Nachrichten Bad Saulgau
Kohler-Weiß plädiert gegen den Anforderungswahn

Von unserer Mitarbeiterin Anita Metzler-Mikuteit
„Es soll vielmehr ein Nachdenkbuch sein“, stellt die Autorin aus Meckenbeuren gleich zu Beginn richtig und verdeutlicht, dass Erziehung durchaus auch eine ethische Aufgabe darstellt. Schmunzelnd begleiten die Besucher im Literaturcafe Colibri ihre Ausführungen über „Perfektionsträume“, bei denen sich die meisten (werdenden) Eltern irgendwann „ertappen“. Intelligent und hübsch soll das Kind sein, kreativ und immer fröhlich, aber auch selbstbewusst und charmant. „Die Möglichkeiten des Formens, wie es sie heute gibt, waren früher schlicht undenkbar“, so die Mutter von drei Kindern. Das sei zum Einen ein großer Fortschritt, andererseits entstünde aber auch ein Handlungsdruck – und zeige gleichzeitig die große Angst vor der Zukunft. Das Kind müsse schließlich „fit gemacht werden für den späteren Kampf“. „Erziehung steht längst nicht mehr im Zeichen der Lebenslust“, bedauert die Theologin. Über dieses von Vertrauen und Selbstbewusstsein getragene Gefühl „es wird schon alles gut werden“ würden viele Eltern heute nicht mehr verfügen. Ein Grund, sich immer wieder zu fragen: Wovon lasse ich mich jeden Tag bestimmen? „Kinder müssen mit Vertrauen aufwachsen und sie sollten die Erfahrung machen können, dass sich die Zukunft gemeinsam gestalten lässt“, so Christiane Kohler-Weiß und kritisiert die fortlaufende Panikmache in den Medien. „Diese ständigen Meldungen von Gewalt unter Jugendlichen ergeben ein völlig absurdes Weltbild, wo bleiben denn da die vielen positiven Beispiele?“
„Nicht jedes Problem hat mit der Erziehung zu tun“, so die Autorin und gibt den Tipp, bestimmte Dinge „einfach so stehen zu lassen und vom Idealismus runter zu kommen“. Auch die Anforderungen an die Männer – insbesondere als Alleinverdiener – seien enorm. Väter würden genau so wie ihre Partnerinnen vor der Aufgabe stehen, ihr Leben zwischen Beruf, Kindern, Partnerschaft und Selbstsorge immer wieder neu auszubalancieren. Und sie hätten dabei genau wie die Mütter mit den Männerklischees von früher zu kämpfen. Häufig sei auch zu beobachten, dass Mütter die Effektivitäts- und Leistungsanforderungen aus ihrem früheren Berufsleben auf den Hausfrauen- und Mutteralltag übertragen. „Der Anforderungswahn in den Neubaugebieten unserer Städte und Dörfer ist ein fehl geleitetes Leistungsstreben beruflich unterforderter Mütter“, so Kohler-Weiß, „das schadet ihnen selbst und auch den Kindern“.
Was sind gute Eltern? Der Beantwortung dieser Frage hat die Autorin anhand von fünfzehn Thesen ein ganzes Kapitel gewidmet. „Die wichtigste Haltung ist die, für die Kinder grundsätzlich das Gute zu erhoffen und darauf zu vertrauen, dass die Kinder ihren Weg zum Lebensglück schon finden werden“, heißt es in der Einleitung zu These eins. „Alles wird gut, weil ich mein Kind liebe, ich denke, das ist das Geheimnis“, so die Theologin, „gute Eltern bewahren ihre Kinder vor Förderstress, denn die brauchen genug Raum, in dem es nicht um Effektivität geht, sondern einfach nur darum zu schmusen, zu spielen und sich wohl zu fühlen“.
(Erschienen: 12.03.2010 11:50)

Von unserer Mitarbeiterin Anita Metzler-Mikuteit
„Es soll vielmehr ein Nachdenkbuch sein“, stellt die Autorin aus Meckenbeuren gleich zu Beginn richtig und verdeutlicht, dass Erziehung durchaus auch eine ethische Aufgabe darstellt. Schmunzelnd begleiten die Besucher im Literaturcafe Colibri ihre Ausführungen über „Perfektionsträume“, bei denen sich die meisten (werdenden) Eltern irgendwann „ertappen“. Intelligent und hübsch soll das Kind sein, kreativ und immer fröhlich, aber auch selbstbewusst und charmant. „Die Möglichkeiten des Formens, wie es sie heute gibt, waren früher schlicht undenkbar“, so die Mutter von drei Kindern. Das sei zum Einen ein großer Fortschritt, andererseits entstünde aber auch ein Handlungsdruck – und zeige gleichzeitig die große Angst vor der Zukunft. Das Kind müsse schließlich „fit gemacht werden für den späteren Kampf“. „Erziehung steht längst nicht mehr im Zeichen der Lebenslust“, bedauert die Theologin. Über dieses von Vertrauen und Selbstbewusstsein getragene Gefühl „es wird schon alles gut werden“ würden viele Eltern heute nicht mehr verfügen. Ein Grund, sich immer wieder zu fragen: Wovon lasse ich mich jeden Tag bestimmen? „Kinder müssen mit Vertrauen aufwachsen und sie sollten die Erfahrung machen können, dass sich die Zukunft gemeinsam gestalten lässt“, so Christiane Kohler-Weiß und kritisiert die fortlaufende Panikmache in den Medien. „Diese ständigen Meldungen von Gewalt unter Jugendlichen ergeben ein völlig absurdes Weltbild, wo bleiben denn da die vielen positiven Beispiele?“
„Nicht jedes Problem hat mit der Erziehung zu tun“, so die Autorin und gibt den Tipp, bestimmte Dinge „einfach so stehen zu lassen und vom Idealismus runter zu kommen“. Auch die Anforderungen an die Männer – insbesondere als Alleinverdiener – seien enorm. Väter würden genau so wie ihre Partnerinnen vor der Aufgabe stehen, ihr Leben zwischen Beruf, Kindern, Partnerschaft und Selbstsorge immer wieder neu auszubalancieren. Und sie hätten dabei genau wie die Mütter mit den Männerklischees von früher zu kämpfen. Häufig sei auch zu beobachten, dass Mütter die Effektivitäts- und Leistungsanforderungen aus ihrem früheren Berufsleben auf den Hausfrauen- und Mutteralltag übertragen. „Der Anforderungswahn in den Neubaugebieten unserer Städte und Dörfer ist ein fehl geleitetes Leistungsstreben beruflich unterforderter Mütter“, so Kohler-Weiß, „das schadet ihnen selbst und auch den Kindern“.
Was sind gute Eltern? Der Beantwortung dieser Frage hat die Autorin anhand von fünfzehn Thesen ein ganzes Kapitel gewidmet. „Die wichtigste Haltung ist die, für die Kinder grundsätzlich das Gute zu erhoffen und darauf zu vertrauen, dass die Kinder ihren Weg zum Lebensglück schon finden werden“, heißt es in der Einleitung zu These eins. „Alles wird gut, weil ich mein Kind liebe, ich denke, das ist das Geheimnis“, so die Theologin, „gute Eltern bewahren ihre Kinder vor Förderstress, denn die brauchen genug Raum, in dem es nicht um Effektivität geht, sondern einfach nur darum zu schmusen, zu spielen und sich wohl zu fühlen“.
(Erschienen: 12.03.2010 11:50)



































