Stadtnachrichten Aalen
Wirbelnde Hexenjagd durch die Walpurgisnacht
Dem Prinzip der Steigerung entsprechend führte der „Gesang der Parzen“ von Brahms in den Konzertabend ein. „Es fürchte die Götter das Menschengeschlecht“ sangen die Männer düster und schicksalsschwer, beschwörend gefolgt von den Frauen. Die ganze Dramatik der die Menschengeschicke lenkenden Göttinnen der römischen Antike breitete sich in diesem sechsstimmigen Werk für Chor und Orchester aus.
Die klangliche Entfaltung von zurückhaltendem Piano über anschwellender Dynamik bis zu strahlendem Forte steuerte Walter Johannes Beck in souveränem Dirigat, das anfeuerndes Tempo impulsiver Körpersprache nicht vermissen ließ. Sehr homogen wirkte der Chor, nur die Artikulation hätte streckenweise etwas deutlicher sein können.
Der große Klangkörper des aus regionalen Musikern bestehenden „Ensemble variable“ erwies sich als sensibler und ausgewogener Begleiter, obwohl es nur eine gemeinsame Probe mit den Chören gab. Aus dem Vollen schöpfen konnten die Musiker dann bei Mendelssohns „Hebriden“, ein stimmungsvolles Werk, das die landschaftlichen Reize Schottlands bildhaft vermittelte.
Unter Leitung von Thomas Baur stachen die tänzerischen Motive faszinierend heraus und traten in Kontrast mit dem lyrischen Effekt der Solo-Klarinette, aber auch mit der Wucht der Wasserfälle und dem Windesgebraus aus aufgetürmten Wolken – ein farbenprächtiges Stück abwechslungsreicher Programmmusik.
Packende Naturerfahrung, aber auch geschichtliche Ereignisse aus der frühen Christianisierung Germaniens prägten das Hauptwerk des Abends, die „Erste Walpurgisnacht“, die Mendelssohn-Bartholdy 1833 nach Goethes Ballade vertont hatte. Aufwühlenden Winterstürmen folgte zartes Frühlingsgesäusel, aus dem heraus die kräftige Tenorstimme von Andreas Weller anhub, den „von Eis und Reifgehänge befreiten Mai“ zu loben. Stark in der Mittellage und nicht angestrengt in den Höhen verschaffte er sich seine Position im Solisten-Trio.
Erfüllt von Mitgefühl und Wärme stimmte Ines Schumacher das Klagelied der Verfolgten an. Wunderbar weich und doch ausdrucksstark gestaltete die Aalener Solistin ihren Part. Ebenfalls aus Aalen kommt der Bariton Andreas Beinhauer, der mit seinem großen Stimmvolumen glänzte, das sich bis in Tenorlagen hinauf als intonationssicher erwies.
Die scharfen Staccato-Töne in wahnsinnigem Tempo und schwierigem rhythmischen Gefüge meisterte der Chor in bewundernswerter Präzision. Thomas Baur vermochte das Schiff wacker auf Kurs zu halten und die sekundenschnellen Übergänge zwischen Chor und Orchester problemlos zu bewältigen. Insgesamt eine tolle Leistung der erstmals miteinander singenden Chöre. Den beiden Dirigenten wurde nach starkem Beifall jeweils ein Hexenbesen überreicht. Die Aufführung wurde am Sonntag im Gmünder Congress Centrum Stadtgarten wiederholt.
(Erschienen: 13.06.2010 13:00)
Dem Prinzip der Steigerung entsprechend führte der „Gesang der Parzen“ von Brahms in den Konzertabend ein. „Es fürchte die Götter das Menschengeschlecht“ sangen die Männer düster und schicksalsschwer, beschwörend gefolgt von den Frauen. Die ganze Dramatik der die Menschengeschicke lenkenden Göttinnen der römischen Antike breitete sich in diesem sechsstimmigen Werk für Chor und Orchester aus.
Die klangliche Entfaltung von zurückhaltendem Piano über anschwellender Dynamik bis zu strahlendem Forte steuerte Walter Johannes Beck in souveränem Dirigat, das anfeuerndes Tempo impulsiver Körpersprache nicht vermissen ließ. Sehr homogen wirkte der Chor, nur die Artikulation hätte streckenweise etwas deutlicher sein können.
Der große Klangkörper des aus regionalen Musikern bestehenden „Ensemble variable“ erwies sich als sensibler und ausgewogener Begleiter, obwohl es nur eine gemeinsame Probe mit den Chören gab. Aus dem Vollen schöpfen konnten die Musiker dann bei Mendelssohns „Hebriden“, ein stimmungsvolles Werk, das die landschaftlichen Reize Schottlands bildhaft vermittelte.
Unter Leitung von Thomas Baur stachen die tänzerischen Motive faszinierend heraus und traten in Kontrast mit dem lyrischen Effekt der Solo-Klarinette, aber auch mit der Wucht der Wasserfälle und dem Windesgebraus aus aufgetürmten Wolken – ein farbenprächtiges Stück abwechslungsreicher Programmmusik.
Packende Naturerfahrung, aber auch geschichtliche Ereignisse aus der frühen Christianisierung Germaniens prägten das Hauptwerk des Abends, die „Erste Walpurgisnacht“, die Mendelssohn-Bartholdy 1833 nach Goethes Ballade vertont hatte. Aufwühlenden Winterstürmen folgte zartes Frühlingsgesäusel, aus dem heraus die kräftige Tenorstimme von Andreas Weller anhub, den „von Eis und Reifgehänge befreiten Mai“ zu loben. Stark in der Mittellage und nicht angestrengt in den Höhen verschaffte er sich seine Position im Solisten-Trio.
Erfüllt von Mitgefühl und Wärme stimmte Ines Schumacher das Klagelied der Verfolgten an. Wunderbar weich und doch ausdrucksstark gestaltete die Aalener Solistin ihren Part. Ebenfalls aus Aalen kommt der Bariton Andreas Beinhauer, der mit seinem großen Stimmvolumen glänzte, das sich bis in Tenorlagen hinauf als intonationssicher erwies.
Die scharfen Staccato-Töne in wahnsinnigem Tempo und schwierigem rhythmischen Gefüge meisterte der Chor in bewundernswerter Präzision. Thomas Baur vermochte das Schiff wacker auf Kurs zu halten und die sekundenschnellen Übergänge zwischen Chor und Orchester problemlos zu bewältigen. Insgesamt eine tolle Leistung der erstmals miteinander singenden Chöre. Den beiden Dirigenten wurde nach starkem Beifall jeweils ein Hexenbesen überreicht. Die Aufführung wurde am Sonntag im Gmünder Congress Centrum Stadtgarten wiederholt.
(Erschienen: 13.06.2010 13:00)
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