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Braun kämpft jetzt um den Klassenerhalt

Der Job des Ex-Profis als Chefcoach von Oberligist FC 08 Villingen ist im zweiten Jahr schwieriger geworden
Viel Arbeit im "verflixten zweiten Jahr":  Martin Braun, Trainer des Oberligisten FC 08 Villingen
Viel Arbeit im "verflixten zweiten Jahr": Martin Braun, Trainer des Oberligisten FC 08 Villingen (Foto: Blandin)

Von Kai Blandin

VILLINGEN - Es war die beste und erfolgreichste Saison, die der FC 08 Villingen in der jüngeren Vergangenheit auf den Rasen gezaubert hatte. Platz drei in der Oberliga Baden-Württemberg stand am Ende der Spielzeit 2010/2011, nur vom ehemaligen Bundesligisten Waldhof Mannheim und dem früheren Regionalligisten FC Nöttingen geschlagen. Damit hatte selbst der aus Löffingen stammende Ex-Profi Martin Braun (SC Freiburg, 1. FC Köln und Austria Wien) in seinem ersten Jahr als Chef-Trainer des Traditionsvereins nicht gerechnet.

Doch das ist Schnee von gestern. Inzwischen ist der FC 08, der seine Blütezeit Mitte der 60‘er bis Anfang der 70‘er Jahre als Mitglied der Regionalliga Süd – damals die zweithöchste deutsche Spielklasse – mit teilweise bis zu 15 000 Zuschauern im altehrwürdigen Stadion am Friedengrund erlebte, zurück auf dem Boden der Tatsachen. Und der heißt Abstiegskampf. Dabei blieb die Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison nahezu unverändert, einzig nennenswerter Abgang war der von Nedzad Plavci zum SC Pfullendorf. Inzwischen ist dieser allerdings aus dem Linzgau in den Schwarzwald zurückgekehrt. „Wir haben im vergangenen Jahr mit unserer extrem jungen Mannschaft sicherlich am Limit gespielt. Wenn du einen Lauf und viel Selbstvertrauen hast, gehen viele Dinge wie von allein und du gewinnst auch die engen Spiele. Dass dies in der neuen Saison so nicht weitergehen wird, war mir eigentlich klar“, sucht Martin Braun nach Erklärungen. Allein ein Vergleich der Ergebnisse aus den beiden Spielzeiten gibt ihm Recht. Gewannen die Villinger in der Vorsaison allein neun Spiele mit einem Tor Unterschied, gingen in der laufenden Spielzeit fünf solcher engen Begegnungen verloren. „Dabei waren wir oft spielerisch die bessere Mannschaft, konnten unsere Überlegenheit aber nicht in Zählbares ummünzen“, trauert der Trainer diesen vergebenen Chancen nach.

Und dennoch. Für Martin Braun stehen nicht allein die nackten Zahlen im Vordergrund. Dem ehemaligen Bundesliga-Profi, der den Weg in den bezahlten Fußball einst als Verbandsligaspieler des Fv Donaueschingen aus nahm, geht es vielmehr um die Entwicklung seiner Spieler. „Wir befinden uns nach wie vor in einem langfristig angelegten Prozess. Da der FC 08 nicht über die finanziellen Mittel verfügt, um fertige Spieler in den Schwarzwald zu locken, müssen wir uns auf die Ausbildung von jungen Talenten konzentrieren“, so der Chef-Trainer. Immer verbunden mit der Gefahr, dass diese irgendwann von höherklassigen Vereinen abgeworben werden. Jüngstes Beispiel ist Florian Rudy. Der Bruder des Hoffenheimer Bundesliga-Profis Sebastian wechselte erst kürzlich zur Spielvereinigung Unterhaching in die dritte Liga, nachdem er in der Vorrunde mit neun Treffern bester Villinger Torschütze war. „Wir wollen den jungen Spielern bei ihrem sportlichen Fortkommen nicht im Wege stehen", begründete Sportvorstand Wolfgang Häßler die Freigabe von Seiten des FC 08 für den 23-Jährigen, an dem ja auch der SC Pfullendorf mehrfach stark interessiert war.

Wenn Anfang März, so es das Wetter im Schwarzwald zulässt, die Saison mit dem Derby gegen den Bahlinger SC fortgesetzt wird, stehen für den FC 08 Villingen die Wochen der Wahrheit auf dem Programm. Gleich diesem ersten Spiel nach der Winterpause kommt eine besondere Bedeutung zu, treffen hier doch zwei direkte Tabellennachbarn aus den Niederungen der Oberliga Baden-Württemberg aufeinander. Beide Teams können sich voll auf den Liga-Spielbetrieb konzentrieren, sind sie im Wettbewerb um den Südbadischen Vereinspokal doch bereits ausgeschieden. Bei der Mannschaft von Martin Braun schwanden alle Hoffnungen auf eine erneute Qualifikation für den DFB-Pokal, als sie im August des vergangenen Jahres bereits in der zweiten Runde beim SC Pfullendorf antreten musste und dort mit 0:2 den Kürzeren zog.

Apropos DFB-Pokal: Tolle Erlebnisse hatte der Traditionsverein in diesem prestige-trächtigen Wettbewerb. So etwa 1970, als der große Hamburger SV nach Villingen reisen musste und sich Uwe Seeler und Co. beim 3:1-Sieg vor der Rekordkulisse von 16.000 Zuschauern nicht gerade mit Ruhm bekleckerten. Neun Jahre später kam es zum erneuten Duell zwischen diesen beiden Teams, diesmal allerdings in Hamburg. Weil damals die Amateure noch nicht automatisch Heimrecht hatten. Kevin Keegan, Manni Kaltz, Felix Magath und Horst Hrubesch kamen in diesem Spiel zu einem standesgemäßen 6:0-Erfolg. In der jüngeren Vergangenheit waren die Spiele gegen Hansa Rostock (2005, Endstand 2:5 nach Verlängerung), den SC Freiburg (2007, Endstand 1:3) und zuletzt 2009 gegen den FC St. Pauli absolute Highlights. Auch hier bot der FC 08 eine grandiose Leistung und musste sich erneut erst in der Verlängerung geschlagen geben.

Doch eine Rückkehr auf die große Bühne DFB-Pokal, der den finanziell bekanntlich nicht auf Rosen gebetteten Schwarzwäldern theoretisch erst wieder 2013 möglich. Bis dahin wartet jede Menge Arbeit im Liga-Alltag auf Braun & Co.

(Erschienen: 21.02.2012 14:35)

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