das sei vor allem bei den Tieren festzustellen, die im Winter nicht mehr in den Süden fliegen. „Die entwickeln fast eine Art Freizeitverhalten und kümmern sich dann auch nicht so gut um ihre Jungen.“ Etwa ein Drittel der Störche verbringt den Winter inzwischen in Oberschwaben — vor allem, weil sie von Privatleuten gefüttert werden. „Es gibt Störche, die gehen gar nicht mehr auf Futtersuche, sondern warten am Nest, bis die Fütterung kommt“, klagt die Biologin.

Aber auch die Landwirtschaft werde zunehmend zum Problem. „Störche brauchen feuchtes Grünland, das nicht zu intensiv gedüngt und gemäht wird“, sagt die Storchen-Beauftragte. Dort finden sie Heuschrecken und Käfer. Allerdings werde in Oberschwaben immer mehr Mais und Raps angebaut. „Das schränkt das Futterangebot der Störche stark ein. Und wenn Jungstörche bei ihren ersten Flugversuchen in einem Maisfeld landen, dann kommen sie da meistens nicht mehr raus.“

(Erschienen: 16.08.2010 06:32)

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