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„Salut Salon“ vereint Gegensätzliches

„Salut Salon“ bewies beim Konzert in der Aalener Stadthalle, dass klassische Musik nicht nur gegensätzlich interpretiert, sondern ebenso gespielt werden kann.
„Salut Salon“ bewies beim Konzert in der Aalener Stadthalle, dass klassische Musik nicht nur gegensätzlich interpretiert, sondern ebenso gespielt werden kann. (Foto: Herbert Kullmann)

Von Herbert Kullmann

Aalen Das Quartett nennt es selbst charmante Verführung. Gemeint ist eine verblüffende Art neue und alte Musik zu präsentieren. Die vier Damen von „Salut Salon“ arrangieren da Fallas „Danse espagnole No 1“ und de Sarasates „Introduction und Tarantella“ ebenso humorvoll wie „Die wilden Blumen, die am Wegrand steh´n“ - ein chinesischer Popsong. Respektlosigkeit zieht sich unterhaltsam durch die Choreographie, die sich den Haifisch als verbindendes Motiv auserkoren hat.

Dass dieser wahrlich Zähne hat, wer wüsste es nicht besser als Kurt Weill in seiner „Dreigroschenoper“. Aus einem Klaviergewitter schält sich – für die nachfolgenden Kompositionen beispielhaft – der Meckie-Messer-Song aus der Filmmusik vom „Weißen Hai“ und von Doldingers „Boot“ heraus. Ein Ausbund sorgsam geplanter „Spontaneität und Improvisation“ folgt. Insbesondere die Leichtigkeit des Seins macht Musikerinnen wie Zuhörern offenkundig Freude. Wenn die „Forelle“ dem „Ballett der Kücklein in ihren Eierschalen“ begegnet, darf vor lauter Schubert und Mussorgsky gelacht und gekichert werden, obwohl kurz zuvor Piazzollas „Escualo“ andächtige Stille hervorrief.

„Salut Salon“ vereint Gegensätzliches. Da steht das „Cellokonzert in e-Moll“ von Elgar gleichberechtigt neben einem verballhornten „Bruder Jakob“, da geht es vergnüglich auf eine Reise ins Reich der Mitte, an der gleich sechs abendländische Komponisten teilnehmen, denen unverhohlen indische und chinesische Weisen untergeschoben werden. So hat sicherlich noch niemand „An der schönen blauen Donau“, den „Türkischen Marsch“ beziehungsweise den „Schwanensee“ gespielt.

Mit Verve zeigen Angelika Bachmann und Iris Siegfried (beide Violine), die Cellistin Sonja Lena Schmid und Pianistin Jennifer Rüth, welch komödiantisches Potenzial in „ernster“ Musik steckt – zumindest, wenn sie mit Esprit arrangiert, virtuos wie unbeschwert gespielt wird. Nahezu 50 Kompositionen erklingen mehr oder weniger vollständig, aber immer subtil wie launig, wobei Trommeln mit Highheels, Zwitschern mit Stimmblatt, Cello und Geigen das gleiche Vergnügen bereiten wie das genießerische Kratzen und Knarren auf dem Korpus der Violine mittels Bogenhaare. Da muss sich kein Klassikfan mit Schaudern abwenden, denn „Salut Salon“ beweist vergnügliche Eloquenz im Umgang mit Traditionellem.

(Erschienen: 24.11.2011 21:00)

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