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In der Hofbibliothek endet eine Ära

SIGMARINGEN - Bescheiden und kompetent - so haben viele Kunden der Hofbibliothek Peter Kempf kennen gelernt. Fast 28 Jahre war der Bibliothekar und Konservator für die Sammlungen des Hauses Hohenzollern zuständig. Jetzt geht der 65-Jährige in den Ruhestand, bleibt dem Schloss und seiner Nachfolgerin aber als Berater erhalten.

Sein Arbeitsplatz im Wilhelmsbau des Schlosses dürfte zu den schönsten in Sigmaringen gehören: hohe Räume mit stuckverzierten Decken, lange Gänge mit meterhohen und -langen Regalen, in denen sich wertvolle Bücher aneinander reihen. Kunstwerke zieren die Räume. Hier ist Peter Kempf zuhause. "Es stimmt mich froh, wenn ein Besucher kompetent und umfassend beraten wird. Das ist ganz im Sinn der seit 150 Jahren vorbildlich gepflegten Tradition des Fürstenhauses Hohenzollern, die Hofbibliothek und die Sammlungen öffentlich zugänglich zu machen." Der Anspruch, die Hofbibliothek - mit rund 200 000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken Baden-Württembergs - benutzerfreundlich zu führen und zu strukturieren, beschreibt Peter Kempfs Arbeitseinstellung. Regelmäßig kommen Besucher, um Bände zu entleihen oder im Lesesaal einzusehen; immer wieder bitten Studenten oder Wissenschaftler um Beratung. "Die Anfragen kommen aus der ganzen Welt", erzählt Kempf, der sein Amt mit dem Jahreswechsel an Anette Hähnel abgibt.

Wertvolle Kunstschätze

"Die Hofbibliothek ist immer auch ein Instrument zur Bearbeitung der fürstlichen Sammlungen gewesen", erläutert Kempf und weist auf die wertvollen Kunstschätze im Museum, die weltberühmte Waffensammlung im Schloss und die archäologische Sammlung hin. Letztere ist eine der bedeutendsten in Baden-Württemberg und soll ab nächstem Jahr neu und leicht verständlich präsentiert werden. Damit ist Kempfs zweite Aufgabe genannt: die des Konservators. Er ist zuständig nicht nur für die Kunst im Schloss Sigmaringen, sondern auch in den anderen fürstlichen Anwesen wie Schloss Umkirch bei Freiburg, die Landhäuser Josefslust und Krauchenwies, die Hedinger Kirche, die Josefskapelle und die Michaelskapelle auf Burg Hechingen, die nicht wie die Burg selbst nur anteilig den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen gehört, sondern komplett.

Kempf stammt gebürtig zwar aus Singen, hat aber über seinen Vater, ein Inneringer, schon von Kind auf Kontakt zu Hohenzollern. Nach dem Studium der Geschichte, der Philosophie, der Politik und des Buchwesens sowie verschiedener Tätigkeiten war Kempf von 1974 bis 1981 zunächst im Staatsarchiv in Sigmaringen beschäftigt und - als Vorgänger von Dr. Otto Becker - zuständig für das Fürstliche Haus- und Domänenarchiv. 1981 bot Fürst Friedrich Wilhelm dem damals 37-Jährigen die Stelle im Schloss an. "Man braucht eine solide humanistische Grundlage", sagt Kempf, "und Diskretion und Loyalität zur fürstlichen Familie". Diese Voraussetzungen hat Kempf, der von 1982 bis 1987 zusätzlich zur Bibliothek die Schlossverwaltung geleitet hat und noch heute als Redakteur die jährlichen "Hofkammer-Mitteilungen" erstellt, zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Und Kempf betont: "Die Arbeit in einer privaten Bibliothek ist nicht mit der in einer öffentlichen zu vergleichen. Ich bin dem Fürsten und Erbprinzen sehr dankbar, dass ich frei und selbstständig arbeiten konnte und einen Beitrag zum Erhalt der Kunstschätze und zu ihrer öffentlichen Nutzung leisten durfte."

Die Wiedereröffnung des Schlossmuseums im vergangenen Jahr war einer der Höhepunkte in der langen Laufbahn Kempfs. "Mit der Organisation des Museums und der Hofbibliothek habe ich etwas mitgestalten können, das Bestand hat und auf dem man aufbauen kann", sagt Kempf. Leider nicht abgeschlossen sei die Katalogisierung der Sammlung historischer Fotos. Diese Arbeit will Kempf in den nächsten Monaten weiterführen. "Ich hätte vor meinem Ruhestand auch gerne erreicht, dass im Schloss Räume für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. Es gibt schönes Porzellan, alte Münzen, Bucheinbände, künstlerische Nachlässe, das auf diesem Weg zugänglich gemacht werden könnte." Auch die noch ausstehende Restaurierung der Rokoko-Kapelle in der Hedinger Kirche ist Kempf ein Anliegen.

(Erschienen: 22.12.2008 00:05)

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