Rund um Pfullendorf
Fasnet erschöpft das Wappentier

Da ist nicht nur dem Maskenträger, Eistaucher Rolf Jäger im Trockenanzug, ganz warm ums Herz geworden. Auch Bürgermeister Jürgen Hoffmann durfte stolz auf „seine“ Illmenseer sein. Nachdem das schwächelnde Wappentier der Wasserspuckerzunft es aus seiner Rettungswanne gerade mal noch so eben - rücklings, so halber tot ist er schon gewesen - in das extra ausgesägte Eisloch und unter Wasser geschafft hatte, gab Oberspucker Reichle den am „Schmotzigen“ vom Schultes eroberten Rathausschlüssel wieder an das Gemeindeoberhaupt zurück.
Und weil ihn das Spucken von großen Tönen „ohne Fasnet möchte ich nicht im Rathaus regieren“, für seine unermüdlichen Fasnetseinsätze wie keinen Zweiten prädestiniert, hatte der bis zum nächsten Dreikönigstag ausgemusterte Fasnetstreibauf - in Kumpanei-Kooperation mit Pfarrer Albert Eckstein - gleich noch ein Abschiedsgeschenk für das närrische Völkchen am Köcheln: Warme Suppen und kühle Getränke vor und im Pfarrhaus.
Die milde Gabe fußt angeblich auf einem historischen Foul. Denn Neid, Missgunst und Nachtreten sind keine exklusiven Erscheinungen unserer Tage. Bereits im Jahr 1712 sollen sich Illmenseer Wirte beim Generalvikar in Konstanz beklagt haben, dass die Ortspfarrer zum Fasnetsende am Dienstag ihre kleine Herde im Pfarrhaus bewirten: „Sie zechen und zehren beim Pfarrer bis tief in die Nacht“, so das aktenkundige Originalzitat. Auch Abstrafen durch die Stadt Pfullendorf hatte nichts geholfen.
Hausherr Albert Eckstein, unübersehbar selbst Mitglied der Pfullendorfer Stegstreckerzunft, hat nun, genau 300 Jahre später, die Flucht nach vorn ergriffen und den Närrinnen und Narren, samt ihrem Narrensamen Tür und Tor des Illmenseer Hirtenheims am Kirchplatz geöffnet. Mit am selben (Glocken-)Strang zieht bei dieser löblichen Sorge um die Seelen seiner Schäfchen Gemeindereferent Konrad Krämer mit dem Segen seines (Dienst-)Herren Albert Eckstein.
„Damit der Illmenseer Narrenrat in Zukunft keine Dummheiten mehr macht, überreiche ich denen heute ein Schweigegeld in Form von sechs Flaschen Affenthaler Wein“, sagte der geistliche Herr. Und erstickte damit alle weiteren Wünsche der Wasserspucker bereits im Keim. Das weltliche Fußvolk war von der Idee, das Fischversenken auf diese historische Art ausklingen zu lassen, mehr als begeistert.
(Erschienen: 22.02.2012 22:03)

Da ist nicht nur dem Maskenträger, Eistaucher Rolf Jäger im Trockenanzug, ganz warm ums Herz geworden. Auch Bürgermeister Jürgen Hoffmann durfte stolz auf „seine“ Illmenseer sein. Nachdem das schwächelnde Wappentier der Wasserspuckerzunft es aus seiner Rettungswanne gerade mal noch so eben - rücklings, so halber tot ist er schon gewesen - in das extra ausgesägte Eisloch und unter Wasser geschafft hatte, gab Oberspucker Reichle den am „Schmotzigen“ vom Schultes eroberten Rathausschlüssel wieder an das Gemeindeoberhaupt zurück.
Und weil ihn das Spucken von großen Tönen „ohne Fasnet möchte ich nicht im Rathaus regieren“, für seine unermüdlichen Fasnetseinsätze wie keinen Zweiten prädestiniert, hatte der bis zum nächsten Dreikönigstag ausgemusterte Fasnetstreibauf - in Kumpanei-Kooperation mit Pfarrer Albert Eckstein - gleich noch ein Abschiedsgeschenk für das närrische Völkchen am Köcheln: Warme Suppen und kühle Getränke vor und im Pfarrhaus.
Die milde Gabe fußt angeblich auf einem historischen Foul. Denn Neid, Missgunst und Nachtreten sind keine exklusiven Erscheinungen unserer Tage. Bereits im Jahr 1712 sollen sich Illmenseer Wirte beim Generalvikar in Konstanz beklagt haben, dass die Ortspfarrer zum Fasnetsende am Dienstag ihre kleine Herde im Pfarrhaus bewirten: „Sie zechen und zehren beim Pfarrer bis tief in die Nacht“, so das aktenkundige Originalzitat. Auch Abstrafen durch die Stadt Pfullendorf hatte nichts geholfen.
Hausherr Albert Eckstein, unübersehbar selbst Mitglied der Pfullendorfer Stegstreckerzunft, hat nun, genau 300 Jahre später, die Flucht nach vorn ergriffen und den Närrinnen und Narren, samt ihrem Narrensamen Tür und Tor des Illmenseer Hirtenheims am Kirchplatz geöffnet. Mit am selben (Glocken-)Strang zieht bei dieser löblichen Sorge um die Seelen seiner Schäfchen Gemeindereferent Konrad Krämer mit dem Segen seines (Dienst-)Herren Albert Eckstein.
„Damit der Illmenseer Narrenrat in Zukunft keine Dummheiten mehr macht, überreiche ich denen heute ein Schweigegeld in Form von sechs Flaschen Affenthaler Wein“, sagte der geistliche Herr. Und erstickte damit alle weiteren Wünsche der Wasserspucker bereits im Keim. Das weltliche Fußvolk war von der Idee, das Fischversenken auf diese historische Art ausklingen zu lassen, mehr als begeistert.
(Erschienen: 22.02.2012 22:03)

































