Weingarten Nachrichten
Vandalen zerstören Künstlergarten im Stadtgarten
Von unserer Redakteurin Daniela Transiskus
Von der Hütte ist nichts mehr übrig. Die 17 Europaletten, aus denen Künstler Wilm Weppelmann seine „Hütte, in der der Hunger wächst“ errichtet hatte, liegen wild durcheinander vor dem Maisfeld und den Steckrüben, die der Münsteraner Mitte Mai gepflanzt hatte. Mit seiner Installation hatte der 53-Jährige auf den weltweiten Verteilungskampf und das Gefälle zwischen Arm und Reich hinweisen wollen. Jetzt beweisen die Überreste seines Werks vor allem, dass Weingarten offenbar noch nicht reif ist für Kunst im öffentlichen Raum.
„Tja, so ist das im Leben, es ist ein Risiko gewesen“, sagt Weppelmann, als die SZ ihn anruft. Natürlich sei er traurig. „Aber andererseits ist es auch schön, dass sich so viele Menschen mit dem Werk auseinandersetzen, dass sie Anteil an der zerstörten Hütte nehmen und dass sich so viele um die Pflanzen kümmern und sie bei der Hitze gießen.“ Überhaupt freue er sich, dass es dem Mais und den Steckrüben gut gehe. Aus den Früchten will er zur Finissage der Ausstellung am 19. September eine „Hungersuppe“ kochen und damit den Menschen zeigen, für wie selbstverständlich sie vieles nehmen. Gerade Steckrüben seien in Zeiten des Mangels häufig das Einzige gewesen, was die Menschen zu sich genommen hätten. Und Hunger sei an zahlreichen Orten der Welt nach wie vor existent.
„Irgendwie“, sagt er, „habe ich damit gerechnet, dass so etwas passieren würde. Ich glaube, viele Jugendliche stehen unter großem Druck und brauchen ein Ventil. Wenn dann etwas aus dem Normalen herausragt, dann versucht man eben dort, seine Energie loszuwerden.“
Ilonka Czerny, Referentin für Kunst an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die die Ausstellung initiierte, wirkt geschockter von dem erneuten Gewaltausbruch als der Künstler selbst. „Da blutet einem ja das Herz. Ich weiß, dass sich Herr Weppelmann sehr viel Mühe beim Aufbau gegeben hat. Nie hätte ich im Vorfeld damit gerechnet, dass so viel passiert, auch wenn man Kunst im öffentlichen Raum nicht festbinden oder rund um die Uhr bewachen bewachen kann.“
Wie berichtet waren bisher eine aus Holz geschnitzte Karotte von Künstler Ralf Klement am Münsterplatz zerstört und schon vor der Vernissage Ottmar Hörls 80 schwarz-rot-gelbe Gartenzwerge gestohlen worden. 13 davon sind inzwischen wieder aufgetaucht. In Vorgärten, an einer Tankstelle – und zwei der kleinen Gesellen brachte eine Dame zurück, die dachte, die Zwerge seien zum Mitnehmen gedacht. „Keine Ahnung, wie man darauf kommen kann. Die Zwerge waren festgeklebt“, sagt Czerny. Wie bei den Gartenzwergen und der Karotte will sie auch im aktuellen Fall Anzeige erstatten.
Auch die Stadt Weingarten reagierte betroffen. Kunst im öffentlichen Raum sei spätestens seit der Neugestaltung des Stadtgartens zu einem Markenzeichen Weingartens geworden. „Auch die aktuelle Ausstellung der Akademie belebt unsere Stadt und trägt dazu bei, dass sich Bürgerinnen und Bürger – ob kunstinteressiert oder nicht –intensiv mit Moderner Kunst auf öffentlichen Plätzen auseinandersetzen. Dieser Dialog ist wertvoll für das gesellschaftliche Miteinander. Gewalt – ob gegen Menschen oder Sachen – dagegen überhaupt nicht“, so der städtische Pressesprecher Rainer Beck. Er hoffe, Ausstellungsmacher und Künstler ließen sich nicht entmutigen, weiterhin Kunst im öffentlichen Raum in Weingarten zu präsentieren.
Zwei Monate müssen die Installationen – oder deren Überreste – jetzt noch „überleben“, erst am 19. September ist die Ausstellung zu Ende.
