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Daniel Unger: „Das motiviert ja auch“

Die Zeit der Ruhe ist für Daniel Unger am Sonntag vorbei. In Sydney steht das erste WM-Rennen des Jahres an.
Die Zeit der Ruhe ist für Daniel Unger am Sonntag vorbei. In Sydney steht das erste WM-Rennen des Jahres an.

Bad Saulgau / Sydney / sz Die Triathlon-Saison 2010 beginnt am Sonntag um sieben Uhr Ortszeit (23 Uhr, Samstagabend MESZ) in Sydney. Daniel Unger, Triathlon-Weltmeister von 2007 aus Bad Saulgau, will in diesem Jahr die Seuchensaison 2010 vergessen machen.

Von unserem Redakteur  Marc Dittmann

Seit vergangenen Oktober hat Daniel Unger in harten Trainingseinheiten die Grundlagen für diese Saison gelegt. Mit einer gehörigen Portion Wut und Ehrgeiz im Bauch. Grund: das durchwachsene Jahr 2009, in dem der inzwischen 32 Jahre alte Unger nur in vier Rennen ins Ziel kam und nur drei Ergebnisse in die Wertung brachte. Bestes Resultat war dabei ein fünfter Platz in Kitzbühel. Dazu gab es Punkte in Washington (15.) und London (16.). Bei seinem Lieblingsrennen in Hamburg kam Unger nach einem Defekt auf dem Rad auf Rang 51 und damit als Letzter ins Ziel. „In jedem anderen Rennen hätte ich aufgegeben“, sollte Unger später sagen. Zu guter Letzt erwischte ihn in Yokohama noch eine Qualle und Unger musste das Rennen nach einer allergischen Reaktion und Atemnot als Folge des Nesselgiftes aufgeben.

Nach den Trainingslagern zu Beginn der Saison auf Lanzarote, Fuerteventura und in Südafrika, durch die Unger ohne Verletzung und Krankheit kam, folgte noch ein Trainingslager mit der deutschen Nationalmannschaft auf Mallorca in San Jordi, dem Trainingszentrum der britischen Nationalmannschaft. Allerdings erlebte Unger dort eine Überraschung ganz anderer Art. Es schneite. „Als ich auf Mallorca gelandet bin und richtig dicke Schneeflocken runtergekommen sind. Das Bad hatte 13 bis 15 Grad, da mussten wir im Neoprenanzug schwimmen.“ Ansonsten stand in den Trainingslagern meist das Schwimmen und das Laufen im Vordergrund, denn: „Das ist nun mal die Entwicklung in unserem Sport, dass alle Rennen im Laufen entschieden werden. Auf dem Rad braucht man eine gute Fitness, um mithalten zu können, aber man kann dort keinen wesentlichen Vorsprung herausholen, außer es ist mal eine Gruppe vorne weg.“ „Schlag den Unger“

Der Weltmeister von 2007 legt in diesem Jahr die volle Konzentration auf den Sport. Die Auftritte als Veranstalter sollen rar werden, im Wesentlichen soll das Team „Daniel Unger Sports“ sich um die Events wie den Bad Saulgauer Stadtlauf (13. Mai, Christi Himmelfahrt) und den Säge-Triathlon kümmern. „Ich komme erst am Tag vor dem Stadtlauf aus dem Trainingslager zurück, werde in der Sponsoren-aquise mitarbeiten, aber mehr im Hintergrund.“ Nur beim Stadtlauf selbst heißt es dann mal wieder „Schlag den Unger“. Der Grund für die Zurückhaltung Ungers ist klar. Die Olympischen Spiele in London sind nicht mehr weit. Das Sportereignis in der englischen Hauptstadt soll der Karrierehöhepunkt und wohl auch der -abschluss sein. „Das ist für mich die letzte Möglichkeit. Deshalb werde ich in den kommenden beiden Jahren alles dem Sport unterordnen.“

Sydney bestreitet Unger quasi aus dem Flugzeug heraus. Er reiste erst unter der Woche und stellte sich gar nicht erst auf die Ortszeit um, sondern lebt weiter im mitteleuropäischen Zeitrhythmus. „Das heißt, ich bin nachts wach und schlafe tagsüber. Das geht, weil das Rennen um sieben Uhr morgens Ortszeit beginnt, für mich also – nach deutscher Zeit – abends über die Bühne geht“, sagt er.

Auch vom Saisonverlauf nach Sydney hat Unger schon eine konkrete Vorstellung. Er wird das zweite Rennen in Seoul auslassen, um sich auf die folgenden Termine in Europa zu konzentrieren. Dazu bestreitet der Familienvater wahrscheinlich einige Unterdistanzrennen und Grand-Prix‘ wie Paderborn oder Gladbeck. In der ITU-Serie hat er vor, ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitzureden. Ziel ist in der Gesamtwertung ein Platz auf dem Podium – mindestens jedoch ein Platz unter den besten Zehn. „Wenn man sieht, dass die Deutschen im vergangenen Jahr die Ränge drei bis fünf belegt haben, dann ist das realistisch. Wir haben in Deutschland eine starke Konkurrenz“, sagt Unger. Doch nicht nur in Deutschland ist die Konkurrenz (Olympiasieder Jan Frodeno, der WM-Dritte 2009 Maik Petzold, Steffen Justus) groß, auch international wird’s eng. An der Spitze zu nennen sind der Weltmeister 2009, Allister Brownlee, der fünf von acht Rennen gewann und der Spanier Javier Gomez.

Unger peilt Hamburg an

Höhepunkt für Unger ist natürlich der Heimwettkampf in Hamburg. Dort würde er am liebsten seine Triumphe von 2007 und 2008 wiederholen. Denn natürlich würde er die Saison 2009 gerne vergessen machen – und darob spürt er auch einen gewissen Druck. „Das geht im Kleinen los und im Großen weiter. Jetzt habe ich eine Familie, den Laden und das alles. Aber das motiviert ja auch. Und neben dem Druck gibt die wirtschaftliche Seite auch Sicherheit“, sagt Unger, dessen Verträge bis 2012 laufen, er den Sport also aus einer gesicherten Position heraus betreiben kann. Diese Sicherheit verleiht Unger Selbstvertrauen.

Das hat auch schon der eine oder andere Trainingsgefährte gespürt. So sagt Rolf Weggenmann, Ungers Mann des Vertrauens in Sachen Rad und Ab-und-zu-Laufgefährte: „Daniel sieht sehr gut aus. An dem muss die Konkurrenz erstmal vorbei.“

(Erschienen: 08.04.2010 18:35)

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