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Kelten hatten keine Angst vor dem Tod

Pfarrer Michael Rau eröffnet in Bopfingen das Keltenjahr mit einem Vortrag zur Religion
Kelten hatten keine Angst vor dem Tod
Kelten hatten keine Angst vor dem Tod

Von Bernhard Hampp

Bopfingen Rund um den Ipf haben zur Keltenzeit Tausende Menschen gelebt. Das belegen Fundstätten wie das 2004 ausgegrabene Heiligtum im Bugfeld bei Osterholz. Wie aber lebten die Kelten, woran glaubten sie? „Die deutschen Archäologen halten sich mit Aussagen über Menschen zurück“, krisisierte Bopfingens Pfarrer Michael Rau, der zur Eröffnung des Keltenjahres den Vortrag „Die Religion der Kelten“ hielt. Die Kelten haben selbst keine schriftlichen Zeugnisse über Glauben und Rituale hinterlassen. „Ich glaube, dass man trotzdem mehr sagen kann, wenn man sich nicht auf die Methoden der Archäologie beschränkt“, sagte der Pfarrer, der sich seit Jahren mit den Kelten und ihrer Zeit beschäftigt.

Erkenntnisse liefere laut Rau etwa die Keltologie, die sich mit der Kultur der Kelten befasst. Deren Erkenntnisse würden von der Archäologie systematisch ignoriert. Auch die Disziplin der Religionssoziologie und die Methode der Systemtheorie, die die Funktionsweise gesellschaftlicher Systeme und ihre Abgrenzung zur Umwelt untersucht, könnten helfen, einen „Masterplan zum Zugang zur keltischen Religion“ zu entwerfen.

Religionen ermöglichten den Menschen die Abgrenzung zwischen Diesseits und Jenseits. Gleichzeitig erlaubten sie ihnen, mit Hilfe von heiligen, vertrauten Dingen einen Zugang zum sonst unzugänglichen Jenseits zu finden. „Jede religiöse Vorstellung entspricht der Gesellschaftsordnung, der sie entspringt.“ Deshalb sei es nicht zweckmäßig, bei den Kelten von einer Götterwelt wie bei den Römern auszugehen: Die Römer hätten einen Beamtenstaat und dementsprechend Götter mit jeweils eingegrenzten Ämtern und Aufgaben besessen.

Wie sich religiöser Kult bei den Kelten abgespielt haben könnte, zeigte der Referent anhand von Funden aus Nordfrankreich, Niederösterreich und Süddeutschland auf: Stets wurden nacheinander Tiere geschlachtet, Speisen zubereitet, Knochen- und Trankopfer gebracht und ein Gemeinschaftsmahl gehalten. „Die Gesellschaft der Kelten war offenbar durch Beziehungen strukturiert, wer großzügig war, der hatte sozial hohen Stellenwert“, so Rau. Opfergaben wären dementsprechend keine Gegenleistung für Mildtätigkeit der Götter, sondern sie sollten das Beziehungsgefüge mit den Göttern wieder ins Lot bringen.

Ein weiteres Wesensmerkmal der keltischen Religion, das sich aus Funden ablesen lasse: Die Wertschätzung des Jenseits, der spielerische Umgang mit dem Tod. „Die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits war durchlässig, Tote konnten im Jenseits Macht und Einfluss gewinnen und von dort aus etwas für die Lebenden tun.“ Unter diesem Aspekt betrachtete Rau auch blutrünstig erscheinende Praktiken: Wenn die Kelten die abgeschlagenen Köpfe ihrer Feinde an den Häusern aufhängten, so bewachten diese vom Jenseits aus das Haus. Ein Menschenopfer bringen hieß: einen Boten ins Jenseits schicken.

(Erschienen: 06.02.2012 15:45)

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