Weingarten Nachrichten
Stolperstein soll an KZ-Opfer aus Weingarten erinnern

Ratskandidat der SPD
Brunner wurde 1884 in Bad Waldsee/Steinlach geboren. 1912 zog der gelernte Dreher nach Weingarten, dort wurde ein Jahr später auch seinde zweite Tochter geboren, Elisabetha. Nach dem Ersten Weltkrieg kandidierte er bei den Gemeinderatswahlen für die SPD, die ihm anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Ortsgruppe vor fünf Jahren gedachte.
Brunner galt als kräftiger und starker Mann, der später sein Geld als Hausierhändler im Oberland verdiente. Mit dem Fahr- oder Motorrad klapperte er die Dörfer ab, bot den Landleuten Arbeitskleidung, Socken und anderes an, das er vom Textilhaus Wallemann in der heutigen Wilhelmstraße bezog, in der er auch wohnte. 1936 zog er in die Bergstraße, zu dieser Zeit müssen seine Schwierigkeiten begonnen haben.
1937 wurde sein Pass gesperrte, später zwar amnestiert war er seither politisch vorbestraft. 1943 dann die erneute Verhaftung, im Café Haymeier in der Sägerstraße 1. Dort traf sich Brunner regelmäßig zum Kartenspielen mit dem KPD-Mitglied Sepp Brei aus Baienfurt und dem Hemdenfabrikant Grabherr. Alle drei kamen hinter Gitter, auch der Wirt, die offizielle Begründung lautete „Schwarzhören“ von Feindessendern.
Der Gastwirt kam wieder frei, die drei Kartenspieler ins Konzentrationslager Welzheim, berüchtigt wegen seines brutalen Kommandanten. Später wurde das Trio in das KZ Dachau umgesiedelt, wo sich vor allem Brei und Brunner immer wieder trafen. „Brunner war immerhin schon 60 Jahre alt und den Strapazen wohl nicht mehr recht gewachsen. Er meldete sich verschiedentlich krank“, schreibt Werner Heinz. „Brei sagte ihm eindringlich, er solle, wenn möglich, nicht im Lager bleiben, weil die Kranken in Dachau am meisten gefährdet waren.“
Im Krankenlager holte ihn schließlich die SS ab und deportierte ihn ins österreichische KZ Mauthausen, „ein ausgesprochenes Vernichtungslager, ähnlich Auschwitz und Treblinka“. Mehr als 200 000 Häftlinge waren dort von 1938 bis 1945, etwa die Hälft wurde umgebracht. Joachim Brunner starb in Mauthausen am 12. März 1945.
Uwe Hertrampf, Lehrer am Gymnasium Weingarten, ist durch die Aufzeichnungen von Werner Heinz, der auch am Gymnasium lehrt, auf das Schicksal Brunners aufmerksam geworden und hat zusammen mit Schülern die „Aktion Stolpersteine in Weingarten“ ins Leben gerufen.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das an Menschen erinnert, die unter den Nazis deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Die Betonsteine haben auf der Oberseite eine individuell beschriftete Messingplatte, die dem Opfer gedenkt. Mehr als 30 000 Steine hat Deuringer im In- und Ausland verlegt, 20 davon in Ravensburg. „Es wäre schön, wenn für Brunner in Weingarten ein Stein verlegt wird“, sagt Initiator Hertrampf. Die Aktion steht allerdings noch am Anfang.
Breites Bündnis geplant
„Wir wollen versuchen, Nachkommen von Joachim Brunner im Raum Markdorf/Friedrichshafen ausfindig zu machen, um weitere Informationen zu erhalten“, sagt Uwe Hertrampf, auch Recherchen im Kreisarchiv und im Staatsarchiv Sigmaringen stehen noch aus. Überdies braucht es eine Genehmigung der Stadt Weingarten.
„Für diese Aktion wollen wir möglichst viele Menschen ins Boot holen“, betont Hertrampf, der sich auf die Mithilfe seiner Schüler verlassen kann, eine Mutter will sich auch engagieren.
Damit das einzig bekannte KZ-Opfer aus Weingarten nicht in Vergessenheit gerät.
(Erschienen: 09.02.2012 18:50)