(Erschienen: 22.07.2010 16:40)
Von unserer Redakteurin Daniela Transiskus
Von der Hütte ist nichts mehr übrig. Die 17 Europaletten, aus denen Künstler Wilm Weppelmann seine „Hütte, in der der Hunger wächst“ errichtet hatte, liegen wild durcheinander vor dem Maisfeld und den Steckrüben, die der Münsteraner Mitte Mai gepflanzt hatte. Mit seiner Installation hatte der 53-Jährige auf den weltweiten Verteilungskampf und das Gefälle zwischen Arm und Reich hinweisen wollen. Jetzt beweisen die Überreste seines Werks vor allem, dass Weingarten offenbar noch nicht reif ist für Kunst im öffentlichen Raum.
„Tja, so ist das im Leben, es ist ein Risiko gewesen“, sagt Weppelmann, als die SZ ihn anruft. Natürlich sei er traurig. „Aber andererseits ist es auch schön, dass sich so viele Menschen mit dem Werk auseinandersetzen, dass sie Anteil an der zerstörten Hütte nehmen und dass sich so viele um die Pflanzen kümmern und sie bei der Hitze gießen.“ Überhaupt freue er sich, dass es dem Mais und den Steckrüben gut gehe. Aus den Früchten will er zur Finissage der Ausstellung am 19. September eine „Hungersuppe“ kochen und damit den Menschen zeigen, für wie selbstverständlich sie vieles nehmen. Gerade Steckrüben seien in Zeiten des Mangels häufig das Einzige gewesen, was die Menschen zu sich genommen hätten. Und Hunger sei an zahlreichen Orten der Welt nach wie vor existent.
„Irgendwie“, sagt er, „habe ich damit gerechnet, dass so etwas passieren würde. Ich glaube, viele Jugendliche stehen unter großem Druck und brauchen ein Ventil. Wenn dann etwas aus dem Normalen herausragt, dann versucht man eben dort, seine Energie loszuwerden.“
Ilonka Czerny, Referentin für Kunst an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die die Ausstellung initiierte, wirkt geschockter von dem erneuten Gewaltausbruch als der Künstler selbst. „Da blutet einem ja das Herz. Ich weiß, dass sich Herr Weppelmann sehr viel Mühe beim Aufbau gegeben hat. Nie hätte ich im Vorfeld damit gerechnet, dass so viel passiert, auch wenn man Kunst im öffentlichen Raum nicht festbinden oder rund um die Uhr bewachen bewachen kann.“
Wie berichtet waren bisher eine aus Holz geschnitzte Karotte von Künstler Ralf Klement am Münsterplatz zerstört und schon vor der Vernissage Ottmar Hörls 80 schwarz-rot-gelbe Gartenzwerge gestohlen worden. 13 davon sind inzwischen wieder aufgetaucht. In Vorgärten, an einer Tankstelle – und zwei der kleinen Gesellen brachte eine Dame zurück, die dachte, die Zwerge seien zum Mitnehmen gedacht. „Keine Ahnung, wie man darauf kommen kann. Die Zwerge waren festgeklebt“, sagt Czerny. Wie bei den Gartenzwergen und der Karotte will sie auch im aktuellen Fall Anzeige erstatten.
Auch die Stadt Weingarten reagierte betroffen. Kunst im öffentlichen Raum sei spätestens seit der Neugestaltung des Stadtgartens zu einem Markenzeichen Weingartens geworden. „Auch die aktuelle Ausstellung der Akademie belebt unsere Stadt und trägt dazu bei, dass sich Bürgerinnen und Bürger – ob kunstinteressiert oder nicht –intensiv mit Moderner Kunst auf öffentlichen Plätzen auseinandersetzen. Dieser Dialog ist wertvoll für das gesellschaftliche Miteinander. Gewalt – ob gegen Menschen oder Sachen – dagegen überhaupt nicht“, so der städtische Pressesprecher Rainer Beck. Er hoffe, Ausstellungsmacher und Künstler ließen sich nicht entmutigen, weiterhin Kunst im öffentlichen Raum in Weingarten zu präsentieren.
Zwei Monate müssen die Installationen – oder deren Überreste – jetzt noch „überleben“, erst am 19. September ist die Ausstellung zu Ende.
(Erschienen: 22.07.2010 16:40)

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