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Schwäbisch ist hoch im Kurs

An der Sonnenlugerschule singt der TV-Moderator Wulf Wager mit den Schülern schwäbische Lieder
Schwäbisch ist hoch im Kurs
Schwäbisch ist hoch im Kurs

Von Vera Romeu

Mengen Künstler werden zu Botschaftern und werben an den Schulen für die schwäbische Mundart. Der Musiker und Initiator des baden-württembergischen Projekts „Mundart an den Schulen“, Wulf Wager, ist durch Schnee und Eis von Stuttgart in die Sonnenlugerschule gekommen und hat mit den Fünftklässlern auf schwäbisch gesungen und dazu volkstümliche Reigen getanzt. Schulleiter Joachim Wolf hat ihn eingeladen: „Als Schule legen wir natürlich Wert darauf, dass Hochdeutsch sauber gelernt wird. Bei Mundart geht es aber um Integration“, erklärt Schulleiter Wolf. Mundart ist nämlich Heimat und Identität: Alle Schüler, die hier wohnen, müssen die Mundart verstehen, ist Wolfs Ansicht. Kinder kommen in die Hauptschule mit unterschiedlichen Sprachhintergründen und Sprachbegabungen. „Wo Dialekt noch richtig gesprochen wird, da sind die Pisaergebnisse am besten“, berichtet Wager und räumt mit weit verbreiteten Vorurteilen und Ängsten von Eltern und Lehrern auf.

Schwäbisch soll wieder Konjunktur haben, Schwäbisch soll mit Selbstbewusstsein gesprochen werden. „Mundart kann als Markenzeichen benutzt werden“, empfiehlt Wager. Und so haben die Schüler mit ihm frisch drauflos singen dürfen. Wager hatte alte Lieder dabei, die mit originellen schwäbischen Wörtern gespickt waren. Nicht alle Kinder kannten alle Wörter, das war aber egal. Wulf erklärte sie kurz und durch das Singen prägten sie sich ein. Auf die Begeisterung kam es dem Musiker an und seine Energie war in der Tat ansteckend.

Mit Liedtexten wie „Wiedele, wedele, hendrem Städele“ konfrontierte er die Kinder, und das klappte ganz gut. Sie legten ihr Wissen zusammen und kamen dann schon auf den Sinn der alten Wörter: Städele kommt von Stadel, wo Bauern Heu und Stroh lagern, und nicht von Stadt. Die Doppelstunde wurde zur sprachlichen Entdeckungsreise. Auch über württembergische Geschichte sprach Wager. Die Kinder lernten das Lied, „Wo ist mein Schatz geblieben? Er isch itt hier, er isch itt da, er ischt in Amerika!“ Wager erklärte den Schülern, dass wegen einer Hungersnot die Schwaben vor 200 Jahren auswandern mussten.

Tanzen kommt gut an

Tanzen kam bei den Schülern am besten an. Tanzen, paarweise im Reigen, war im Unterrichtsraum etwas Besonderes. Wager lernte ihnen kurz die einfachen Schritte und die Texte, dann spielte er mit dem Akkordeon schwungvoll zum Tanz auf. Die Kinder ließen sich vom Zauber der volkstümlichen Musik anstecken und tanzten fröhlich. Selbst die wilden Kerle fanden sich schnell zusammen und hatten richtig Spaß.

Schwäbisch ist ein Stück Authentizität, erklärt Wager, dem Traditionen, Lieder und Trachten wichtig sind. Die Mundart ist eine emotionale Ausdrucksform von Menschen, die aus demselben Lebensraum sind und sie verbindet. Auf Schwäbisch kann man zum Teil Dinge präziser ausdrücken als auf Hochdeutsch. „Ein Mensch kann sich auf Schwäbisch sehr wohl entwickeln“, sagt Wager. Er animiert Rockbands schwäbische Texte zu singen und wirbt für die Schülerwettbewerbe, in denen Theaterstücke oder Gedichte auf Schwäbisch gesprochen werden.

(Erschienen: 24.01.2012 18:30)

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