Ratskandidat der SPD
Brunner wurde 1884 in Bad Waldsee/Steinlach geboren. 1912 zog der gelernte Dreher nach Weingarten, dort wurde ein Jahr später auch seinde zweite Tochter geboren, Elisabetha. Nach dem Ersten Weltkrieg kandidierte er bei den Gemeinderatswahlen für die SPD, die ihm anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Ortsgruppe vor fünf Jahren gedachte.
Brunner galt als kräftiger und starker Mann, der später sein Geld als Hausierhändler im Oberland verdiente. Mit dem Fahr- oder Motorrad klapperte er die Dörfer ab, bot den Landleuten Arbeitskleidung, Socken und anderes an, das er vom Textilhaus Wallemann in der heutigen Wilhelmstraße bezog, in der er auch wohnte. 1936 zog er in die Bergstraße, zu dieser Zeit müssen seine Schwierigkeiten begonnen haben.
1937 wurde sein Pass gesperrte, später zwar amnestiert war er seither politisch vorbestraft. 1943 dann die erneute Verhaftung, im Café Haymeier in der Sägerstraße 1. Dort traf sich Brunner regelmäßig zum Kartenspielen mit dem KPD-Mitglied Sepp Brei aus Baienfurt und dem Hemdenfabrikant Grabherr. Alle drei kamen hinter Gitter, auch der Wirt, die offizielle Begründung lautete „Schwarzhören“ von Feindessendern.
Der Gastwirt kam wieder frei, die drei Kartenspieler ins Konzentrationslager Welzheim, berüchtigt wegen seines brutalen Kommandanten. Später wurde das Trio in das KZ Dachau umgesiedelt, wo sich vor allem Brei und Brunner immer wieder trafen. „Brunner war immerhin schon 60 Jahre alt und den Strapazen wohl nicht mehr recht gewachsen. Er meldete sich verschiedentlich krank“, schreibt Werner Heinz. „Brei sagte ihm eindringlich, er solle, wenn möglich, nicht im Lager bleiben, weil die Kranken in Dachau am meisten gefährdet waren.“
Im Krankenlager holte ihn schließlich die SS ab und deportierte ihn ins österreichische KZ Mauthausen, „ein ausgesprochenes Vernichtungslager, ähnlich Auschwitz und Treblinka“. Mehr als 200 000 Häftlinge waren dort von 1938 bis 1945, etwa die Hälft wurde umgebracht. Joachim Brunner starb in Mauthausen am 12. März 1945.
Uwe Hertrampf, Lehrer am Gymnasium Weingarten, ist durch die Aufzeichnungen von Werner Heinz, der auch am Gymnasium lehrt, auf das Schicksal Brunners aufmerksam geworden und hat zusammen mit Schülern die „Aktion Stolpersteine in Weingarten“ ins Leben gerufen.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das an Menschen erinnert, die unter den Nazis deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Die Betonsteine haben auf der Oberseite eine individuell beschriftete Messingplatte, die dem Opfer gedenkt. Mehr als 30 000 Steine hat Deuringer im In- und Ausland verlegt, 20 davon in Ravensburg. „Es wäre schön, wenn für Brunner in Weingarten ein Stein verlegt wird“, sagt Initiator Hertrampf. Die Aktion steht allerdings noch am Anfang.
Breites Bündnis geplant
„Wir wollen versuchen, Nachkommen von Joachim Brunner im Raum Markdorf/Friedrichshafen ausfindig zu machen, um weitere Informationen zu erhalten“, sagt Uwe Hertrampf, auch Recherchen im Kreisarchiv und im Staatsarchiv Sigmaringen stehen noch aus. Überdies braucht es eine Genehmigung der Stadt Weingarten.
„Für diese Aktion wollen wir möglichst viele Menschen ins Boot holen“, betont Hertrampf, der sich auf die Mithilfe seiner Schüler verlassen kann, eine Mutter will sich auch engagieren.
Damit das einzig bekannte KZ-Opfer aus Weingarten nicht in Vergessenheit gerät.
(Erschienen: 09.02.2012 18:50)

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Die Benediktiner haben nach 950 Jahren Klosterkultur die Stadt Weingarten im Jahr 2010 verlassen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stand anschließend in konkreten Verhandlungen mit der französischen Ordensgemeinschaft Sankt Martin (französisch: La Communauté Saint Martin). Noch ist eine Entscheidung aber nicht gefallen.
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