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Im Staatsarchiv lagern Familienschätze

Archivarin Sibylle Brühl (rechts auf dem Bild) erklärt, wieviel Informationen in alten Urkunden heraus gelesen werden können. Die Besucher der Matinee am Tag der offenen Tür waren begeistert.
Archivarin Sibylle Brühl (rechts auf dem Bild) erklärt, wieviel Informationen in alten Urkunden heraus gelesen werden können. Die Besucher der Matinee am Tag der offenen Tür waren begeistert.

Sigmaringen / sz Wer sich für die Biografie seiner Vorfahren interessiert, findet in den Magazinen des Staatsarchivs eine Goldgrube an Informationen und Geschichten vor. Die Archivarinnen Sibylle Brühl und Corinna Knobloch zeigten am Tag der offenen Tür unterschiedlichen Akten.

Von unserer Mitarbeiterin  Vera Romeu

Es war so spannend wie ein Krimi, die rund 30 Besucher hingen förmlich an den Lippen der Archivarinnen: Sie stellten Archivalien vor und erklärten ihre Inhalte. Sie hatten Dokumente aus Stadt und Region gewählt. Alte Zeiten schienen greifbar nah zu sein. Das Staatsarchiv hat einen großen Fotofundus, den man auf dem Bildschirm anschauen kann. „Wenn Sie wissen, dass einer ihrer Vorfahren in Bingen in der Schule war, können sie das Bild suchen und einen Abzug bestellen“, erklärte Brühl und zeigte die Suchtechnik. 100 000 Namen hat das Archiv bei der Aufarbeitung der Entnazifizierungsakten gesammelt. „Hier finden sie einiges über Werdegang, Mitgliedschaften in Vereinen und Verdienst der Personen“, zeigte Knobloch anhand der Akte des früheren Landrats Dr. Robert Seifert.

Im Magazin lagern viele Listen. Aus dem Oberamt Haigerloch gibt es eine Erhebung aus 1855, in der Häuser, Bewohner, Alter, Stand und Gewerbe festgehalten sind. „Wenn ein Vorfahr dort wohnhaft war, könnten Sie einiges herausfinden“, ermunterte Knobloch. Städte ließen Inventuren erstellen, wenn ein Bürger gestorben war und das Erbe aufgeteilt werden musste. Brühl las aus der Akte des Sigmaringer Kronenwirts, dessen Frau gestorben war: Das gesamte Vermögen vom Kaffelöffel bis zum Samtmieder ist darin aufgelistet.

Einblick in Lebensumstände

Noch älter sind die Urbare. Ein sehr schönes Exemplar war das Buch mit geprägtem Einband aus dem Kloster Habsthal, in dem die Rechte der Klosterfrauen in den Umliegenden Orten eingetragen sind. Knobloch zeigte die Rosnaer Seiten. „Die Angaben ermöglichen einen tiefen Einblick in die betroffenen Familien und in die Lebensumstände der Zeit“, erklärte Knobloch. Die Archivarinnen zeigten Urkunden auf Pergament, die Rechte festschreiben. Namen der Betroffenen, der Zeugen und der Orte tauchen auf. So begibt sich der freie Bürger Goriuß Bucklin aus Sigmaringen im Jahr 1496 in Leibeigenschaft. „Wahrscheinlich wollte er ein Stück Land bewirtschaften“, so Brühl. Dann öffnet Brühl eine Schachtel und zeigte einen Wappenbrief, mit dem der Kaiser das Wappen des Konrad Roth von Schreckenstein bestätigt.

Am Anfang ist das Forschen in Archivalien nicht ganz einfach, räumten die Archivarinnen ein. Das Lesen der alten Akten erfordert Übung und gegebenenfalls auch einen Paläographiekurs, um die Sütterlinschrift zu lernen. „Wir sind behilflich, wenn es am Anfang nicht klappt. Wir haben Hilfsmittel wie Schrifttafeln, um die Schriften zu vergleichen“, erklärten die Archivarinnen. Sinnvoll sei es, erst mal Namen und Daten der Vorfahren in den Büchern der Pfarreien zu suchen und den Stammbaum zu erstellen.

(Erschienen: 07.03.2010 20:00)

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