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Der Schreck ist größer als die Gefahr

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Sigmaringen / vr Chlorgas ist am Freitagmorgen in der Schwimmbadanlage eines Wohngebäudes an der Sonnenhalde ausgetreten. Die Anlage war defekt. Der Hausmeister erlitt Verletzungen. In einem Großeinsatz evakuierten die Feuerwehrleute die größtenteils älteren Bewohner. Messungen der Feuerwehr ergaben, dass sich das giftige Gas nicht in den Wohnungen verbreitet hatte.

Von unserer Mitarbeiterin Vera Romeu

Es hat die Bewohner der Anlage kalt erwischt. Manche lagen noch im Bett, als mehrere Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn vor der Wohnanlage hielten. „Ich bin einfach raus, um zu sehen, was da los ist, und jetzt darf ich nicht mehr in meine Wohnung zurück“, erklärte ein verdutzter Bewohner, der in Pantoffeln auf der Straße da stand. In der Wohnanlage wohnen viele ältere Leute. Die meisten konnten selbstständig ihre Wohnung verlassen. „Ich habe nichts bemerkt und auch nichts gerochen“, erklärte eine Bewohnerin. Die Feuerwehr evakuierte zum Teil die Bewohner mit Rollstühlen und Schutzhauben. Die Rettungsleute hatten ein geheiztes Zelt aufgebaut, um die rund 25 Bewohner unterzubringen und zu betreuen. Notärzte fragten persönliche Daten und Symptome. Zum Glück blieben alle Bewohner unverletzt. Die Notfallseelsorge sprach mit den Bewohnern. Manche hatte der Schrecken ein wenig zugesetzt, andere saßen ein wenig belustigt da: „Es ist ja wie damals bei der Kinder-Landverschickung“, lachte eine Dame und zeigte amüsiert das vom Notarzt ausgefüllte Formular, das sie wie die anderen um den Hals gebunden trug.

Das Schwimmbad der Wohnanlage wird vom Hausmeister betreut. Am Vortag hatte er die Chlorgaspumpe ausgewechselt, weil sie defekt war. „Das Schwimmbad war gesperrt“, berichtete ein Hausbewohner. Als der Hausmeister gestern gegen 8.15 Uhr den Technikraum des Bades betrat, schlug ihm eine Chlorgaswolke entgegen. Er zog sich dabei Verletzungen der Atemwege zu, konnte aber noch die Rettungsleitstelle verständigen und sich zum Hausarzt begeben. Dieser veranlasste die Einweisung ins Krankenhaus.

Nach Feststellungen der Polizei war während der Nacht das Wasserbecken des Schwimmbads leergelaufen. Ursache war ein technischer Defekt an einem Ventil. Die Chlorgasdosierungsanlage arbeite weiter und das Gas breitete sich im Schwimmbad und dem Technikraum aus. Die Chlorgaswolke zog auch in die Tiefgaragen. Als die Feuerwehr ankam, wurde befürchtet, dass sich das giftige Gas über die Lüftungsanlage im ganzen Haus verbreitet haben könnte.

Die Rettungskräfte sperrten das Wohngebiet ab. Der Gefahrengutzug des Landkreises stand im Mittelpunkt der Aktion. Er besteht aus den Feuerwehren Mengen, Bad Saulgau, Sigmaringen, Meßkirch und Ostrach. Die Feuerwehrleute richteten sich ein. Eine Schleuse wurde aufgebaut, in der die Vollschutzanzüge nach dem Betreten der giftigen Bereichen der Wohnanlage gereinigt werden konnte. Auf einem Einsatztisch standen Messröhrchen, die von den Vollschutzanzugsträger mitgenommen wurden, um die Chlorgaskonzentration im Gebäude zu messen.

Im Wohnbereich war aber kein Gas festzustellen. Die Feuerwehrleute konnten mit Wasser das Chlorgas binden und den Schwimmbadbereich reinigen. Die Feuerwehr führte eine Druckbelüftung des gesamten Komplexes durch.

In Einsatzleitungszelt herrschte Hochkonjunktur. Hier kamen alle Entscheidungsträger zusammen. Es wurde beraten, ob die Zollschule die Evakuierten aufnehmen sollte, falls der Einsatz länger dauern würde. Dies erwies sich aber als unnötig. Gegen 13 Uhr konnten die Evakuierten in ihre Wohnungen zurückkehren.

(Erschienen: 22.01.2010 18:20)

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