Rund um Sigmaringen
Ausstellung zeigt Schule von „anno dazumal“

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Loges
Zu einem Schulfest gehört ein Schulchor. Und so sang zur Einstimmung das Gammertinger Doppelquartett unter der Leitung von Gerhard Buck.
Das zum Museum umgestaltete alte Oberamt in der Hohenzollernstraße war viele Jahre Schulhaus von Gammertingen. Nichts lag also für die ehrenamtlichen Mitarbeiter näher, als eine Ausstellung „Schule im ehemaligen Oberamt Gammertingen“ zu gestalten. Viele von ihnen, wie auch ihr Hauptakteur Siegfried Jakob, sind selbst Lehrer im Ruhestand.
Bürgermeister Holger Jerg verwies auf „200 Jahre Schulpflicht in Hohenzollern“. Angefangen hatte alles im Jahr 1809, denn damals wurde eine alle verpflichtende Winterschule eingeführt. Jerg dankte den rund zwanzig Aktiven, die ihre Energie und Begeisterung in das Museum stecken, aber auch den Besuchern: „Ein Museum lebt nur, weil wir Interesse zeigen“. Dieses Museum wachse beständig, so konnten kürzlich neue Vitrinen angeschafft werden.
In ihrem einführenden Vortrag zitierte Claudia Jeschke, Gymasiallehrerin für Geschichte und Deutsch, Wilhelm Buschs Meister Lämpel: „Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Sie könne sich gut daran erinnern, wie sie selbst hier als Schülerin unterrichtet worden sei.
Die Anfänge der Schule waren abenteuerlich: Auf dem Land gab es Wanderlehrer, die von Martini bis Georgi den Kinder lesen, schreiben, rechnen beibrachten. Der Lehrer durfte bei wechselnden Familien mitessen und dort auch unterrichteten, ein Schulhaus gab es noch nicht: „Im Sommer hütete er Kühe, im Winter die Kinder und weil das Geld nicht reichte, war er oft noch Nachtwächter.“ Jeder konnte sich damals um eine Lehrerstelle bewerben, eine spezielle Ausbildung gab es nicht.
Ab 1850 Staatsdiener
Erst 1850 als das Oberamt Gammertingen preußisch wurde, erhielten die Lehrer als Staatsdiener ein Einkommen. Aber der Ertrag war eher bescheiden und der Lehrer musste sich wie im Lied „das arme Dorfschulmeisterlein“ mit allerlei Nebenverdiensten über Wasser halten. Dabei hatte er früh eine hohe Verantwortung für die Kinder anderer Leute zu übernehmen. Gesetzlich wurde geregelt, was der Lehrer alles zu tun hatte: er musste unter anderem dafür sorgen, „dass sich die Schüler nicht auf dem Tanzboden herumtrieben“. Jeschke strich aber auch heraus, dass ein Mensch mit allgemeiner Schulbildung natürlich auch revolutionäres Potential barg, denn mit der Aufklärung und ihrer Forderung, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, konnten und sollten sie sich ja aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreien.
In der Gammertinger Schulgeschichte ragen zwei Persönlichkeiten heraus: Musterlehrer Heinrich Reiser, der im 19. Jahrhundert zahlreiche Schulbücher verfasste und Josef Wiest, der sich um die Geschichte Gammertingens einen Namen machte. Auch zwei Lehrerinnen sind unvergessen: Fräulein Göggel und Fräulein Gässler, beide mussten sich gegen manche Widerstände in diesem Beruf zu Beginn des 20. Jahrhunderts behaupten. Die Besucher durften sich anschließend in Schulbänke von Feldhausen und Bronnen setzen, konnten in Poesiealben und Schulbüchern lesen sowie in alten Fotos nach bekannten Gesichtern suchen.
(Erschienen: 18.04.2010 20:15)

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Loges
Zu einem Schulfest gehört ein Schulchor. Und so sang zur Einstimmung das Gammertinger Doppelquartett unter der Leitung von Gerhard Buck.
Das zum Museum umgestaltete alte Oberamt in der Hohenzollernstraße war viele Jahre Schulhaus von Gammertingen. Nichts lag also für die ehrenamtlichen Mitarbeiter näher, als eine Ausstellung „Schule im ehemaligen Oberamt Gammertingen“ zu gestalten. Viele von ihnen, wie auch ihr Hauptakteur Siegfried Jakob, sind selbst Lehrer im Ruhestand.
Bürgermeister Holger Jerg verwies auf „200 Jahre Schulpflicht in Hohenzollern“. Angefangen hatte alles im Jahr 1809, denn damals wurde eine alle verpflichtende Winterschule eingeführt. Jerg dankte den rund zwanzig Aktiven, die ihre Energie und Begeisterung in das Museum stecken, aber auch den Besuchern: „Ein Museum lebt nur, weil wir Interesse zeigen“. Dieses Museum wachse beständig, so konnten kürzlich neue Vitrinen angeschafft werden.
In ihrem einführenden Vortrag zitierte Claudia Jeschke, Gymasiallehrerin für Geschichte und Deutsch, Wilhelm Buschs Meister Lämpel: „Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Sie könne sich gut daran erinnern, wie sie selbst hier als Schülerin unterrichtet worden sei.
Die Anfänge der Schule waren abenteuerlich: Auf dem Land gab es Wanderlehrer, die von Martini bis Georgi den Kinder lesen, schreiben, rechnen beibrachten. Der Lehrer durfte bei wechselnden Familien mitessen und dort auch unterrichteten, ein Schulhaus gab es noch nicht: „Im Sommer hütete er Kühe, im Winter die Kinder und weil das Geld nicht reichte, war er oft noch Nachtwächter.“ Jeder konnte sich damals um eine Lehrerstelle bewerben, eine spezielle Ausbildung gab es nicht.
Ab 1850 Staatsdiener
Erst 1850 als das Oberamt Gammertingen preußisch wurde, erhielten die Lehrer als Staatsdiener ein Einkommen. Aber der Ertrag war eher bescheiden und der Lehrer musste sich wie im Lied „das arme Dorfschulmeisterlein“ mit allerlei Nebenverdiensten über Wasser halten. Dabei hatte er früh eine hohe Verantwortung für die Kinder anderer Leute zu übernehmen. Gesetzlich wurde geregelt, was der Lehrer alles zu tun hatte: er musste unter anderem dafür sorgen, „dass sich die Schüler nicht auf dem Tanzboden herumtrieben“. Jeschke strich aber auch heraus, dass ein Mensch mit allgemeiner Schulbildung natürlich auch revolutionäres Potential barg, denn mit der Aufklärung und ihrer Forderung, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, konnten und sollten sie sich ja aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreien.
In der Gammertinger Schulgeschichte ragen zwei Persönlichkeiten heraus: Musterlehrer Heinrich Reiser, der im 19. Jahrhundert zahlreiche Schulbücher verfasste und Josef Wiest, der sich um die Geschichte Gammertingens einen Namen machte. Auch zwei Lehrerinnen sind unvergessen: Fräulein Göggel und Fräulein Gässler, beide mussten sich gegen manche Widerstände in diesem Beruf zu Beginn des 20. Jahrhunderts behaupten. Die Besucher durften sich anschließend in Schulbänke von Feldhausen und Bronnen setzen, konnten in Poesiealben und Schulbüchern lesen sowie in alten Fotos nach bekannten Gesichtern suchen.
(Erschienen: 18.04.2010 20:15)

































