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Zusammen sein und Freiraum haben

Gastfamilien nehmen psychisch kranke Menschen auf – Der Rabenhof unterstützt sie bei der Betreuung und gibt Tipps
Am Küchentisch sitzen die drei gern zusammen. Hier treffen sie sich und reden über den Tag. Vitus (links) und Karin Hahn leben gern mit ihrem Gast Klaus Wagner zusammen.
Am Küchentisch sitzen die drei gern zusammen. Hier treffen sie sich und reden über den Tag. Vitus (links) und Karin Hahn leben gern mit ihrem Gast Klaus Wagner zusammen. (Foto: Josephine Lütke)

Von Josephine Lütke

Ellwangen „Herr Wagner ist wie ein Lottogewinn“, sagt Karin Hahn. Sie und ihr Mann Vitus haben den psychisch erkrankten Klaus Wagner in ihre Familie aufgenommen. Er wohnt und lebt mit ihnen seit vier Jahren in Jagstzell. „Wir haben gleich gemerkt, dass wir zusammenpassen“, sagt Karin Hahn. Ob es schon einmal Schwierigkeiten gegeben hat? Klaus Wagner und Karin Hahn gucken sich an, schütteln mit dem Kopf und fangen an zu lachen.

Klaus Wagner ist einer von zwölf psychisch erkrankten Menschen, der momentan mit der Unterstützung des Rabenhofs in einer Gastfamilie lebt. Das betreute Wohnen in Familien, angeboten vom Regionalen Wohnverbund Ellwangen, gibt es seit 20 Jahren. Über 40 Menschen konnten schon in Familien integriert werden. „Man will leben und nicht ständig in pädagogischer Betreuung sein“, erklärt Thomas Knies, Leiter Wohnen vom Rabenhof. In den Familien haben die Menschen die Möglichkeit, an einem normalen Alltag außerhalb eines Heims teilzunehmen. Die „Laienfamilien“ sind „Leute wie du und ich“, sagt Sozialpädagoge Martin Waldmann. Sie werden von Sozialpädagogen unterstützt, die regelmäßig Hausbesuche machen und Ansprechpartner bei Problemen sind.

Es ist nicht immer einfach, eine Familie und einen erkrankten Menschen zusammenzubringen. Die Wünsche beider Seiten müssen beachtet und Kompromisse eingegangen werden. Manchmal wird eine Betreuung abgebrochen. Meist, weil sich die Umstände verändern, sagt Waldmann. Nachwuchs in der Familie, eine Trennung, andere Interessen, ein Rückfall in die Alkoholsucht der Suchterkrankten: Dinge, die im Leben passieren, können dazu führen, dass Familie und Gast nicht mehr zueinander passen. Die meisten Gäste leben jedoch viele Jahre in der Familie. Klaus Wagner ist sehr glücklich bei dem Rentnerehepaar. „Da ist man mehr freier Mensch“, sagt er. In seiner Freizeit sei er gern mit der Familie zusammen. Tagsüber arbeitet er in einer Werkstatt im Rabenhof und ab und zu macht er Ausflüge mit dem Zug. Am Anfang sei er sehr zurückhaltend gewesen, habe nur mit „Ja“ und „Nein“ geantwortet. Nach 14 Jahren in einer anderen Familie habe er sich nach einigen Monaten eingewöhnt und sei offener geworden. Jetzt gehöre er dazu. „Wir sind zusammen und jeder hat seinen Freiraum“, sagt Karin Hahn. Sie und ihr Mann haben 25 Jahre Pflegekinder gehabt. „Wir haben ein großes Haus, nur zu zweit würde etwas fehlen.“, so Hahn. Und weil es so gut klappt, wird Familie Hahn bald einen weiteren Gast bei sich aufnehmen.

(Erschienen: 08.02.2012 20:25)

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