Weingarten Nachrichten
Reutebühl: FDP plant Bürgerbegehren
Von unserem Redakteur Dirk Grupe
„Das Reutebühl ist die grüne Lunge Weingartens“, sagt der FDP-Ortsvorsitzende Bernd Großmann und fordert: „Diese stadtnahe Oase muss erhalten werden.“ Und zwar in ihrem jetzigen Zustand von der Welfenburg bis zum Mahnmal des Osten. „Sollte der Rat für eine Bebauung stimmen, gründen wir eine Bürgerinitiative und streben ein Bürgerbegehren an“, kündigt der Liberale an. Mit einem Bürgerbegehren lassen sich auf kommunaler Ebene Entscheidungen des Gemeinderates anfechten. Damit die Bevölkerung über eine Bebauung am Reutebühl abstimmen kann, braucht es im Vorfeld Unterschriften von mindestens zehn Prozent der Bürger.
Stadt erwägt Abriss
Im Focus steht dabei „Reutebühl 18“, ein alter Hof im Besitz der Stadt, den seit Jahren sozial schwache Bürger bewohnen. Die Stadt erwägt den Hof abzureißen und das Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen, der dort eine Villa bauen will.
Das Problem: In einem ersten Gutachten hat der Biologe Wilfried Löderbusch Hof und Gebiet als wertvoll bezeichnet, vor allem seltene und schützenswerte Fledermäuse fänden dort optimale Bedingungen vor. Nun hat die Stadt ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, das längst vorliegt – die Verwaltung aber unter Verschluss hält.
Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt dieses Gutachten den Fledermausbestand in und um den Hof, schließt aber eine Umsiedlung der Tiere nicht aus. Verschiedene Anfragen zu diesem Thema bei der Stadt blieben jedoch unbeantwortet, zuletzt hieß es: „Aufgrund der Komplexität des Themas können wir der öffentlichen Gemeinderatsdebatte nicht vorgreifen.“ Dem Vernehmen nach hätte die Verwaltung das Thema am liebsten in Nicht-öffentlicher-Sitzung beraten, musste aber dem Druck der Gemeinderäte nachgeben.
Das Schweigen der Stadt dürfte auch Nabu-Vorsitzendem Hubert Kapler kaum gefallen, der sagt: „Es ist unbedingt anzuraten, diese Planung öffentlich zu diskutieren, zumal dieses Gelände zum Naherholungsgebiet Weingartens zählt.“ Und: „Wir gehen davon aus, dass sehr viele Bürger in Weingarten einer solchen Entscheidung (Abriss Hof und Neubebauung) sehr kritisch gegenüberstehen.“
Eine Umsiedlung der Fledermäuse stellt dabei für den Naturschützer keine Alternative dar: „Auch das bloße Abtragen und Ersetzen des vorhandenen Gebäudes am Kreuzberg bedingt eine Störung und somit ein Eingriff in Jagdgebiete seltener Fledermausarten.“ Ferner sei nicht auszuschließen, dass das Haus als Fortpflanzungsstätte seltener Fledermausarten diene. Ein Neubau würde auch die Zuwanderungen von Erdkröten und anderen Amphibien gefährden.
Weitere Bebauung
Sorgt allein der geplante Villenbau schon für Unruhe, befürchten Naturschützer und Bürger einen Anfang vom Ende: „Ist das nur der Beginn einer Bebauung auf dem Reutebühl?“, fragt Hubert Kapler. Gehe damit nicht ein Signal einher, das später weitere Flächen ausgewiesen werden? Was am Ende einen tiefgreifenden Eingrifft in die Naherholungsstruktur bedeuten würde.
Die Stadt wollte das Thema ursprünglich am 10. Mai in den Gemeinderat bringen – und kündigt nun eine Entwurfsberatung an, „voraussichtlich erst in der Sitzung am 21. Juni“. Möglicherweise sitzt dann schon eine Bürgerinitiative im Zuschauerraum.
