Südfinder
Südfinder JOB
Südfinder AUTO
Südfinder IMMO
Südfinder TICKET
Südfinder HANDWERK
bodensee
Lakeparty
Regio-TV
inserieren
abo
e-paper
Schwäbisch.Media

Stadtnachrichten Tuttlingen

Vereine finden keine Vorsitzenden mehr

Ehrenamt wird arbeitsintensiver – Jugend scheut Verantwortung

Kreis Tuttlingen / sz Viele Vereine im Landkreis Tuttlingen stehen derzeit vor einem großen Problem, das sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugespitzt hat: Der Kampf um den Vorstand. Keiner will den Posten mehr. Die aktuellen Vereinsvorsitzenden sehen die Gründe für diesen Missstand im größer werdenden Arbeitsaufwand als Vorsitzender und in der Einstellung der Folgegeneration, die sich davor scheue Verantwortung zu übernehmen.

Der VfL Nendingen – immerhin 514 Mitglieder – sucht seit 15 Monaten erfolglos einen Vorsitzenden. Momentan führt Geschäftsführer Franz Boos den Club, doch er kündigte an, zu diesem Thema in einem Vierteljahr eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen.

„Auf die Vereine kommt von Seiten der Dachverbände und der städtischen Behörden immer mehr zu. Das bedeutet auch mehr Verpflichtungen und mehr Verantwortung für den Vorsitzenden und das ist der jüngeren Generation zu viel“, vermutet Franz Boos. Bei einem großen Verein wie dem VfL bräuchten die Kassierer mittlerweile eine Ausbildung im Bank- und Finanzwesen, um mit den Anforderungen an das Ehrenamt klar zu kommen. Die Schwierigkeiten würde der Nachwuchs bei den Versammlungen mitbekommen und daher die Verantwortung scheuen. „Trotzdem können wir die älteren Mitglieder, die sich schon lang engagieren, nicht ewig für den Job gewinnen. Der Verein muss meiner Meinung nach in jüngere Hände gegeben werden“, sagt Boos.

Eine wirkliche Lösung für das Problem hat der Geschäftsführer des VfL nicht. Sollte in einem Vierteljahr kein Vorstand gefunden werden, will Boos die Strukturen des Vereins ändern: „Vielleicht hilft es, eine Geschäftsstelle oder ein Service-Büro für den Schriftkram einzurichten. Das würde dann aber auch mehr Ausgaben bedeuten.“ Franz Boos fürchtet um die Zukunft kleinerer Vereine, die in wenigen Großen aufgehen könnten. Darin sieht er das „Ende der Geselligkeit“, die entsteht, wenn Mitglieder die Aufgaben gemeinsam bewältigen. „Wenn wir nicht bald einen Vorsitzenden finden, tritt der ,worst case‘ ein – die Zukunft des VfL würde dann auf dem Spiel stehen“, sagt Boos.

Der 28-köpfige Männergesangverein Mahlstetten – ebenfalls auf der Suche nach einem Vorsitzenden – entschloss sich, die Versammlung erst dann zu beenden, wenn ein solcher gefunden sei. Schweren Herzens erklärte sich Josef Schweizer schließlich bereit, das Amt für ein weiteres Jahr zu übernehmen, nachdem er dem Verein schon früher elf Jahre lang vorgestanden hatte. „Wenn man heutzutage so ein Ehrenamt übernimmt, dann kriegt man es nicht mehr los. Die Jugend ist nicht mehr gewillt, sich an einen Verein binden zu lassen“, sagt Schweizer.

Altersdurchschnitt steigt an

Viele Vereine plagten ohnehin Nachwuchssorgen. Der Altersdurchschnitt in Vereinen läge momentan bei etwa 55 Jahren, aber er steige stetig. „Als ich noch ein junger Bursche war, wollten bis zu 60 Kinder in den Fußballverein Mahlstetten gehen. Heute bekommt man gerade mal eine Mannschaft aus mehreren Gemeinden zusammen“, erzählt Schweizer. Momentan könne er sich keine Lösung für das Problem vorstellen. Das Angebot an Freizeitaktivitäten sei so vielfältig, dass die Jugend keine Zeit mehr für Vereine hätte.

Dieser Meinung ist auch Rainer Weisshaar, der sich bereit erklärt hat, sich mit drei weiteren Mitgliedern des Radfahrervereins Trossingen in dessen Vorstand wählen zu lassen. Vereine mit nur einem Angebot seien der Jugend bei den vielen anderen Möglichkeiten nicht attraktiv genug. Seit einigen Jahren beobachtet Weisshaar zudem, dass sich die Einstellung des Nachwuchses geändert hat: „Die Jugendlichen von heute machen sich aus dem Staub sobald es darum geht, Verantwortung zu übernehmen.“ Ein Grund dafür könnte aus seiner Sicht die mangelnde oder auf andere Werte gerichtete Erziehung der Eltern sein.

Momentan hat der Radfahrerverein rund 45 Mitglieder, der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 60 Jahren. „Viel mehr Menschen sollten die Kameradschaft pflegen, zusammen stehen und nicht die Totengräber des Vereins werden“, sagt Weisshaar. Eine endgültige Lösung für das Problem fehlt jedoch auch ihm.

(Erschienen: 10.02.2012 16:05)

- Anzeige -
Artikelfunktionen
drucken
Bewertungen
1.8
1,8 (10 Stimmen)
Das könnte Sie auch interessieren
- Anzeige -
Festliches
Trauer
FESTLICHES





Das Wetter in Tuttlingen
WEBCAM: Blick auf den Tuttlinger Marktplatz
Webcam
Vormittags
17 °
Nachmittags
21 °
Abends
18 °
Nachts
8 °
Facebook
Alle Facebook-Seiten von Schwäbische.de finden Sie hier


- Anzeige -