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Rund um Meßkirch

Die Mönche freuen sich aufs Jubiläumsjahr

Das Kloster Beuron feiert sein 150-jähriges Bestehen - Anstrengende Vorbereitungen sollen Stille und Gebet nicht beeinträchtigen
Erzabt Tutilo Burger freut sich auf die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Klosters Beuron.
Erzabt Tutilo Burger freut sich auf die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Klosters Beuron. (Foto: Vera Romeu)

Beuron / sz Während die Bürger in der Silvesternacht mit lauten Feuerwerken den Himmel hell erleuchteten, haben die Benediktinermönche in der Erzabtei Sankt Martin zu Beuron gebetet. Kurz vor Mitternacht sind sie zur Vigil – der nächtlichen Gebetzeit eines jeden Tages – im Chor der Kirche zusammengekommen.

Um Mitternacht, als die Glocken läuteten, haben sie mit dem feierlichen Te Deum das Neue Jahr begrüßt. Für die Klostergemeinschaft im Donautal ist 2013 ein besonderes Jahr, sie feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Erzabt Tutilo Burger OSB sprach mit SZ-Mitarbeiterin Vera Romeu darüber.

SZ: Was feiern Sie und die Klostergemeinschaft in diesem Jahr?

Erzabt Tutilo: Wir feiern nicht nur die Wiederbegründung des Klosters, sondern dass wir nun 150 Jahre im Donautal sind. Wir sind eine Benediktinergemeinschaft, die eine verhältnismäßig kleine Tradition hat. Andere Klöster können eine 1000-jährige Tradition vorweisen. Und dennoch ist diese kurze Zeit eine weit über die Region hinaus strahlende Zeit. Beuron ist eigentlich ein sehr alter spiritueller Ort: Augustinerchorherren ließen sich hier am Ende des elften Jahrhunderts nieder und prägten bis zur Säkularisation 1802 diesen Ort. Der letzte Augustiner-Chorherr Abt Dominikus Maier starb 1823, er liegt im Mittelgang der Klosterkirche begraben. Ab 1802 gehörte das Kloster dem Fürstenhaus Hohenzollern. Kirche und Klostergebäude verfielen, weil sie keine wirkliche Nutzung hatten. 1863 ließen sich hier die Benediktiner Maurus und Placidus Wolter, Benedikt Sauter als Novize und ein Laienbruder nach einer langen Odyssee nieder.

SZ: Woher kamen diese ersten Benediktinermönche?

Erzabt Tutilo: Maurus und Placidus Wolter kamen aus Rom. Im außerbayrischen Deutschland gab es seit der Säkularisation keine Benediktiner mehr. Manche junge Männer, die zu einem monastischen Leben berufen waren, gingen nach Rom und traten dort in den Klöstern ein. Dort lernten die Gebrüder Wolter die verwitwete Katharina Fürstin von Hohenzollern kennen und beschlossen nach langen Gesprächen und intensiver Suche nach dem geeigneten Ort, sich im kleinen verlassenen Beuroner Klostergebäude niederzulassen. Das verfallene barocke Gebäude musste erst bewohnbar gemacht werden, auf den Altären der Kirche nisteten Vögel. An Pfingsten 1863 wurde feierlich das Chorgebet aufgenommen. Beuron war das erste deutsche Benediktinerkloster außerhalb Bayerns. Es strahlte aus, 1868 waren es schon zwölf Mönche, kurz vor dem zweiten Weltkrieg waren wir 300. Nach dem Krieg kam der große Einbruch, es treten wenig junge Männer in den Orden ein. Heute sind wir 53 mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren.

SZ: Welche Bedeutung hat das Jubiläum innerhalb des Klosters?

