Baden-Württemberg
Die harte Realität begleitet Mappus‘ Sommertour
Von unserem Redakteur Armin Kübler
Wortspiele mit Wahlkampfbussen erinnern unweigerlich an die Mutter aller Kampagnenfahrzeuge, das Guidomobil. Mit dem zog einst FDP-Chef Guido Westerwelle als Kanzlerkandidat durchs Land, begleitet von sehr viel Häme. Die Kreation „Map-Bus“ erschien den CDU-Parteistrategen dennoch zu verlockend. Seit Montag ist der Landesvorsitzende Stefan Mappus daher mit dem „Map-Bus“ unterwegs. Zwei Wochen soll die Sommertour insgesamt dauern.
Bereits im Juni hatte Mappus bei zehn Regionalkonferenzen den Finger an den Puls der Basis gelegt. Bei der Sommertour geht es jetzt mehr um Land und Leute. Besser gesagt, Land und Leute sollen den Landesvater kennenlernen. Mappus besucht Hocketsen, trägt sich in Goldene Bücher ein und spricht mit Mittelständlern.
Auch etwas Folklore kann da nicht schaden. So wie gestern Morgen in Wallhausen am Bodensee. Mappus kam bei strahlendem Sonnenschein per Schiff von Bodman. Die CDU hatte die MS Seestern gechartert. Als der Ministerpräsident in Wallhausen von Bord ging, erwartete ihn schon der Musikverein mit Blasmusik. „Das ist ja wie in einem bayerischen Film“, seufzte ein mitgereister Parteifreund. Als sich dann noch Ortsvorsteher Roger Tscheulin entschuldigte, dass ihm auf die Schnelle kein Problem eingefallen sei, das er an den Ministerpräsidenten hätte herantragen können, schien die heile Welt komplett.
Die harte Realität holte Mappus in Form von zwei Teenagern ein. Stuttgart-21-Gegner. Sie standen in der kleinen Menschentraube am Hafen zwar ganz hinten, aber Mappus entdeckte ihr Plakat: „Gegen S21 – für Demokratie.“ Dieser Vorwurf der Projektgegner fuchst Mappus besonders. Er nahm sich Zeit und diskutierte mit den Jugendlichen.
Bei Stuttgart 21 setzt Mappus derzeit ohnehin auf Dialog. Sein am Montag verkündetes Gesprächsangebot an die Projektgegner hatte in deren Lager zunächst für Konfusion gesorgt. Mappus treibt zwar die Sorge, dass der Protest dauerhaft die Landeshauptstadt lahmlegen könnte. Doch das Gesprächsangebot könnte sich auch als kluger Schachzug erweisen. In der Front der Projektgegner könnten sich erste Risse auftun.Hopfenkranz beruhigt die Nerven
Die zwei Teenager in Wallhausen blieben nicht die einzigen Proteste. In Siggenweiler bei Tettnang, wo Mappus sich das Hopfenmuseum anschaute, standen knapp 30 Protestler. Atomkraftgegner. Sie empfingen den „Map-Bus“ mit „Abschalten, jetzt“-Rufen und einem Transparent: „Oberschwaben können auch anders“. Mappus war jetzt sichtlich genervt. Die Begrüßungszeremonie wollte er nach drinnen verlegen. „Auf, rein jetzt“, zischte er. Ein Glück, dass Museumsleiterin Ingeborg Locher ihm nach einem kurzen Rundgang noch einen Hopfenkranz mit auf den Weg gab. „Einmal dran riechen, das beruhigt.“
Etwas zur Beruhigung hätte Mappus vielleicht bereits am Morgen gebrauchen können. Die aktuelle Forsa-Umfrage zur Landtagswahl ist ein schwerer Schlag für seine Regierungskoalition. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen liegt demnach Rot-Grün in der Wählergunst vor Schwarz-Gelb.
Da sei viel Gegenwind aus Berlin dabei, werden die Umfrageergebnisse in der Südwest-CDU stets kommentiert. Doch auch Stuttgart 21 macht ordentlich Wind. Je länger sich die Proteste hinziehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele das Thema im März mit in die Wahlkabine nehmen. Laut Forsa-Umfrage würde derzeit jeder Dritte seine Entscheidung von diesem Thema abhängig machen.
Für die Eröffnung eines neuen Terminals des Flughafens in Friedrichshafen unterbrach Mappus kurz die Sommertour. Hier kam er auf Stuttgart 21 zu sprechen. Im Urlaub habe er sich wegen der Ereignisse in der Landeshauptstadt die Augen gerieben. „Ich habe Respekt vor friedlichen Demonstranten. So lange man korrekt argumentiert.“ Persönliche Diskreditierung und Unsachlichkeit lehne er aber ab. „Man muss mit Argumenten überzeugen.“
Es scheint als müsse Mappus im bevorstehenden Landtagswahlkampf richtig kämpfen. Dabei lief es in den sieben Monaten seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten zumindest parteiintern nicht schlecht für den 44-Jährigen. Mit jedem CDU-Granden, der seinen Rückzug bekannt gab, stieg Mappus‘ Stern ein bisschen höher. Doch er weiß: Die Partei liebt nur Wahlsieger.
