Rund um Sigmaringen
Verein wirft Stadt Kriegstreiberei vor
Von unserem Redakteur Ignaz Stösser
Michael Schmid, der Geschäftsführer des „Vereins für Frieden und Ökologie“, hat nicht nur einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, sondern fordert im Internet auch dazu auf, sich an einer Unterschriften-Aktion zu beteiligen. In seinem Brief protestiert Schmid energisch gegen die „aktuelle Patenschaft zur Bundeswehr und deren Vermarktung“ und fordert, diese „Patenschaft“, die er in Anführungszeichen setzt, wieder zu beenden. Gleichzeitig wird die Gemeinde aufgefordert, sich für zivile Alternativen im Afghanistankrieg einzusetzen und kommunale Friedensarbeit zu fördern.
Wörtlich schreibt Schmid in dem Brief: „Wir protestieren gegen die Unterstützung dieses Kriegseinsatzes im Namen der Stadt Gammertingen. Der Krieg in Afghanistan geschieht nicht in unserem Namen! Bundeswehrsoldaten sind nicht in unserem Namen am Hindukusch! Wir protestieren ebenfalls dagegen, dass das Amtsblatt der Stadt Gammertingen für die propagandistische Unterstützung dieses Kriegseinsatzes benutzt wird.“
Im Amtsblatt von 20. Mai wurde auf der gesamten ersten Seite in Wort und Bild über die Verabschiedung von 89 Soldaten des Führungsunterstützungsregiments 29 berichtet. Es wurde auch deutlich gemacht, dass elf Einsatzsoldaten aus der Patenschaftskompanie der Stadt Gammertingen mit von der Partie sind.
Schmid ruft im Internet dazu auf, seinen offenen Brief, den es hier zu lesen gibt, zu unterstützen. „Wir würden uns freuen, wenn sich zahlreiche Menschen aus nah und fern unserem Protest anschließen würden.“ Die Aktion könne beispielsweise mit der eigenen Unterschrift unterstützt werden. Schmid ruft aber auch dazu auf, weitere Briefe an das Rathaus in Gammertingen zu schicken oder auf eigenen Internetplattformen die Aktion bekannt zu machen. Mehr als 150 Unterstützer hat Schmid laut eigenen Angaben bereits gefunden. Die Aktion soll bis zum 8. Juli laufen.
Bürgermeister regt sich auf
Über Schmidts Kritik kann sich Bürgermeister Jerg nur aufregen. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nahm er unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ dazu Stellung. Der „Friedensverein“ würde der Stadt Kriegstreiberei und die Förderung des Militarismus vorwerfen, ließ er die verdutzten Räte wissen. Er habe nicht nur von Schmid, sondern aus verschiedenen Ortschaften Deutschlands bereits Briefe mit ähnlichem Inhalt erhalten. Und entrüstet fügte er hinzu: „Ich verwahre mich aufs Allerschärfste gegen diesen Verein.“
Die Gemeinderäte hielten sich bedeckt, bis auf Lothar Wasel (Demokratische Zukunft Gammertingens). Er selbst hat dem Lebenshausverein geraume Zeit angehört, hat ihn aber dann bereits vor mehreren Jahren im Streit verlassen. Nun sagte Wasel: „Soldaten sind laut Verfassung Bürger in Uniform.“ Das müsse Schmid endlich begreifen.
Das Sigmaringer Patenregiment der Bundeswehr will in dieser Sachen kein Statement abgeben. Auf Anfrage der SZ bei der zuständigen Pressestelle hieß es lediglich: Man nehme die Meinung Schmids und seine Aktivitäten zur Kenntnis. So vorzugehen, sei sein gutes Recht. Man werde das Ganze auch weiter verfolgen. Aber näher darauf eingehen, wolle man nicht.
(Erschienen: 24.06.2010 11:30)
Von unserem Redakteur Ignaz Stösser
Michael Schmid, der Geschäftsführer des „Vereins für Frieden und Ökologie“, hat nicht nur einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, sondern fordert im Internet auch dazu auf, sich an einer Unterschriften-Aktion zu beteiligen. In seinem Brief protestiert Schmid energisch gegen die „aktuelle Patenschaft zur Bundeswehr und deren Vermarktung“ und fordert, diese „Patenschaft“, die er in Anführungszeichen setzt, wieder zu beenden. Gleichzeitig wird die Gemeinde aufgefordert, sich für zivile Alternativen im Afghanistankrieg einzusetzen und kommunale Friedensarbeit zu fördern.
Wörtlich schreibt Schmid in dem Brief: „Wir protestieren gegen die Unterstützung dieses Kriegseinsatzes im Namen der Stadt Gammertingen. Der Krieg in Afghanistan geschieht nicht in unserem Namen! Bundeswehrsoldaten sind nicht in unserem Namen am Hindukusch! Wir protestieren ebenfalls dagegen, dass das Amtsblatt der Stadt Gammertingen für die propagandistische Unterstützung dieses Kriegseinsatzes benutzt wird.“
Im Amtsblatt von 20. Mai wurde auf der gesamten ersten Seite in Wort und Bild über die Verabschiedung von 89 Soldaten des Führungsunterstützungsregiments 29 berichtet. Es wurde auch deutlich gemacht, dass elf Einsatzsoldaten aus der Patenschaftskompanie der Stadt Gammertingen mit von der Partie sind.
Schmid ruft im Internet dazu auf, seinen offenen Brief, den es hier zu lesen gibt, zu unterstützen. „Wir würden uns freuen, wenn sich zahlreiche Menschen aus nah und fern unserem Protest anschließen würden.“ Die Aktion könne beispielsweise mit der eigenen Unterschrift unterstützt werden. Schmid ruft aber auch dazu auf, weitere Briefe an das Rathaus in Gammertingen zu schicken oder auf eigenen Internetplattformen die Aktion bekannt zu machen. Mehr als 150 Unterstützer hat Schmid laut eigenen Angaben bereits gefunden. Die Aktion soll bis zum 8. Juli laufen.
Bürgermeister regt sich auf
Über Schmidts Kritik kann sich Bürgermeister Jerg nur aufregen. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nahm er unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ dazu Stellung. Der „Friedensverein“ würde der Stadt Kriegstreiberei und die Förderung des Militarismus vorwerfen, ließ er die verdutzten Räte wissen. Er habe nicht nur von Schmid, sondern aus verschiedenen Ortschaften Deutschlands bereits Briefe mit ähnlichem Inhalt erhalten. Und entrüstet fügte er hinzu: „Ich verwahre mich aufs Allerschärfste gegen diesen Verein.“
Die Gemeinderäte hielten sich bedeckt, bis auf Lothar Wasel (Demokratische Zukunft Gammertingens). Er selbst hat dem Lebenshausverein geraume Zeit angehört, hat ihn aber dann bereits vor mehreren Jahren im Streit verlassen. Nun sagte Wasel: „Soldaten sind laut Verfassung Bürger in Uniform.“ Das müsse Schmid endlich begreifen.
Das Sigmaringer Patenregiment der Bundeswehr will in dieser Sachen kein Statement abgeben. Auf Anfrage der SZ bei der zuständigen Pressestelle hieß es lediglich: Man nehme die Meinung Schmids und seine Aktivitäten zur Kenntnis. So vorzugehen, sei sein gutes Recht. Man werde das Ganze auch weiter verfolgen. Aber näher darauf eingehen, wolle man nicht.
(Erschienen: 24.06.2010 11:30)

































