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„My Fair Lady“ rührt auch noch nach 54 Jahren

Professor Higgins und die "Rinnsteinpflanze", die er in eine Lady verwandelt hat, beim Walzer.
Professor Higgins und die "Rinnsteinpflanze", die er in eine Lady verwandelt hat, beim Walzer.

Trossingen / icks Mit dem Musical „My Fair Lady" hat das Ensemble vom Landestheater Schwaben am Sonntagabend im Konzerthaus gastiert. Ein siebenköpfiges Orchester untermalte gekonnt die rund zwanzig Songs von Frederick Loewe.

Auch 54 Jahre nach der Uraufführung noch ein Publikumsmagnet: Die anrührende Geschichte eines einfachen Blumenmädchens, das von einem überheblichen Sprachenforscher um einer Wette willen in eine Lady verwandelt wird.

Während bisherige deutsche Inszenierungen das „Volk“ entweder berlinern ließen oder „Weanerisch“ vorschrieben, ging Regisseur Patrick Schimanski einen anderen Weg: Die unterschiedlichsten Dialekte sind da bei den Straßenszenen zu hören, von Sächsisch bis Schwäbisch.

Michaela Fent als Eliza Doolittle ist gebürtige Österreicherin und so klang ihr „Es greant so grea...“ eindeutig alpin. „Rinnsteinjargon!“ wetterte Fridtjof Stolzenwald in der Rolle des arroganten Professor Henry Higgins, „kaltblütiger Muttersprachenmord!“

So geschliffen seine Artikulation ist, so rüde sind die Manieren des alternden eingefleischten Junggesellen. Seine Mutter (die gebürtige Linzerin Ingrid Mülleder in einer Paraderolle), kann ein Lied davon singen. Erst lehnt sie das Experiment mit der „so entzückend ordinären Rinnsteinpflanze“ brüsk ab, erkennt jedoch bald Elizas gutes Herz und verbündet sich mit ihr.

Auch Mrs. Pearce versucht als Hausdame des Professors die Qualen, die das knochenharte Sprachtraining für Eliza bedeutet, etwas abzumildern. Anke Fonferek überzeugt in dieser Rolle ebenso wie als finstere Königin von Transsylvanien.

Ein rechter Hallodri ist Papa Doolittle: Wenn der Schweizer Mime Roberto Widmer seine Spezis auffordert „Bringt mich pünktlich zum Altar!“, sich aber vorher noch genussvoll an das Mieder eines Straßenmädchens (sehr sexy: Katharina Puchner) drängt, hat das schon was. Doch auch in seiner weiteren Rolle als Higgins' ungarischer Gegenspieler gefällt Widmer.

Gesanglich am überzeugendsten ist der 28-jährige Martin Daniel Selle. Der gebürtige Berliner hat nicht weniger als sechs Rollen, unter anderem als Galan Freddy, der Eliza umschwärmt: „Weil ich weiß, in der Straße wohnst Du ...“

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Bühnenbild von Sabine Manteuffel: Bewegliche Treppen, Würfel und Türen, die ständig umgestellt werden, störenderweise selbst während der Lieder. Vermutlich soll dadurch Zeit gespart werden, denn auch so dauert das Gastspiel schon dreieinviertel Stunden. Einige Szenen - wie die des Krocket-spielenden Bobbys - könnten doch schadlos gestrichen werden.

Bei den beliebten Melodien (die musikalische Leitung hat Ludger Nowak inne) summen viele Musical-Freunde im gut besuchten Konzerthaus glücklich mit. Mucksmäuschenstill ist es jedoch mehrere Minuten lang, als Eliza, gegen drei Uhr morgens, endlich vor dem Durchbruch steht: Erlösend kommt das perfekte „ü" in dem Nonsenssatz von Spaniens blühenden Blüten über ihre gespitzten Lippen. Geschafft!

Sehr beeindruckend sind die Kostüme (vor allem in der Ascot-Szene und beim Ball), von denen weit über 40 seit der Premiere im November zu den zwölf Gastspielorten mitgenommen werden.

Anders als in der Urform, Shaws Pygmalion, kommen sich in „My Fair Lady“ der Macho Higgins und die von ihm geschaffene „Lady“ zuletzt doch näher. Allerdings erst nach heftigen Pantoffelwürfen Elizas und dem Eingeständnis des bekehrten Hagestolzes: „Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht....“

Eine wirklich lohnende Alternative zu einem TV-Tatort. Bravo!

(Erschienen: 25.01.2010 18:00)

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