Stadtnachrichten Pfullendorf
Zahl der Gegner wächst und wächst
Von unserer Mitarbeiterin Anthia Schmitt
Zum Hintergrund: Anfang November 2009 hat der Mobilfunkbetreiber O2 auf einem landwirtschaftlich genutzten Privatgrundstück in Richtung Herdwangen einen genehmigungsfreien 9,99 Meter hohen Sendemasten erstellt. Massiver Widerstand wurde unter der Federführung von Dr. August Wielath und Patrik Brendel in der größten Pfullendorfer Teilgemeinde laut.
350 Unterschriften
Rund 100 Bürger folgten am 14. November einer ersten Informationsveranstaltung mit Wolfgang Blüher aus Ravensburg. Verschiedene Protestaktionen, darunter eine Unterschriftensammlung, die bis heute 350 erwachsene Aach-Linzer -- bei insgesamt rund 1200 Einwohnern -- unterzeichneten, folgten. Gleichzeitig strengten die Initiatoren mit Hilfe der in Mobilfunkangelegenheiten erfahrenen Meßkircher Rechtsanwältin Dr. Barbara Wachsmuth einen Einspruch an, der laut Wielath bis heute verhinderte, dass die Sendeanlage in Betrieb ging. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass O2 bei der Stadt den Bauantrag gestellt hat, den Sendemast auf 21 Meter zu erhöhen.
Gabele widerspricht
Dr. August Wielath konnte am Samstag erneut rund 100 Zuhörer begrüßen. „Der Funkmast darf so nicht in Betrieb gehen“, sagte er. Mit der Erhöhung des Masten sei auch die Nutzung durch andere Mobilfunkbetreiber im Gespräch, damit werde die Sendeleistung stärker. Die Bürgerinitiative kämpfe für ein weitgehend strahlenfreies Aach-Linz und es sei nicht notwendig, umliegende Gemeinden von Aach-Linz aus zu bestrahlen. Den Bürgern empfahl er, sich vor der Inbetriebnahme einer eingehenden ärztlichen Untersuchung mit Bluttest zu unterziehen, um später eventuelle gesundheitliche Schäden durch Mobilfunk nachweisen zu können.
Gleichzeitig appellierte er an die Verwaltung, die Genehmigung für die Aufstockung des Masten zu verweigern. „Bürgermeister Kugler und das Baurechtsamt können das verhindern“, sagte Wielath. Eine Aussage, die Ortsvorsteher Emil Gabele auf den Plan rief. „Der Bürgermeister kann nichts verhindern und die Baurechtsverwaltung entscheidet auf Grund von Fakten und Gesetzen“, gab er zurück.
Weil Gabele und sein Stellvertreter Edgar Lang die Versammlung bereits nach einer Stunde wegen einer anderen Veranstaltung wieder verlassen mussten, stellte Jörn Gutbier seinen fast vierstündigen Vortrag um und begann mit den Möglichkeiten der Kommunen, Mobilfunk zu verhindern oder wenigstens einzuschränken. Die Gemeinden dürften Vorsorgeplanung betreiben, erklärte er. Mit einem Vorsorgekonzept, zu dem auch eine zeitbringende Veränderungssperre gehöre, nähmen die Kommunen die Planung wieder selbst in die Hand. Nach einer Bestandsaufnahme könnten sensible Bereiche festgelegt oder Positivausweisungen vorgenommen werden, machte er am Beispiel der oberbayrischen Gemeinde Aßling deutlich. Dort habe man mehrere Masten verhindern können, indem ein Standort vorgeschlagen wurde, der für die Bürger eine deutlich geringere Strahlenbelastung bringe, denn es gelte, je höher der Mast, desto geringer die Bestrahlung. Allerdings habe das Vorsorgekonzept die 4000-Seelen-Gemeinde bisher rund 130 000 Euro gekostet, räumte Gutbier ein. „Sie haben mir wertvolle Erkenntnisse mitgegeben“, sagte Gabele zum Referenten, bevor er sich verabschiedete.
