Stadtnachrichten Pfullendorf
UN-Konvention: Behinderte haben Recht auf Inklusion

Unter dem Titel „Wieviel Behinderung verträgt eine Stadt“ diskutierten am Samstagabend Reinhard Küst und Rebecca Müller vom Leitungsteam der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach sowie André Heygster, Vater einer behinderten Tochter, mit rund 20 Gästen. Gleichzeitig war diese Podiumsdiskussion Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Kultur im Herbst“ und Teil des Vorprogramms von „Kufe 12“, eines kreisübergreifenden Festivals mit rund 150 Veranstaltungen im nächsten Jahr, die körperlich und geistig eingeschränkte Menschen gemeinsam mit Nichtbehinderten gestalten.
Bürger mit Berührungsängsten wie jene, von denen Pfarrer Hermann Billmann berichtete, dass sie im Frühjahr eine Unterschriftensammlung gegen die Mariaberger Behindertenwohngruppen im Bonhoeffer-Haus initiiert hatten, waren nicht unter den Diskussionsteilnehmern oder gaben sich zumindest nicht zu erkennen. Stattdessen meldeten sich jene zu Wort, denen aus unterschiedlichsten Gründen der Umgang mit behinderten Menschen längst vertraut ist.
„Mir war bisher nicht bekannt, dass Lautenbach nach außen will“, sagte eine Frau, der Rebecca Müller, in Lautenbach für das Wohnen zuständig, antwortete: „Wir orientieren uns nach allen Seiten, auch nach Pfullendorf.“
Gabi Unversucht, eine betreuungsbedürftige Lautenbacherin, berichtete von ihren eigenen Erfahrungen, wie es sich anfühlt, „angeglotzt“ zu werden. Und sie sagte: „Uns macht es viel Freude, anderen Menschen Freude zu bereiten.“
Schnell entwickelte sich die Diskussion vom eigentlichen Thema weg zu Lösungsvorschlägen. Nicht das „wieviel“ stand im Mittelpunkt, sondern das „wie“. „Es braucht öfters Situationen, in denen sich Behinderte und Nichtbehinderte begegnen“, regte ein Zuhörer Frühschoppenkonzerte mit der Lautenbacher Blaskapelle an. Als weitere Idee kam das leer stehende Haus der Bürgerstiftung ins Gespräch, in dem nicht nur Wohngruppen Platz finden könnten, sondern auch ein Ladengeschäft, in dem Produkte aus den Behindertenwerkstätten verkauft werden.
Ein langfristiges Modell müsse entwickelt werden, sagte Heygster, es dürfe nicht sein, dass es nach einem Jahr wieder eingestellt wird, wenn die Realisierung nicht auf Anhieb klappt.
„Ein langer und schwieriger Weg“, waren sich die Diskutierenden einig, der ein Umdenken in der Gesellschaft erfordert schon bei den Kindern begonnen werden muss, damit das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen möglich wird.
(Erschienen: 11.09.2011 20:25)

Unter dem Titel „Wieviel Behinderung verträgt eine Stadt“ diskutierten am Samstagabend Reinhard Küst und Rebecca Müller vom Leitungsteam der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach sowie André Heygster, Vater einer behinderten Tochter, mit rund 20 Gästen. Gleichzeitig war diese Podiumsdiskussion Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Kultur im Herbst“ und Teil des Vorprogramms von „Kufe 12“, eines kreisübergreifenden Festivals mit rund 150 Veranstaltungen im nächsten Jahr, die körperlich und geistig eingeschränkte Menschen gemeinsam mit Nichtbehinderten gestalten.
Bürger mit Berührungsängsten wie jene, von denen Pfarrer Hermann Billmann berichtete, dass sie im Frühjahr eine Unterschriftensammlung gegen die Mariaberger Behindertenwohngruppen im Bonhoeffer-Haus initiiert hatten, waren nicht unter den Diskussionsteilnehmern oder gaben sich zumindest nicht zu erkennen. Stattdessen meldeten sich jene zu Wort, denen aus unterschiedlichsten Gründen der Umgang mit behinderten Menschen längst vertraut ist.
„Mir war bisher nicht bekannt, dass Lautenbach nach außen will“, sagte eine Frau, der Rebecca Müller, in Lautenbach für das Wohnen zuständig, antwortete: „Wir orientieren uns nach allen Seiten, auch nach Pfullendorf.“
Gabi Unversucht, eine betreuungsbedürftige Lautenbacherin, berichtete von ihren eigenen Erfahrungen, wie es sich anfühlt, „angeglotzt“ zu werden. Und sie sagte: „Uns macht es viel Freude, anderen Menschen Freude zu bereiten.“
Schnell entwickelte sich die Diskussion vom eigentlichen Thema weg zu Lösungsvorschlägen. Nicht das „wieviel“ stand im Mittelpunkt, sondern das „wie“. „Es braucht öfters Situationen, in denen sich Behinderte und Nichtbehinderte begegnen“, regte ein Zuhörer Frühschoppenkonzerte mit der Lautenbacher Blaskapelle an. Als weitere Idee kam das leer stehende Haus der Bürgerstiftung ins Gespräch, in dem nicht nur Wohngruppen Platz finden könnten, sondern auch ein Ladengeschäft, in dem Produkte aus den Behindertenwerkstätten verkauft werden.
Ein langfristiges Modell müsse entwickelt werden, sagte Heygster, es dürfe nicht sein, dass es nach einem Jahr wieder eingestellt wird, wenn die Realisierung nicht auf Anhieb klappt.
„Ein langer und schwieriger Weg“, waren sich die Diskutierenden einig, der ein Umdenken in der Gesellschaft erfordert schon bei den Kindern begonnen werden muss, damit das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen möglich wird.
(Erschienen: 11.09.2011 20:25)

































