Südfinder
Südfinder JOB
Südfinder AUTO
Südfinder IMMO
Südfinder TICKET
Südfinder HANDWERK
bodensee
Lakeparty
Regio-TV
inserieren
abo
e-paper
Schwäbisch.Media

Baden-Württemberg

Grün-Rot will ehemalige Gestapo-Zentrale retten

Das ehemalige Hotel Silber ist links neben dem Gebäude im Vordergrund zu sehen.
Das ehemalige Hotel Silber ist links neben dem Gebäude im Vordergrund zu sehen.

Stuttgart / lsw Der Abriss war schon so gut wie beschlossen. Von der ehemaligen Stuttgarter Gestapo-Zentrale sollte maximal ein Gedenkraum übrig bleiben. Doch Grün-Rot will das ganze Haus retten – und sprengt damit eines der größten Bauprojekte in Stuttgart.

Im Südwesten weht jetzt ein anderer Wind. An kaum einem anderen Ort ist das so greifbar wie an der Dorotheenstraße im Stuttgarter Zentrum. Wollte Schwarz-Gelb das Haus Nr. 10 schon bald einem Mega-Einkaufsviertel opfern, stoppte Grün-Rot diese Pläne sofort. Das Haus soll nun als Gedenkort erhalten bleiben. Schließlich könne man gerade hier die Erinnerungskultur besonders gut pflegen, und das haben sich Grüne und SPD fest vorgenommen.

Es ist eine Erinnerung an unvorstellbare Gräuel: Während die Nazis in den oberen Räumen die Deportationen von Juden, Homosexuellen und anderen besiegelten, folterten sie im Keller Gefangene bis aufs Blut.

Ziel sei es, das ehemalige Hotel Silber zu erhalten, versicherte jüngst Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Zwar steht in der Koalitionsvereinbarung nur, dass man „Orte der Erinnerungskultur“ konzeptionell und archivarisch unterstützen wolle. In einer Protokollnotiz soll aber ausdrücklich der Erhalt des ehemaligen Hotels Silber erwähnt sein. Gespräche soll es schon bald geben.

In dem Gebäude hatte von 1936 bis 1945 die Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) ihren Sitz. Es steht aber einem der größten Bauprojekte in Stuttgart im Weg. Das Land und die Firma Breuninger wollten das gesamte Quartier unweit des Marktplatzes neu ordnen. Das 280-Millionen-Euro-Projekt trägt den wohlklingende Name „Da Vinci“, federführend bei der Planung ist das Vorzeige-Architekturbüro Behnisch. Auf 47 000 Quadratmetern sollen Landesministerien, Geschäfte und ein Hotel Platz finden. Vorgesehen ist auch ein Gedenkort „Dorotheenstraße“ auf knapp 230 Quadratmetern.

Breuninger wartet jetzt erstmal ab. „Wir gehen unverändert davon aus, dass das Projekt so wie mit dem Land vereinbart umgesetzt werden kann“, sagte Sprecher Helmuth Bohnenstengel. Allerdings stammt diese Vereinbarung aus einer anderen Zeit. Baubeginn sollte Ende 2011 sein. Doch wie geht es jetzt weiter?

Verschiedene Initiativen, die sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzen, haben die Kehrtwende des Landes gefeiert. „Das Hotel Silber ist zentrales Mahnmal der NS-Gewaltherrschaft und der unsensiblen Restauration nach 1945. Es ist deshalb gleichzeitig Ort der Unmenschlichkeit und der Demokratie“, heißt es in einer Mitteilung der „Gruppe der Fünfzig“, zu der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Künstler Klaus Staeck, Moderator Roger Willemsen und Kabarettist Dieter Hildebrandt gehören.

Ziel müsse es sein, dass die Verbrechen der Nazis umfassend erforscht und in dem historischen Gebäude dokumentiert werden, wie etwa in Köln geschehen, hieß es bei der Initiative „Die Anstifter“.

Die Stadt hält sich raus. Man sei ja weder Eigentümer noch Bauherr, hieß es im Rathaus. Letztlich obliegt es der Stadt nur, den Bebauungsplan zu erstellen. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) drängt dennoch: „Wir brauchen an dieser zentralen Stelle in der Innenstadt eine qualitätsvolle städtebauliche und architektonische Neuordnung – auch mit Ladenzeilen und Gastronomie. So wie es ist, kann es nicht bleiben.“

(Erschienen: 19.05.2011 07:30)

- Anzeige -
Artikelfunktionen
drucken
Bewertungen
4.6
4,6 (14 Stimmen)
Das könnte Sie auch interessieren
- Anzeige -