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Stadtnachrichten Aalen

Auf der Spur des antiken Verbrechens

Limesmuseum zeigt die Sonderausstellung „Gefährliches Pflaster – Kriminalität im Römischen Reich“
Auf der Spur des antiken Verbrechens
Auf der Spur des antiken Verbrechens

Von Markus Lehmann

Aalen Vor Mord und Totschlag, Dieben und Falschmünzern war man auch im Römischen Reich nicht sicher. Alarmanlagen waren auch noch nicht erfunden. Dafür sollten grimmig dreinschauende Löwenköpfe oder das Schlangenhaupt der Medusa an der Tür Einbrecher abschrecken. Und wenn die Justiz versagte, griff der antike Mensch gern zum Fluch, um den Verbrecher zu strafen und um selbst für Gerechtigkeit zu sorgen: „Gefährliches Pflaster – Kriminalität im Römischen Reich“ heißt die Sonderausstellung im Limesmuseum Aalen, die momentan aufgebaut wird und ab 2. März bis 30. September zu sehen sein wird. Es gibt in dieser Zeit Führungen und Mitmachangebote für Schulen und Gruppen, die viel Spannung und ungewöhnliche Stunden im Museum versprechen.

„Die Ausstellung zeigt erstmals anhand einer Vielzahl von Exponaten, von Einbruchswerkzeugen bis zu auf Papyrus erhaltenen Gerichtsurteilen das breite Spektrum der damaligen Straftaten“, erklärt Martin Kemkes von der Außenstelle Raststatt des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Die Kooperation mit einigen der bedeutendsten römischen Museen in Deutschland, der Schweiz und Österreich ermögliche eine „besonders hochwertige Sonderausstellung“, so Kemkes.

Und die wird ergänzt durch Projektangebote, wie Museumsleiter Ulrich Sauerborn aufzeigte: Man kann selbst zum Falschmünzer werden, das schlangenbewehrte Haupt der Medusa nachgießen, „Fluchtäfelchen“ herstellen oder geheime Botschaften auf Papyrus schreiben. Auch in die Feriennachmittage, das Ferienprogramm und die Römertage wird die Ausstellung integriert. Das heutige europäische Rechtssystem beruht in weiten Teilen auf dem römischen Recht. Die Strafen für die Verbrecher fielen allerdings, wenn sie denn erwischt wurden, anders und häufig endgültig aus: Mörder, die römische Bürger waren, kamen in den „Vorzug“ durch die Enthauptung mit dem Schwert. Gerne ließ man Überführte auch von wilden Tieren zerreißen. Nicht selten zur Unterhaltung der schaulustigen Massen. Raub, Mord, Steuerhinterziehung – das gab es damals wie heute, zeigt die Ausstellung. Enorm groß war offenbar die Angst vor Einbrechern und Dieben. Die Häuser waren von der Straßenseite her abgeschottet, zu ihr hin waren die wenigen kleinen Fenster oft vergittert. Furchterregende Türklopfer oder das schlangenumrankte Haupt der Medusa sollten Einbrecher abschrecken, ausgeklügelte Schloss- und Schlüsselsysteme sie abhalten. Wer trotzdem Opfer eines Einbruchs oder eines anderen Verbrechens wurde, griff auch zu okkulter Hilfe: Nicht selten in Form von Bleitafeln, in die Flüche gegen die Übeltäter geritzt wurden. Einige der antiken Exponate unterscheiden sich dagegen kaum von der aktuellen Strafverfolgung: Die Handschellen sehen fast so aus wie die heutigen.

(Erschienen: 22.02.2012 20:00)

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