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Duffner: „Wir führen Alno nach vorne – Sie werden es erleben“

Elmar Duffner, künftiger Chef des Pfullendorfer Küchenbauers, über seine Pläne, die Fehler der Vergangenheit und Heimatgefühle
Elmar Duffner ist der neue starke Mann bei Alno.
Elmar Duffner ist der neue starke Mann bei Alno. (Foto: Thomas Warnack)

Pfullendorf / sz Der seit Jahren kriselnde Küchenbauer Alno will die Wende schaffen – wieder einmal. Damit dies nun endlich klappt, hat Alno-Chef Max Müller den Sanierungsexperten Elmar Duffner vom Konkurrenten Poggenpohl abgeworben und nach Pfullendorf geholt. Die SZ-Redakteure Volker Knab und Thomas Hagenbucher haben den Spitzenmanager, der 2013 Müllers Nachfolge als Vorstandschef antreten wird, zu seinen ehrgeizigen Plänen befragt.

SZ: Herr Duffner, man sagt, Sie haben Anfang November den schwierigsten Job der gesamten Branche übernommen. Wie fühlt man sich, wenn solch eine riesige Aufgabe vor einem liegt?

Elmar Duffner: Ich bin wie am ersten Tag nach wie vor davon überzeugt, dass es richtig war, hier in Pfullendorf Verantwortung zu übernehmen. Ich bin sicher, dass ich hier viel einbringen kann und wir gemeinsam dieses Unternehmen nach vorne bringen. Die Produktmarken und der Alno-Konzern haben gute Zukunftsperspektiven.

SZ: Alno hat seit Jahren Umsatzrückgänge zu verkraften. Wie ist die aktuelle Geschäftslage? Wie war das Jahr 2011?

Duffner: Der vorläufige Umsatz für 2011 liegt bei 453 Millionen Euro. Das ist ein Rückgang um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wir wollen diesen Trend jetzt aber umkehren. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Wir haben uns für 2012 Vieles vorgenommen. Es dauert aber immer eine gewisse Zeit, neue Kunden zu finden, neue Küchenmodelle zu platzieren. Wir haben aber ein Fundament, auf dem wir aufbauen können. Ich bin mehr als zuversichtlich, dass wir 2012 eine Trendumkehr schaffen werden.

SZ: Wie sieht es mit der Liquidität bei Alno aus?

Duffner: Wir haben Ende 2011 schon die Sanierungsvereinbarung II umgesetzt und die Bilanz um 50 Millionen Euro entlastet. Das war ein erster großer Schritt. Dazu kommt das Darlehen der Comco Holding AG des Alno-Vorstandsvorsitzenden Max Müller über knapp 30 Millionen Euro. Zusätzlich arbeiten wir aktuell an weiteren Kapitalmaßnahmen.

SZ: Was sind die Hauptprobleme von Alno? Was wurde in der Vergangenheit falsch gemacht?

Duffner: Ich will jetzt nicht beurteilen, was vorher falsch gemacht worden ist. Aber Unternehmen, denen es über Jahre hinweg an Kontinuität fehlt, bekommen in der Regel Probleme. Wenn zu oft die Weichen neu gestellt werden, ist es schwierig nachhaltig erfolgreich zu sein. Für Alno war es ein großer Nachteil, dass relativ häufig immer wieder die Führung gewechselt hat. Um ein Unternehmen auszurichten, ist die richtige Strategie das eine. Aber die Kunst liegt immer in der Umsetzung dieser Strategie. Man muss die gesamte Organisation mitnehmen und das Vertrauen der Kunden und Mitarbeiter gewinnen. Dazu braucht es Zeit. Wir müssen auch wieder verlässlicher und berechenbarer für unsere Händler werden.

SZ: Heißt das, dass es bei den Produkten selbst nur geringe Probleme gibt?

Duffner: Wichtige Kunden von uns sagen sogar, die Produktpolitik von Alno ist exzellent. Die Qualität und Zuverlässigkeit ist mehr als in Ordnung – teilweise durchaus mit Vorteilen gegenüber den Wettbewerbern. Wir wollen in Zukunft aber auch die Bekanntheit der Marke Alno noch mehr in Richtung Endverbraucher nutzen, beispielsweise sie stärker vermarkten.

SZ: Ihr Ziel lautet, 2013 operativ wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Wie will man das erreichen?

