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Baden-Württemberg

Kindern helfen ist schöner als Urlaub machen

Espoir kann wieder lachen: Der Vierjährige hatte sich beide Beine gebrochen, konnte aber dank des Geldes von "Wir helfen Afrika" operiert werden.
Espoir kann wieder lachen: Der Vierjährige hatte sich beide Beine gebrochen, konnte aber dank des Geldes von "Wir helfen Afrika" operiert werden.

LOMÉ / tk Mindestens 32 afrikanische Kinder können im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft dank Geld aus der Spendenaktion „Wir helfen Afrika“ operiert werden. Sie haben es dringend nötig, ihre Eltern jedoch selbst keine finanziellen Mittel.

Den ersten Kindern wurde nun im westafrikanischen Togo geholfen – auf dem größten karitativen Krankenhausschiff der Welt und in einer privaten Klinik an Land.  

Es ist drückend schwül, vom nahen Marktplatz weht der Rauch eines brennenden Müllbergs herüber. Espoir scheint das nicht zu stören. Lachend steht der Vierjährige in der togolesischen Hauptstadt Lomé in der Sonne. Dabei hätte Espoir allen Grund, traurig zu sein. Bei einem Unfall brach er sich beide Beine. Für die nötige Operation fehlt seinen Eltern das Geld. Auf dem Krankenhausschiff „MS Africa Mercy“ wird ihm geholfen. Auch mit Hilfe aus Deutschland.

Die baden-württembergische Initiative „Wir helfen Afrika“ hat sich nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland das Ziel gesetzt, zur WM 2010 in Südafrika mindestens 32 hilfsbedürftigen afrikanischen Kindern eine Operation zu ermöglichen. 32 deutsche Partnerstädte haben sich der Initiative angeschlossen. Ein Teil des gesammelten Geldes fließt nach Togo.

Dort, im Hafen von Lomé, liegt seit Februar die „MS Africa Mercy“. Die nackten Zahlen: 152 Meter lang, sieben Decks, etwa 500 Mitarbeiter und Platz für 80 Patienten. Vom Militär wird das Schiff gesichert, wer an Bord gehen will, muss drei Kontrollen passieren. Dahinter wartet eine eigene Welt. Die frühere dänische Eisenbahnfähre ist zu einer schwimmenden Stadt geworden, inklusive Starbucks-Café. Ständiger Begleiter an Bord ist zum einen das leichte Schwanken durch die Wellen, zum anderen das Brummen der Generatoren. „Sie sind zu laut geworden“, sagt sogar Kapitän Tim Tretheway, der sich eigentlich an das Geräusch gewöhnt haben müsste. Seit 23 Jahren arbeitet er für die amerikanische Hilfsorganisation „Mercy Ship“, seit fünf Jahren ist er mit der „MS Africa Mercy“ unterwegs. Elf Monate pro Jahr. Es ist sein Job, Geld bekommt er aber nicht. Im Gegenteil. Jeder Mitarbeiter muss monatlich eine Art Miete bezahlen. Bei Michel Pelzer sind es 650 Euro.

Der 22-Jährige aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim arbeitet seit Januar 2009 an Bord. „Ich wollte nicht Karriere machen“, sagt der Gesundheits- und Krankenpfleger, der für Mercy Ship seinen Job in Deutschland aufgab. „Ich will das, was ich kann, für Hilfsbedürftige einsetzen.“ Finanzielle Unterstützung erhält Michel Pelzer von seiner Familie, Freunden und seiner kirchlichen Hausgemeinde. Der Glaube spielt an Bord eine wichtige, eine zentrale Rolle. „Der Glaube hilft dir, das Erlebte zu verarbeiten“, sagt Pelzer. „Du kommst an Bord an deine Grenzen“, ergänzt Christine Heckler. „Der Glaube an Gott gibt dir neue Kraft.“ Die OP-Schwester aus der Nähe von Hannover verbringt ihren Urlaub arbeitend auf dem Schiff. Inzwischen zum dritten Mal. „Viele Freunde haben gesagt, du bist verrückt. Aber hier zu helfen ist besser als Urlaub.“ Geholfen wird allen, die sich eine medizinische Versorgung nicht leisten können. Von den Hilfsprojekten „Wir helfen Afrika“ und „Wangen hilft Togo“ kommen 14 000 Euro. 14 Kinder werden dadurch auf dem Schiff operiert.

Unter ihnen ist Gloria. Die Dreijährige liegt in einem stickigen Zimmer in der privaten Polyklinik St. Joseph in Lomé auf dem Schoß ihrer Mutter. Der Frankfurter Chirurg Dr. Klaus Exner, der in dieser Woche ehrenamtlich in der Klinik arbeitet, hat die kleine Gloria vom Spendengeld von „Wir helfen Afrika“ an ihrer Klumphand operiert. Unterstützt wurde er von Dr. David Dovie-Akue. Guy, sein Vater, leitet die Polyklinik und hat die OP-Räume bereits zum dritten Mal für „Wangen hilft Togo“ und „Wir helfen Afrika“ zur Verfügung gestellt. Viel Arbeit, die Guy Dovie-Akue auf sich nimmt: „Wenn ich dadurch helfen kann, mache ich es gerne“, sagt der togolesische Arzt.

Diese Einstellung freut Igor Wetzel. Der Zahnarzt aus Wangen im Allgäu ist Vorsitzender von „Wir helfen Afrika“. „Das ganze Projekt ist viel größer geworden als geplant“, gibt er zu. „Es hat zu viel Stress geführt. Wenn man aber sieht, wie sich die Menschen hier über unsere Hilfe freuen, ist das ein schönes Gefühl.“

Auch in die Geschäftsstelle in Leutkirch kehrt noch keine Ruhe ein. Erst nach der Fußball-WM ist der große Stress für die Verantwortlichen von „Wir helfen Afrika“ vorbei. Ganz aufgeben will Wetzel die Spendenaktion danach aber nicht. „Mein langfristiges Ziel ist, zu jeder Weltmeisterschaft 32 Kindern eine Operation zu ermöglichen“, sagt Wetzel. Der Fußball bleibt also weiterhin das verbindende Element zwischen den Kontinenten und trägt mit dazu bei, dass afrikanische Kinder ihr Lachen nicht verlieren.

Thorsten Kern hat auch für Radio 7 aus Togo berichtet - Ausschnitte aus dem Interview sind hier zu hören

Weiterlesen: Eine Welle der Hilfsbereitschaft für Afrika rollt an

So viel haben die 32 Städte schon gespendet

(Erschienen: 10.05.2010 21:20)

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