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Rund um Sigmaringen

Katzenstreu soll das Risiko beheben

Sabine von Stockar, Projektleiterin Atomstrom bei der „Schweizerischen Energie-Stiftung SES“, im SZ-Foto mit Herdwangen-Schönachs Gemeinderat Helmut Bussmann, informiert über geplante Atommüll-Endlager in der grenznahen Schweiz.
Sabine von Stockar, Projektleiterin Atomstrom bei der „Schweizerischen Energie-Stiftung SES“, im SZ-Foto mit Herdwangen-Schönachs Gemeinderat Helmut Bussmann, informiert über geplante Atommüll-Endlager in der grenznahen Schweiz.

HERDWANGEN-SCHÖNACH / sel Mit französischem Charme und schweizerischer Präzision hat Sabine von Stockar, Projektleiterin Atomstrom bei der „Schweizerischen Energie-Stiftung SES“, am Donnerstagabend im Herdwanger Bürgersaal referiert. Ohne jegliche Polemik gegen die Atomlobby zeigt die Naturwissenschaftlerin, „wo der Hund begraben liegt“.

Dass Atommüll-Endlager unkalkulierbare Risiken bergen, ist nicht nur im Voraus den gut drei Dutzend Interessierten klar, die sich zu der von Gemeinderat Helmut Bussmann initiierten Informationsveranstaltung im Bürgersaal der Bundschuhhalle zusammen gefunden haben. Anwesend sind auch Vertreter des Kreisverbands Sigmaringen der Grünen und von „Greenpeace“ aus Friedrichshafen.

Sabine von Stockar öffnet den Bürgern die Augen für einige Fragen, etwa der Atommüll-Endlagerung, im Zusammenhang mit der Neuplanung und Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Als sinnvoll stellt sich dabei ihre Trennung von „politischen“ Maßgaben und dem technisch in der Schweiz durch die „Nagra“ (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) Angedachten dar.

Positiv für die Eidgenossenschaft vermerkt sie: „In der Schweiz sind die Partizipationsprozesse der Bevölkerung sehr komplex und kompliziert.“ Völlig unabhängig von den deutschen Laufzeit-Verlängerungsgelüsten wird festgestellt: „ Die Grenznähe der geplanten schweizerischen Endlager lässt auch die hiesige Bevölkerung nicht kalt. Bedingt durch das Schweizerische Demokratiemodell wird bei den Eidgenossen eine offenere Informationspolitik gefahren, als in Deutschland. Schließlich muss in der Schweiz eine solche Entscheidung, wie die für Atommüll-Endlager, die Hürde einer Volksabstimmung nehmen. „Deshalb findet am 28. September in Singen am Hohentwiel eine Anhörung der Regionalverbände Hochrhein-Bodensee, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Bodensee-Oberschwaben statt“, wie wie der Grüne Wolfgang Lohmiller mitteilen lässt.

Welche Risiken das „Vergraben und Vergessen“ birgt, zeigt die Naturwissenschaftlerin höchst engagiert anhand einiger zeitgerafft-animierter Videosequenzen. Dass das Argument der Atomlobby: „Die Geologie ist stabiler als die Gesellschaft“ nicht greift, belegt sie an den Vorgängen im deutschen Gorleben oder Asse 2. Auf der schweizerischen Seite ist geplant, in einem „Zwiebelschalen-Konzept“, bei dem die eine Million Jahre lang tödlich strahlende Atomleiche in Opalinuston eingebettet und von „Bentonit“, jedem Tierhalter als „Katzenstreu“ bekannt, wasserdicht in mehreren Hundert Meter Tiefe zu beerdigen. Nach etwa 150 Jahren, so das schweizerische Konzept, sollen dann die nachgefolgten Generationen die Entscheidungen zur Lösung der Problematik fällen. Dass innerhalb der Laufzeit von einer Million Jahren „mindestens zehn Eiszeiten zu erwarten sind“, so die Referentin, ist eine aus der Vergangenheit geologisch klar ablesbare Tatsache. Doch vorher werden aggressive Einschlüsse von Urzeitwässern alle Stahlbehälter durchkorrodiert haben, „wobei das Problem der Gasbildung in den Kavernen nicht kalkuliert werden kann“.

„Wie sich die Tonschicht nach wenigen Jahrhunderten der ständigen Erwärmung durch die hitzestrahlenden Atommüllbehälter verhalten wird, steht in den Sternen“, betont Sabine von Stockar.

(Erschienen: 02.07.2010 18:50)

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