In Friedrichshafen gab er sich kämpferisch: „Gute Piloten starten gegen den Wind.“
(Erschienen: 01.09.2010 22:45)
Von unserem Redakteur Armin Kübler
Wortspiele mit Wahlkampfbussen erinnern unweigerlich an die Mutter aller Kampagnenfahrzeuge, das Guidomobil. Mit dem zog einst FDP-Chef Guido Westerwelle als Kanzlerkandidat durchs Land, begleitet von sehr viel Häme. Die Kreation „Map-Bus“ erschien den CDU-Parteistrategen dennoch zu verlockend. Seit Montag ist der Landesvorsitzende Stefan Mappus daher mit dem „Map-Bus“ unterwegs. Zwei Wochen soll die Sommertour insgesamt dauern.
Bereits im Juni hatte Mappus bei zehn Regionalkonferenzen den Finger an den Puls der Basis gelegt. Bei der Sommertour geht es jetzt mehr um Land und Leute. Besser gesagt, Land und Leute sollen den Landesvater kennenlernen. Mappus besucht Hocketsen, trägt sich in Goldene Bücher ein und spricht mit Mittelständlern.
Auch etwas Folklore kann da nicht schaden. So wie gestern Morgen in Wallhausen am Bodensee. Mappus kam bei strahlendem Sonnenschein per Schiff von Bodman. Die CDU hatte die MS Seestern gechartert. Als der Ministerpräsident in Wallhausen von Bord ging, erwartete ihn schon der Musikverein mit Blasmusik. „Das ist ja wie in einem bayerischen Film“, seufzte ein mitgereister Parteifreund. Als sich dann noch Ortsvorsteher Roger Tscheulin entschuldigte, dass ihm auf die Schnelle kein Problem eingefallen sei, das er an den Ministerpräsidenten hätte herantragen können, schien die heile Welt komplett.
Die harte Realität holte Mappus in Form von zwei Teenagern ein. Stuttgart-21-Gegner. Sie standen in der kleinen Menschentraube am Hafen zwar ganz hinten, aber Mappus entdeckte ihr Plakat: „Gegen S21 – für Demokratie.“ Dieser Vorwurf der Projektgegner fuchst Mappus besonders. Er nahm sich Zeit und diskutierte mit den Jugendlichen.
Bei Stuttgart 21 setzt Mappus derzeit ohnehin auf Dialog. Sein am Montag verkündetes Gesprächsangebot an die Projektgegner hatte in deren Lager zunächst für Konfusion gesorgt. Mappus treibt zwar die Sorge, dass der Protest dauerhaft die Landeshauptstadt lahmlegen könnte. Doch das Gesprächsangebot könnte sich auch als kluger Schachzug erweisen. In der Front der Projektgegner könnten sich erste Risse auftun.Hopfenkranz beruhigt die Nerven
Die zwei Teenager in Wallhausen blieben nicht die einzigen Proteste. In Siggenweiler bei Tettnang, wo Mappus sich das Hopfenmuseum anschaute, standen knapp 30 Protestler. Atomkraftgegner. Sie empfingen den „Map-Bus“ mit „Abschalten, jetzt“-Rufen und einem Transparent: „Oberschwaben können auch anders“. Mappus war jetzt sichtlich genervt. Die Begrüßungszeremonie wollte er nach drinnen verlegen. „Auf, rein jetzt“, zischte er. Ein Glück, dass Museumsleiterin Ingeborg Locher ihm nach einem kurzen Rundgang noch einen Hopfenkranz mit auf den Weg gab. „Einmal dran riechen, das beruhigt.“
Etwas zur Beruhigung hätte Mappus vielleicht bereits am Morgen gebrauchen können. Die aktuelle Forsa-Umfrage zur Landtagswahl ist ein schwerer Schlag für seine Regierungskoalition. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen liegt demnach Rot-Grün in der Wählergunst vor Schwarz-Gelb.
Da sei viel Gegenwind aus Berlin dabei, werden die Umfrageergebnisse in der Südwest-CDU stets kommentiert. Doch auch Stuttgart 21 macht ordentlich Wind. Je länger sich die Proteste hinziehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele das Thema im März mit in die Wahlkabine nehmen. Laut Forsa-Umfrage würde derzeit jeder Dritte seine Entscheidung von diesem Thema abhängig machen.
Für die Eröffnung eines neuen Terminals des Flughafens in Friedrichshafen unterbrach Mappus kurz die Sommertour. Hier kam er auf Stuttgart 21 zu sprechen. Im Urlaub habe er sich wegen der Ereignisse in der Landeshauptstadt die Augen gerieben. „Ich habe Respekt vor friedlichen Demonstranten. So lange man korrekt argumentiert.“ Persönliche Diskreditierung und Unsachlichkeit lehne er aber ab. „Man muss mit Argumenten überzeugen.“
Es scheint als müsse Mappus im bevorstehenden Landtagswahlkampf richtig kämpfen. Dabei lief es in den sieben Monaten seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten zumindest parteiintern nicht schlecht für den 44-Jährigen. Mit jedem CDU-Granden, der seinen Rückzug bekannt gab, stieg Mappus‘ Stern ein bisschen höher. Doch er weiß: Die Partei liebt nur Wahlsieger.
In Friedrichshafen gab er sich kämpferisch: „Gute Piloten starten gegen den Wind.“
(Erschienen: 01.09.2010 22:45)
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