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Fast vergessenes Instrument erklingt bei Vis-à-vis

Rolf Lislevand und Thor-Harald Johnsen reisen mit der Laute musikalisch in die Vergangenheit
Rolf Lislevand (links) und Thor Harald Johnsen erarbeiten gemeinsam alte Stücke im modernen Gewand.
Rolf Lislevand (links) und Thor Harald Johnsen erarbeiten gemeinsam alte Stücke im modernen Gewand. (Foto: pm)

Trossingen / pm Wenn er nicht gerade auf Konzertreise ist oder sich mit seinen Studenten in der Toscana zum gemeinsamen Musizieren in Klausur begibt, ist Rolf Lislevand zu Hause in Verona, um sich auf die Spur unentdeckter Werke des italienischen Frühbarock zu machen. Oder der Professor für Laute und historische Aufführungspraxis unterrichtet an der Trossinger Hochschule für Musik. Oder er fällt gerade Bäume in den Wäldern südlich von Oslo, um im elterlichen Bauernhof ein Aufnahmestudio einzurichten.

Am Donnerstag, 9. Februar, ist der vielseitige Zweimetermann jedenfalls im Würfelsaal der Trossinger Volksbank zu erleben, um mit seinem Landsmann und früheren Schüler Thor Harald Johnsen an sechs verschiedenen Lauten und verwandten Instrumenten die „Freiheit des Barock“ zu feiern. Unter diesem Motto startet „Vis-à-vis: Klangkunst im Würfel“, die gemeinsamen Konzertreihe von Musikhochschule und Volksbank Trossingen in ihre fünfte Saison und ermöglicht dem Publikum die aufregende Erfahrung, wie jung, neu und individuell alte Musik klingen kann.

Eine Passacaglia von Giovanni Girolamo Kapsberger inspiriert Rolf Lislevand zu Flamenco und keltischen Volksliedern, er integriert Trommeln in ein Stück, obwohl Percussion von den Komponisten nicht notiert wurde. „Doch sie gehörte dazu“, weiß der 50-Jährige, der nach seinem klassischen Gitarre-Studium in Oslo Barock-Laute an der weltberühmten Schola Cantorum Basiliensis in Basel studierte. Parallel zur Beschäftigung mit alter Musik und Nachbildungen historischer Instrumente tummelte er sich mit der elektrischen Gitarre auch in den Welten von Jazz und Rock und stellte fest: „So anders ist das gar nicht.“

Lücken nach Gusto ausfüllen

Die Improvisation sei gemeinsames Kernmerkmal der gut 400 Jahre auseinander liegenden Musikstile. Lislevand spricht darum lieber von „Notentexten“ als von „Kompositionen“, denn mit legeren Schlangenlinien deuteten die barocken Tondichter an, dass die Lücken zwischen ausgemalten Melodien und nach Gusto und „ad libitum“ des Interpreten gefüllt werden sollten.

„Nicht Reproduktion ist unser Ziel, sondern dynamische Entwicklung,“ sagt er. Das sei keineswegs die Erlaubnis zu Verfremdung und Anarchie: „Wir brauchen umfangreiche Kenntnisse auch vom jeweiligen Kontext aus Literatur und Philosophie, Geschichte und Soziologie, wenn wir uns einem Stück nähern.“

Und genauso wie früher, da Musik nicht auf Tonträger gebannt und dadurch wiederholbar gemacht werden konnte, werde auch heute eigene Kreativität vom Interpreten erwartet. „Er muss seine Persönlichkeit einbringen, sein Wissen, seine aktuelle emotionale Befindlichkeit.“

Während Rolf Lislevand seiner historischen Laute dazu manchmal auch metallene Saiten aufspannt und sie elektronisch verstärkt, werden die Gäste der Trossinger Volksbank mit puristischer Akustik verwöhnt. Zusammen mit Thor-Harald Johnsen, als Absolvent der Trossinger Hochschule ein gefragter Konzert- und Studiomusiker, wird der Laute-Pionier das Publikum mit unbekannten Werken bekannt machen, darunter solche von Santiago de Murcia, Paolo Toscanini und natürlich Giovanni Girolamo Kapsberger.

Dem ist Rolf Lislevand besonders verbunden, denn der verkannte Komponist hatte ihn zu einer interpretatorischen Freiheit ermutigt, die in der internationalen Fachwelt für Furore sorgen sollte.

(Erschienen: 06.02.2012 18:40)

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