Gutbier zeigte auf, wie die Lobby der Mobilfunkbetreiber funktioniert, „der Verkauf weiterer Mobilfunkfrequenzen steht im Sommer bevor, ein Milliardengeschäft für den Staat“. Tipps, wie die Strahlenbelastung in den eigenen vier Wänden reduziert werden kann, kein Schnurlostelefon, kein WLAN und kein Babyphon, folgten. In öffentlichen Gebäuden oder in Bussen und Bahnen könnten Handys verboten werden, regte er an, und in Kinderhände gehörten Handys sowieso nicht, denn bei Kindern seien die gesundheitlichen Folgen deutlich gravierender. Der Mobilfunk werde gewünscht und gefordert, allerdings seien weniger schädliche technische Lösungen notwendig, nach denen gesucht werden müsse, sagte Gutbier in der abschließenden Fragerunde.
„Es müssen Leute her, die ein Kreuz haben“, sagte er, „ich hoffe, dass Sie Ihre Wut in politische Aktivität verwandeln.“
Politische Gremien tagen
Weitere Schritte haben Patrik Brendel und ein namentlich aufgeführter Kreis der aktiven Mobilfunkgegner in Aach-Linz bereits eingeleitet. Vor der heutigen Ortschaftsratssitzung (19.30 Uhr in der Schlossgarten-Halle) und der morgigen Sitzung des Technischen Ausschusses (18 Uhr im neuen Ratssaal), die sich beide mit dem Bauantrag von O2 auf Erhöhung des bestehenden Masten bei Aach-Linz beschäftigen, erhalten die Ortschaftsräte und alle Mitglieder des Technischen Ausschusses ein vierseitiges Schreiben der Bürgerinitiative, in dem gefordert wird, den Standort zu verhindern und zu prüfen, welche Möglichkeiten das Bauplanungsrecht zulässt. Gleichzeitig hat die Initiative für die Ortschaftsratssitzung ein Anhörungsrecht beantragt, über das der Ortschaftsrat entscheidet. Weiterhin beabsichtigt die Bürgerinitiative, der „Bürgerwelle“, dem als Verein organisierten Dachverband der Bürgerinitiativen gegen Elektrosmog, beizutreten.
(Erschienen: 17.03.2010 10:50)
Von unserer Mitarbeiterin Anthia Schmitt
Zum Hintergrund: Anfang November 2009 hat der Mobilfunkbetreiber O2 auf einem landwirtschaftlich genutzten Privatgrundstück in Richtung Herdwangen einen genehmigungsfreien 9,99 Meter hohen Sendemasten erstellt. Massiver Widerstand wurde unter der Federführung von Dr. August Wielath und Patrik Brendel in der größten Pfullendorfer Teilgemeinde laut.
350 Unterschriften
Rund 100 Bürger folgten am 14. November einer ersten Informationsveranstaltung mit Wolfgang Blüher aus Ravensburg. Verschiedene Protestaktionen, darunter eine Unterschriftensammlung, die bis heute 350 erwachsene Aach-Linzer -- bei insgesamt rund 1200 Einwohnern -- unterzeichneten, folgten. Gleichzeitig strengten die Initiatoren mit Hilfe der in Mobilfunkangelegenheiten erfahrenen Meßkircher Rechtsanwältin Dr. Barbara Wachsmuth einen Einspruch an, der laut Wielath bis heute verhinderte, dass die Sendeanlage in Betrieb ging. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass O2 bei der Stadt den Bauantrag gestellt hat, den Sendemast auf 21 Meter zu erhöhen.
Gabele widerspricht
Dr. August Wielath konnte am Samstag erneut rund 100 Zuhörer begrüßen. „Der Funkmast darf so nicht in Betrieb gehen“, sagte er. Mit der Erhöhung des Masten sei auch die Nutzung durch andere Mobilfunkbetreiber im Gespräch, damit werde die Sendeleistung stärker. Die Bürgerinitiative kämpfe für ein weitgehend strahlenfreies Aach-Linz und es sei nicht notwendig, umliegende Gemeinden von Aach-Linz aus zu bestrahlen. Den Bürgern empfahl er, sich vor der Inbetriebnahme einer eingehenden ärztlichen Untersuchung mit Bluttest zu unterziehen, um später eventuelle gesundheitliche Schäden durch Mobilfunk nachweisen zu können.