Duffner: Es gibt immer eine Vielzahl von Maßnahmen. Ein wichtiger Baustein wird das Exportgeschäft sein. Wir haben hier großen Nachholbedarf und liegen weit hinter den Wettbewerbern zurück. In relevanten Märkten außerhalb Europas sind wir beispielsweise nur schwach vertreten. Ich bin sicher, dass unsere hervorragenden Produkte sehr gute Chancen auf den internationalen Märkten haben. Unser Plus ist das gute Preis-Leistungs-Verhältnis. Für China haben wir die Weichen bereits gestellt. Wichtige Märkte sind für uns auch Singapur, Malaysia, Indonesien und Vietnam. Auch Russland und Osteuropa sind für die Alno-Gruppe hoch interessante Märkte. Das Label „Made in Germany“ ist immer ein Türöffner. Mit unserem neuen Export-Chef Matthias Weiß haben wir zudem den besten Export-Manager, den man sich vorstellen kann – mit einem exzellenten Netzwerk. Wir können beim Export jetzt richtig durchstarten. Aber auch im Inlandsmarkt rechnen wir mit einem Wachstum. Wir sind der einzige Küchen-Konzern mit einer starken Marke und auch der einzige Hersteller, der unterschiedliche Produkt- und Preissegmente bedienen kann.

SZ: In den vergangenen Monaten gab es bei den Mitarbeitern in Pfullendorf eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Hält diese an oder kehrt wegen des erneuten Umsatzrückgangs schon wieder die Angst zurück?

Duffner: Optimismus ist hier in den Fluren überall zu sehen und zu spüren – obwohl die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren so viele Herausforderungen meistern mussten. Das begeistert mich. Das macht es jetzt auch einfacher, die Weichen weiter richtig zu stellen.

SZ: Deutschland ist ein Hochlohnland. Ist es mittelfristig überhaupt noch sinnvoll, hierzulande Küchen profitabel zu bauen?

Duffner: Ja, auf jeden Fall. Früher wurde der Standort Deutschland ja praktisch totgeredet. Der Wirtschaftsstandort Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren aber seine Hausaufgaben gemacht. Wir sind in den Lohnstückkosten extrem wettbewerbsfähig geworden. Jetzt ist der Standort sehr krisenresistent. Heute ist „Deutschland“ das Zukunftsmodell – sie müssen ja nur mal in britische oder französische Zeitungen schauen.

SZ: Welchen Umsatz streben Sie für 2012 an?

Duffner: Prognosen werde ich keine abgeben. Aber die deutsche Möbelindustrie dürfte mit zwei bis drei Prozent zulegen – wenn die Lage am Arbeitsmarkt weiter so stabil bleibt. Wir wollen auf jeden Fall keine Marktanteile verlieren. Das ist das Minimalziel. Beim Blick auf die Auftragseingänge im Dezember und Januar fühlen wir uns in unseren Planungen bestätigt. Wir sind daher zuversichtlich.

SZ: Haben Sie sich eigentlich schon gut in Pfullendorf eingelebt? Das ist bisher ja nicht jedem Alno-Chef so leicht gefallen. Man betrachte nur Jörg Deisel, der den Unternehmenssitz zwischenzeitlich sogar nach Düsseldorf verlegt hatte.

Duffner: Ich empfinde den Wechsel nach Pfullendorf ein bisschen wie ein Heimkommen. Ich bin im Schwarzwald – etwa eine Stunde von hier – aufgewachsen und habe auch lange in Ravensburg gelebt. Ich fühle mich im Süden verhaftet und verwurzelt. Ich kenne die Region und die lokale Kultur. Es ist sehr positiv, wie ich hier aufgenommen wurde. Die Tätigkeit bei Alno ist ein langfristiges Projekt, wie es auch bei meinen vorherigen Stationen der Fall war.

SZ: Sie haben sich ja schon in der Vergangenheit einen Namen als Sanierer gemacht. Welche Eigenschaften braucht man dafür?

Duffner: Da möchte ich einen sehr bekannten Allgäuer zitieren, nämlich Helmut Maucher, der viele Jahre sehr erfolgreich den Schweizer Nestlé-Konzern geführt hat. Er hat mal in einem Interview gesagt – ich meine sogar, es war in der Schwäbischen Zeitung: „Man muss gut zuhören, mutig sein, Entscheidungen zu treffen, die Mitarbeiter für unternehmerisches Denken gewinnen und man muss für Vertrauen in jeder Hinsicht sorgen.“ Die Leute, die hier schon zehn, 20 oder 30 Jahre tätig sind, wissen doch ganz genau, was richtig ist. Man muss diesen Mitarbeitern zuhören und dann den Mut haben, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

SZ: Die eben erwähnten Mitarbeiter und deren Angehörige haben in der Vergangenheit schon oft gehört, dass es bald besser wird – und wurden immer wieder enttäuscht. Warum soll das gerade jetzt anders sein?

Duffner: Weil wir vom Potenzial des Unternehmens zu 100 Prozent überzeugt sind. Sonst wäre ich nicht in diese Verantwortung gegangen. Ich kann es verstehen, wenn die Menschen vor dem Hintergrund der vergangenen Jahre kritisch sind. Aber für mich ist es völlig unzweifelhaft, dass wir Alno nach vorne führen werden. Sie werden es erleben.

(Erschienen: 05.02.2012 18:10)

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