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Pflegeheimleitung wünscht Beratung statt Kontrolle

Vorschriften steigern nicht unbedingt die Lebensqualität – Kontrollberichte sind manchmal widersprüchlich
Achim Hollenbach, Petra Trunk und Hans-Dieter Müller (von links) wünschen sich engere Beziehungen zu den Kontrollbehörden. Gegenseitiger Austausch, Beratung und Abstimmung kämen den Bewohnern im Pflegeheim zugute. Unangemeldete Kontrollen stressen unnötig das Pflegeteam.
Achim Hollenbach, Petra Trunk und Hans-Dieter Müller (von links) wünschen sich engere Beziehungen zu den Kontrollbehörden. Gegenseitiger Austausch, Beratung und Abstimmung kämen den Bewohnern im Pflegeheim zugute. Unangemeldete Kontrollen stressen unnötig (Foto: Vera Romeu)

Von Vera Romeu

Mengen Es ist täglich ein Spagat, den Pflegefachkräfte im Haus St. Ulrika, eine Einrichtung der St. AnnaHilfe gGmbH leisten und der doch nicht immer ganz zu ihrer eigenen Zufriedenheit gelingt: Zum einen wollen sie den Heimbewohnern das Haus und den Tagesablauf heimelig machen sowie eine hohe Lebensqualität bieten. Zum anderen gibt es so viele Vorschriften, die diesem Ansinnen entgegenstehen. „Wenn wir ein bisschen Dekoration aufhängen, um der Fasnet oder Ostern im Haus einen Platz zu geben, dann kann es sein, dass der Brandschutz Einspruch erhebt. Es gibt im Bereich Essensausgabe Vorschriften, die verlangen, dass Warmgerichte mit 65 Grad Celsius geschöpft werden, das kann man nicht essen, ohne sich zu verbrennen. Unsere Bewohner sitzen vor dem vollen Teller und müssen warten, bis es abkühlt“, berichtet Petra Trunk, Leiterin des Pflegeheims St. Ulrika. Es gibt auch Vorschriften, dass Kaltgerichte unter zehn Grad Celsius serviert werden müssen, da schmecken weder Pudding noch Kartoffelsalat.

Es sind in den vergangenen Jahren viele Vorschriften entstanden, um die Lebensqualität in Pflegeheimen zu sichern. Das Image von Pflegeheimen ist trotzdem nachhaltig schlecht. „Das zeigt sich in den vielen Kontrollen, die unangekündigt ins Haus kommen. Wir stehen ständig im Verdacht, etwas Unrechtes zu machen“, berichtet Trunk. Es kommt die Heimaufsicht, es kommt die Lebensmittelüberwachung, es kommt das Gesundheitsamt, der Brandschutz, der medizinische Dienst der Krankenkasse, das Wasserwirtschaftsamt.

Die Pflegekräfte verwenden ungefähr ein Drittel ihrer Arbeitszeit, um ihr Tun schriftlich festzuhalten, um den künftigen Kontrollen zu genügen. Diese Zeit fehlt, um Bewohner zu umsorgen. „Eine gute Note des medizinischen Dienstes der Krankenkasse belegt, dass lückenlos dokumentiert wurde, sagt aber nicht allzu viel über die Lebensqualität im Haus aus“, erklärt Hans-Dieter Müller.

Die Leiterin des Pflegeheims St. Ulrika wünscht sich ein engeres Miteinander mit der Heimaufsicht: Trunk könnte sich vorstellen, dass es mehrmals im Jahr gemeinsame Begehungs- und Beratungstermine sowie Schulungen von den kontrollierenden Behörden geben könnte. Sie würde den Bericht der internen Schulungen zur Qualitätssicherung gern der Heimaufsicht vorlegen. „Wir möchten gemeinsam für einen guten Alltag der Pflegeheimbewohner sorgen. Ein runder Tisch, an dem alle Akteure mitarbeiten, wäre eine gute Einrichtung“, sagt Leiterin Trunk.

(Erschienen: 02.02.2012 11:35)

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