Gleichzeitig appellierte er an die Verwaltung, die Genehmigung für die Aufstockung des Masten zu verweigern. „Bürgermeister Kugler und das Baurechtsamt können das verhindern“, sagte Wielath. Eine Aussage, die Ortsvorsteher Emil Gabele auf den Plan rief. „Der Bürgermeister kann nichts verhindern und die Baurechtsverwaltung entscheidet auf Grund von Fakten und Gesetzen“, gab er zurück.
Weil Gabele und sein Stellvertreter Edgar Lang die Versammlung bereits nach einer Stunde wegen einer anderen Veranstaltung wieder verlassen mussten, stellte Jörn Gutbier seinen fast vierstündigen Vortrag um und begann mit den Möglichkeiten der Kommunen, Mobilfunk zu verhindern oder wenigstens einzuschränken. Die Gemeinden dürften Vorsorgeplanung betreiben, erklärte er. Mit einem Vorsorgekonzept, zu dem auch eine zeitbringende Veränderungssperre gehöre, nähmen die Kommunen die Planung wieder selbst in die Hand. Nach einer Bestandsaufnahme könnten sensible Bereiche festgelegt oder Positivausweisungen vorgenommen werden, machte er am Beispiel der oberbayrischen Gemeinde Aßling deutlich. Dort habe man mehrere Masten verhindern können, indem ein Standort vorgeschlagen wurde, der für die Bürger eine deutlich geringere Strahlenbelastung bringe, denn es gelte, je höher der Mast, desto geringer die Bestrahlung. Allerdings habe das Vorsorgekonzept die 4000-Seelen-Gemeinde bisher rund 130 000 Euro gekostet, räumte Gutbier ein. „Sie haben mir wertvolle Erkenntnisse mitgegeben“, sagte Gabele zum Referenten, bevor er sich verabschiedete.
Gutbier zeigte auf, wie die Lobby der Mobilfunkbetreiber funktioniert, „der Verkauf weiterer Mobilfunkfrequenzen steht im Sommer bevor, ein Milliardengeschäft für den Staat“. Tipps, wie die Strahlenbelastung in den eigenen vier Wänden reduziert werden kann, kein Schnurlostelefon, kein WLAN und kein Babyphon, folgten. In öffentlichen Gebäuden oder in Bussen und Bahnen könnten Handys verboten werden, regte er an, und in Kinderhände gehörten Handys sowieso nicht, denn bei Kindern seien die gesundheitlichen Folgen deutlich gravierender. Der Mobilfunk werde gewünscht und gefordert, allerdings seien weniger schädliche technische Lösungen notwendig, nach denen gesucht werden müsse, sagte Gutbier in der abschließenden Fragerunde.
„Es müssen Leute her, die ein Kreuz haben“, sagte er, „ich hoffe, dass Sie Ihre Wut in politische Aktivität verwandeln.“
Politische Gremien tagen
Weitere Schritte haben Patrik Brendel und ein namentlich aufgeführter Kreis der aktiven Mobilfunkgegner in Aach-Linz bereits eingeleitet. Vor der heutigen Ortschaftsratssitzung (19.30 Uhr in der Schlossgarten-Halle) und der morgigen Sitzung des Technischen Ausschusses (18 Uhr im neuen Ratssaal), die sich beide mit dem Bauantrag von O2 auf Erhöhung des bestehenden Masten bei Aach-Linz beschäftigen, erhalten die Ortschaftsräte und alle Mitglieder des Technischen Ausschusses ein vierseitiges Schreiben der Bürgerinitiative, in dem gefordert wird, den Standort zu verhindern und zu prüfen, welche Möglichkeiten das Bauplanungsrecht zulässt. Gleichzeitig hat die Initiative für die Ortschaftsratssitzung ein Anhörungsrecht beantragt, über das der Ortschaftsrat entscheidet. Weiterhin beabsichtigt die Bürgerinitiative, der „Bürgerwelle“, dem als Verein organisierten Dachverband der Bürgerinitiativen gegen Elektrosmog, beizutreten.
(Erschienen: 17.03.2010 10:50)


































