Stadtnachrichten Spaichingen
Meliadis wandert zwischen drei Welten
Heute steht Hari Meliadis über den Dingen. Damals aber, damals, als er seine Heimat verließ und in der Fremde ein neues Leben begann, hatte er zu kämpfen - mit den Umständen, mit einer ungewohnten Sprache, und mit seinem ersten Vermieter. "Wir lebten bei Tübingen in einem Haus, dessen Besitzer uns loswerden wollte", erzählt er. Wir - das sind Meliadis und seine aus Sizilien stammende Frau Carmela. "Der Vermieter duldete keinen Besuch - als mein Bruder kam, musste er sich verstecken", erinnert sich Meliadis. "Wo leben wir eigentlich, habe ich mich damals gefragt." Er habe sich sehr verloren gefühlt.
Als 25-Jähriger war er 1987 bei einer Europareise in Deutschland hängengeblieben - der Liebe zu Carmela wegen. Nach der ersten, unschönen Erfahrung mit den Einheimischen wäre er fast in seine Heimat zurückgekehrt, berichtet Meliadis. Den Ausschlag, dass er blieb, gab sein Vater, der in Spaichingen lebte. Dort bezog das junge Ehepaar 1989 ein Haus. "In Gosheim haben wir beide im Akkord gearbeitet", erinnert sich der Grieche. Seit 15 Jahren schafft er nun als Lagerist in Spaichingen. 1993 wurde ihr Sohn Panagiotis geboren - heute ein erfolgreicher Taekwondo-Kämpfer. "Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, um als Profisportler eine Chance zu haben, in die Nationalmannschaft zu kommen."
Auch Hari Meliadis fühlt sich nach mehr als zwei Jahrzehnten "wie ein Deutscher - auch wenn ich Grieche bin". In Spaichingen sei seine Familie sesshaft geworden, "wir fühlen uns heimisch im Kreise unserer Freunde aus verschiedenen Nationen". Sie hätten sich der deutschen Kultur und Mentalität angepasst, sagt Meliadis. Auch wenn das Wesen der Menschen ein anderes sei. "In Griechenland sprechen die Leute auch mit denen, die sie nicht kennen - die Deutschen sind zurückhaltender und wer ein gutes Herz hat, zeigt das nicht so."
Wanderer zwischen den Welten
Dennoch will er irgendwann in seine Heimat zurückkehren, wo die Familie ein Haus besitzt, in dem sie oft die Ferien verbringt. "In Griechenland fehlt uns die deutsche Heimat", beschreibt Hari Meliadis das Gefühl, das er heute hat, wenn er an Deutschland denkt. Durch seine Frau fühle sich die Familie auch mit Sizilien verbunden. "Und so wandern wir zwischen drei Welten."
(Erschienen: 18.06.2009 00:07)
Heute steht Hari Meliadis über den Dingen. Damals aber, damals, als er seine Heimat verließ und in der Fremde ein neues Leben begann, hatte er zu kämpfen - mit den Umständen, mit einer ungewohnten Sprache, und mit seinem ersten Vermieter. "Wir lebten bei Tübingen in einem Haus, dessen Besitzer uns loswerden wollte", erzählt er. Wir - das sind Meliadis und seine aus Sizilien stammende Frau Carmela. "Der Vermieter duldete keinen Besuch - als mein Bruder kam, musste er sich verstecken", erinnert sich Meliadis. "Wo leben wir eigentlich, habe ich mich damals gefragt." Er habe sich sehr verloren gefühlt.
Als 25-Jähriger war er 1987 bei einer Europareise in Deutschland hängengeblieben - der Liebe zu Carmela wegen. Nach der ersten, unschönen Erfahrung mit den Einheimischen wäre er fast in seine Heimat zurückgekehrt, berichtet Meliadis. Den Ausschlag, dass er blieb, gab sein Vater, der in Spaichingen lebte. Dort bezog das junge Ehepaar 1989 ein Haus. "In Gosheim haben wir beide im Akkord gearbeitet", erinnert sich der Grieche. Seit 15 Jahren schafft er nun als Lagerist in Spaichingen. 1993 wurde ihr Sohn Panagiotis geboren - heute ein erfolgreicher Taekwondo-Kämpfer. "Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, um als Profisportler eine Chance zu haben, in die Nationalmannschaft zu kommen."
Auch Hari Meliadis fühlt sich nach mehr als zwei Jahrzehnten "wie ein Deutscher - auch wenn ich Grieche bin". In Spaichingen sei seine Familie sesshaft geworden, "wir fühlen uns heimisch im Kreise unserer Freunde aus verschiedenen Nationen". Sie hätten sich der deutschen Kultur und Mentalität angepasst, sagt Meliadis. Auch wenn das Wesen der Menschen ein anderes sei. "In Griechenland sprechen die Leute auch mit denen, die sie nicht kennen - die Deutschen sind zurückhaltender und wer ein gutes Herz hat, zeigt das nicht so."
Wanderer zwischen den Welten
Dennoch will er irgendwann in seine Heimat zurückkehren, wo die Familie ein Haus besitzt, in dem sie oft die Ferien verbringt. "In Griechenland fehlt uns die deutsche Heimat", beschreibt Hari Meliadis das Gefühl, das er heute hat, wenn er an Deutschland denkt. Durch seine Frau fühle sich die Familie auch mit Sizilien verbunden. "Und so wandern wir zwischen drei Welten."
(Erschienen: 18.06.2009 00:07)
































