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Baden-Württemberg

Ermittler gehen dem Delfin-Sterben auf den Grund

Tote Tiere im Bodensee-Freizeitpark Connyland befeuern Debatte über artgerechte Haltung der Tiere
Ermittler gehen dem Delfin-Sterben auf den Grund
Ermittler gehen dem Delfin-Sterben auf den Grund

Von Kerstin Conz

Lipperswil Aperitif mit Flipper und Co.? Im Bodensee-Freizeitpark Lipperswil bei Kreuzlingen (Thurgau) kein Problem. An Europas größter Open-Air-Lagune können sich Brautpaare sogar das Ja-Wort geben und Kinder einen Tag als Delfin-Trainer jobben. Doch das letzte Schweizer Delfinarium steht massiv in der Kritik.

Die deutsche Tierschutzorganisation Pro Wal mit Sitz in Radolfzell (Kreis Konstanz) hatte schon vergangene Woche einen Zusammenhang des ersten Delfintods mit einer Technoparty im Connyland vermutet. Doch nach einem weiteren Todesfall am Sonntag hat sich nun die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen eingeschaltet. Sie vermutet eine Vergiftungsserie und ermittelt gegen Unbekannt.

Für Staatsanwalt Patrick Müller sind die kurz aufeinander folgenden Todesfälle mehr als ein Zufall. „Beide Tiere hatten die gleichen Symptome“, so Müller. Die Tiere seien möglicherweise vergiftet worden. Das toxikologische Gutachten sei jedoch sehr aufwendig und werde voraussichtlich erst in einigen Tagen vorliegen. Polizei und der Freizeitpark hätten vorsorglich Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um weitere Todesfälle zu verhindern. Das Connyland habe vergangene Woche anonyme Drohungen erhalten. Diese richteten sich allerdings gegen die Betreiber des Freizeitparks, nicht gegen die Tiere, so der Staatsanwalt.

Der Zustand der Tiere war zuerst einem Mitarbeiter aufgefallen. Er hatte nach Polizeiangaben am Sonntagnachmittag bemerkt, dass sich der Gesundheitszustand von Delfin Chelmers innerhalb kurzer Zeit massiv verschlechterte. Trotz sofortiger Behandlung durch den Tierarzt starb Chelmers wenig später. Nur wenige Tage zuvor war Delfin Shadow in den Armen seines Trainers überraschend verendet. Der Freizeitpark war nach dem neuen Todesfall nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Tod der Tiere beschäftigt nicht nur Polizei und Staatsanwaltschaft, sondern befeuert auch die Debatte über Delfinarien an sich.

Die Tierschutzorganisation OceanCare stellt am Donnerstag in Bern eine Petition für ein Verbot von Delfin-Importen vor. Bereits vor einigen Tagen rief der ehemalige Tiertrainer aus der Fernsehserie „Flipper“ bei der deutschen Bambi-Verleihung zu einem Boykott von Delfin-Shows auf. Eine artgerechte Haltung der Tiere sei in Gefangenschaft nicht möglich. Ric O’Barry wurde für seinen Dokumentar-Spielfilm „Die Bucht“ mit dem Bambi ausgezeichnet.

Delfinarien sind seit Jahren umstritten. In Deutschland wurde bereits rund ein halbes Dutzend Anlagen geschlossen und die Eröffnung einer Lagune im Nürnberger Zoo in diesem Jahr rief bei Tierschützern bundesweite Kritik hervor. In der Schweiz stellte der Kinderzoo in Rapperswil bei Zürich die Haltung von Delfinen ein. Seitdem unterhält das Connyland das letzte Delfinarium der Schweiz.

Der Bodensee-Freizeitpark war bereits in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten. Im vergangenen Jahr ermittelte die Staatsanwaltschaft aufgrund der Anzeige einer Tierschutzorganisation gegen das Pflegerteam. Zwischen 2006 und 2009 seien mehrere Tiere gestorben, darunter auch drei Delfinbabys, so Staatsanwalt Müller. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.

Auch nach den neuen Todesfällen gibt es nach Ansicht des Thurgauer Kantonstierarztes Paul Witzig derzeit keinen Grund, dem Delfinarium die Bewilligung zu entziehen. Zwar sei er tief betroffen, die Delfinhaltung im Connyland entspreche jedoch den Vorschriften, sagte Witzig in einem Radiointerview.

(Erschienen: 15.11.2011 22:25)

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