(Erschienen: 28.04.2010 18:40)
Von unserem Redakteur Dirk Grupe
„Das Reutebühl ist die grüne Lunge Weingartens“, sagt der FDP-Ortsvorsitzende Bernd Großmann und fordert: „Diese stadtnahe Oase muss erhalten werden.“ Und zwar in ihrem jetzigen Zustand von der Welfenburg bis zum Mahnmal des Osten. „Sollte der Rat für eine Bebauung stimmen, gründen wir eine Bürgerinitiative und streben ein Bürgerbegehren an“, kündigt der Liberale an. Mit einem Bürgerbegehren lassen sich auf kommunaler Ebene Entscheidungen des Gemeinderates anfechten. Damit die Bevölkerung über eine Bebauung am Reutebühl abstimmen kann, braucht es im Vorfeld Unterschriften von mindestens zehn Prozent der Bürger.
Stadt erwägt Abriss
Im Focus steht dabei „Reutebühl 18“, ein alter Hof im Besitz der Stadt, den seit Jahren sozial schwache Bürger bewohnen. Die Stadt erwägt den Hof abzureißen und das Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen, der dort eine Villa bauen will.
Das Problem: In einem ersten Gutachten hat der Biologe Wilfried Löderbusch Hof und Gebiet als wertvoll bezeichnet, vor allem seltene und schützenswerte Fledermäuse fänden dort optimale Bedingungen vor. Nun hat die Stadt ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, das längst vorliegt – die Verwaltung aber unter Verschluss hält.
Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt dieses Gutachten den Fledermausbestand in und um den Hof, schließt aber eine Umsiedlung der Tiere nicht aus. Verschiedene Anfragen zu diesem Thema bei der Stadt blieben jedoch unbeantwortet, zuletzt hieß es: „Aufgrund der Komplexität des Themas können wir der öffentlichen Gemeinderatsdebatte nicht vorgreifen.“ Dem Vernehmen nach hätte die Verwaltung das Thema am liebsten in Nicht-öffentlicher-Sitzung beraten, musste aber dem Druck der Gemeinderäte nachgeben.
Das Schweigen der Stadt dürfte auch Nabu-Vorsitzendem Hubert Kapler kaum gefallen, der sagt: „Es ist unbedingt anzuraten, diese Planung öffentlich zu diskutieren, zumal dieses Gelände zum Naherholungsgebiet Weingartens zählt.“ Und: „Wir gehen davon aus, dass sehr viele Bürger in Weingarten einer solchen Entscheidung (Abriss Hof und Neubebauung) sehr kritisch gegenüberstehen.“
Eine Umsiedlung der Fledermäuse stellt dabei für den Naturschützer keine Alternative dar: „Auch das bloße Abtragen und Ersetzen des vorhandenen Gebäudes am Kreuzberg bedingt eine Störung und somit ein Eingriff in Jagdgebiete seltener Fledermausarten.“ Ferner sei nicht auszuschließen, dass das Haus als Fortpflanzungsstätte seltener Fledermausarten diene. Ein Neubau würde auch die Zuwanderungen von Erdkröten und anderen Amphibien gefährden.
Weitere Bebauung
Sorgt allein der geplante Villenbau schon für Unruhe, befürchten Naturschützer und Bürger einen Anfang vom Ende: „Ist das nur der Beginn einer Bebauung auf dem Reutebühl?“, fragt Hubert Kapler. Gehe damit nicht ein Signal einher, das später weitere Flächen ausgewiesen werden? Was am Ende einen tiefgreifenden Eingrifft in die Naherholungsstruktur bedeuten würde.
Die Stadt wollte das Thema ursprünglich am 10. Mai in den Gemeinderat bringen – und kündigt nun eine Entwurfsberatung an, „voraussichtlich erst in der Sitzung am 21. Juni“. Möglicherweise sitzt dann schon eine Bürgerinitiative im Zuschauerraum.
(Erschienen: 28.04.2010 18:40)

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