Erzabt Tutilo: Wir freuen uns darüber und sind seit einem Jahr damit beschäftigt, das Jubiläum vorzubereiten. Innerhalb des Klosters haben sich die Mönche in Arbeitsgruppen aufgeteilt, um Feste, Wallfahrten, Ausstellung, Festschrift und sogar eine Sondermarke vorzubereiten. Wir haben das Jubiläumsjahr unter dem Titel „Zeugen des Glaubens“ gestellt. Wir feiern nicht vergangenheitsbezogen, sondern vielmehr, das was uns zutiefst ausmacht: Und das ist das Leben unter Gottes Berufung, das wir hier führen. Davon geben wir täglich Zeugnis und dies wollen wir in diesem Jahr sichtbar machen.

SZ: Welche Bedeutung hat das Jubiläum für die Außenwelt?

Erzabt Tutilo: Die Erzabtei Sankt Martin hat nach außen weiterhin eine große Strahlkraft. Es haben sehr viele und ganz unterschiedliche Leute einen Bezug zu diesem spirituellen Ort. Wir sind auf allen Ebenen der Gesellschaft vernetzt und trotz unserer mönchischen Abgeschiedenheit fest in der Gesellschaft eingebunden. Dies spiegeln die Festlichkeiten des Jubiläums wieder. Unsere tiefe Verankerung in der Erzdiözese Freiburg wird mit dem Besuch von Erzbischof Robert Zollitsch als Prediger zum Hochfest an Pfingsten gefeiert, aber auch mit dem Besuch von Bischof Gebhard Fürst, der mit vielen Pilgern aus der Diözese Rottenburg zur Anna-Wallfahrt kommen wird. Wir werden mit Pilgern und Bürgern Feste und Wallfahrten feiern. Und auch mit den Verantwortlichen aus den Bereichen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Militär. Das Fürstenhaus gehört als Stifter natürlich dazu.

SZ: Welche Rolle spielen heute noch die Stifter des Klosters?

Erzabt Tutilo: Die Gründerin Fürstin Katharina von Hohenzollern hatte das Beuroner Klostergebäude mit Geldern aus ihrem persönlichen Kapital vom ihrem Stiefsohn erworben. Das Fürstenhaus machte später der Erzabtei eine große Schenkung: 100 Hektar landwirtschaftliche Flächen. Heute ist ein wohlwollendes Bewusstsein für einander da, das sich in regelmäßigen Besuchen der Fürstenfamilie zu den Feierlichkeiten im Kloster und in Einladungen zu den Festen am Fürstenhaus ausdrückt.

SZ: Welche Bedeutung hat heute die Erzabtei Beuron innerhalb der monastischen Welt?

Erzabt Tutilo: Eine sehr große, weil am Ende des 19. Jahrhunderts sich die benediktinische Spiritualität in Deutschland von Beuron aus wieder verbreitete. Im Jubiläumsjahr haben wir auch ordensinterne Feste zu feiern. Die jährliche Äbtekonferenz unserer Kongregation, die immer in einem anderen Kloster stattfindet, wird in Beuron abgehalten. Die Benediktinermönche sind weltweit in Kongregationen gegliedert und in einer Konföderation zusammengefasst. Die Leiter treffen sich jedes Jahr mit dem Abtprimas irgendwo auf der Welt, dieses Jahr kommen sie alle nach Beuron. Wir werden auch Benediktiner und Zisterzienser – weil auch sie nach der Regel des Heiligen Benedikts leben – zu einem großen Ordenstag einladen.

SZ: Diese vielen großen Feste erfordern viel Vorbereitungsarbeit. Wie lässt sich dies mit der Stille des monastischen Alltags verbinden? Kann hier nicht innerhalb der Gemeinschaft Unmut aufkommen?

Erzabt Tutilo: Die Mitbrüder freuen sich, das Jubiläumsjahr zu feiern. Natürlich wird es Tage geben, die schwierig sein werden, weil so viel vorbereitet werden muss und nichts vergessen werden darf. Der klösterliche Arbeitsalltag, der von Stille und Stundengebet geprägt ist, läuft aber weiter. Natürlich werden wir an manchen Tagen Gebetszeiten zusammenfassen oder zeitlich verlegen. Wir werden die Tage flexibel gestalten, darüber herrscht weitgehend Konsens.

(Aktualisiert: 04.01.2013 09:50)

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