Nachrichten Bad Saulgau
Der Klang und der Sinn des Lebens

Martin Schleske berichtete über seinen Werdegang: Nach Geigenbauer-Lehre und Meisterprüfung in Mittenwald hat er Physik studiert, um die Geheimnisse des Klangs kennenzulernen. Vor sechzehn Jahren machte er sich selbständig. Einer seiner ersten Kunden war Alban Beikircher, der ihm seine Montagnana-Geige anvertraute. Auch Meisterstücke von Stradivari und später von Guarneri bekam Schleske in Arbeit. „Wenn man einmal eine solche Geige in der Hand hatte...“, schwärmt der Meister. Erst nach diesen Erfahrungen begann er mit dem Bau eigener Geigen.
Die Geheimnisse des Geigenbaus verband Schleske früh mit der Suche nach dem Sinn des Lebens. „Der Weg durch die Werkstatt ist ein Weg durch die Welt des Glaubens“, schreibt Schleske im Vorwort zu seinem Buch „Der Klang – Vom unerhörten Sinn des Lebens“. Die eindrücklichste Passage des Abends war die Lesung aus dem ersten Kapitels vom „Sängerstamm“: Mit einem Geigenbauerfreund war Schleske in den Stuibenwald der Garmischer Alpen aufgestiegen, wo ein Windbruch zahlreiche Fichten umgerissen hatte. Sie waren begeistert über Wuchs, Regelmäßigkeit und Feinheit der Stämme und holten sich die Erlaubnis, im Windbruch Stämme zu schneiden. Mit nur wenig Werkzeug ausgestattet, mussten sie beim Sägen darauf achten, dass die Stämme, die unter Druck standen, sich nicht wie Mikado-Stäbe unkontrolliert in Bewegung setzten. „Die Art, wie die Stammabschnitte den Steilhang bis zu jener Spalte hinunterstürzten, erwies sich als faszinierende akustische Erfahrung“. Einer der Stämme klang bei jedem Aufprall wie ein Glockenschlag, war also ein „Sänger“, höchst geeignet für Instrumentenbau.
Wenn es darum geht, aus dem Klangholz die Wölbung herauszuarbeiten, ist es eine Meisterschaft, dem Holz gerecht zu werden. „Ich höre den Klang vor meinem inneren Ohr längst, bevor das Instrument fertig ist“, schreibt Schleske. Auch jeder Mensch habe seinen Klang. Am Ende jeden Lebens sollte man fragen: Ist es der Wahrheit Gottes gelungen, etwas von dem hervorzubringen, wozu ich berufen war? „Ich bin überzeugt: Musik ist letztlich in Klang gegossenes Gebet“, steht über Schleskes Arbeitsplatz.
Umrahmt und unterstützt wurde der Vortrag Martin Schleske durch Violinstücke, die Alban Beikircher vortrug – natürlich auf einer Schleske-Geige. Er bewies die Vielseitigkeit des Instruments: ein inniges Bach-Adagio, ein Largo von Witold Lutoslawski mit Klagen und Schreien in den höchsten Tönen oder ein wilder und leidenschaftlicher Satz aus Beethovens Kreutzer-Sonate. Locker und virtuos erklang „Theresas Tanz auf dem Roten Planeten“ von W. Hiller. Der Abend wurde von einem Geigenduo von Schleske und Beikircher abgeschlossen, in dem die innere Harmonie von Geiger und Instrument innig zum Ausdruck kam.
(Erschienen: 04.10.2011 18:15)

Martin Schleske berichtete über seinen Werdegang: Nach Geigenbauer-Lehre und Meisterprüfung in Mittenwald hat er Physik studiert, um die Geheimnisse des Klangs kennenzulernen. Vor sechzehn Jahren machte er sich selbständig. Einer seiner ersten Kunden war Alban Beikircher, der ihm seine Montagnana-Geige anvertraute. Auch Meisterstücke von Stradivari und später von Guarneri bekam Schleske in Arbeit. „Wenn man einmal eine solche Geige in der Hand hatte...“, schwärmt der Meister. Erst nach diesen Erfahrungen begann er mit dem Bau eigener Geigen.
Die Geheimnisse des Geigenbaus verband Schleske früh mit der Suche nach dem Sinn des Lebens. „Der Weg durch die Werkstatt ist ein Weg durch die Welt des Glaubens“, schreibt Schleske im Vorwort zu seinem Buch „Der Klang – Vom unerhörten Sinn des Lebens“. Die eindrücklichste Passage des Abends war die Lesung aus dem ersten Kapitels vom „Sängerstamm“: Mit einem Geigenbauerfreund war Schleske in den Stuibenwald der Garmischer Alpen aufgestiegen, wo ein Windbruch zahlreiche Fichten umgerissen hatte. Sie waren begeistert über Wuchs, Regelmäßigkeit und Feinheit der Stämme und holten sich die Erlaubnis, im Windbruch Stämme zu schneiden. Mit nur wenig Werkzeug ausgestattet, mussten sie beim Sägen darauf achten, dass die Stämme, die unter Druck standen, sich nicht wie Mikado-Stäbe unkontrolliert in Bewegung setzten. „Die Art, wie die Stammabschnitte den Steilhang bis zu jener Spalte hinunterstürzten, erwies sich als faszinierende akustische Erfahrung“. Einer der Stämme klang bei jedem Aufprall wie ein Glockenschlag, war also ein „Sänger“, höchst geeignet für Instrumentenbau.
Wenn es darum geht, aus dem Klangholz die Wölbung herauszuarbeiten, ist es eine Meisterschaft, dem Holz gerecht zu werden. „Ich höre den Klang vor meinem inneren Ohr längst, bevor das Instrument fertig ist“, schreibt Schleske. Auch jeder Mensch habe seinen Klang. Am Ende jeden Lebens sollte man fragen: Ist es der Wahrheit Gottes gelungen, etwas von dem hervorzubringen, wozu ich berufen war? „Ich bin überzeugt: Musik ist letztlich in Klang gegossenes Gebet“, steht über Schleskes Arbeitsplatz.
Umrahmt und unterstützt wurde der Vortrag Martin Schleske durch Violinstücke, die Alban Beikircher vortrug – natürlich auf einer Schleske-Geige. Er bewies die Vielseitigkeit des Instruments: ein inniges Bach-Adagio, ein Largo von Witold Lutoslawski mit Klagen und Schreien in den höchsten Tönen oder ein wilder und leidenschaftlicher Satz aus Beethovens Kreutzer-Sonate. Locker und virtuos erklang „Theresas Tanz auf dem Roten Planeten“ von W. Hiller. Der Abend wurde von einem Geigenduo von Schleske und Beikircher abgeschlossen, in dem die innere Harmonie von Geiger und Instrument innig zum Ausdruck kam.
(Erschienen: 04.10.2011 18:15)


































