Weingarten Nachrichten
Neuansiedlung im Kloster Weingarten kann noch dauern

Dieser Hoffnung erteilte nun Weihbischof Thomas Maria Renz bei einem Besuch in der Ravensburger Redaktion der Schwäbischen Zeitung eine Absage: „Eine Neuansiedlung kann zehn Jahre dauern“, dies sei auch die Meinung von Bischof Fürst.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart nimmt sich bewusst Zeit für diese Entscheidung, Weingarten mit seinem Kloster habe seit jeher eine herausragende Ausstrahlung auf die Region, eine Neuansiedlung sei entsprechend bedeutsam: „Wir brauchen eine Gemeinschaft, die nach Weingarten passt, die sich in das Umfeld von Hochschule, Akademie und Gemeinde einfügt“, so Weihbischof Renz.
Er bestätigte Zweifel, ob die französische Gemeinschaft Saint Martin diese Eignung für den Martinsberg mitbringt, diese Zweifel seien aber nicht ungewöhnlich in einem so komplexen Prozeß.
Bei einem Besuch in Weingarten vegangenes Jahr wurden mit Vertretern Saint Martins zahlreiche Gespräche geführt, dabei alle wichtigen Themen angeschnitten, mit einem ordenlichen Gesamteindruck im Ergebnis. „Bischof Fürst war nach den Gesprächen nicht euphorisch, aber offen.“
Saint Martin ist eine junge und wachsende Priestergemeinschaft, derzeit befinden sich 50 Seminaristen in der Ausbildung, darunter zwei deutschsprachige. Die Gemeinschaft gilt als neokonservativ, also der Tradition verpflichtet, sie hält die Messe beispielsweise in Latein ab, aber nicht wie extrem konservative Gemeinschaften mit dem Rücken zur Gemeinde (tridentinische Messe).
Problematisch könnte sein, dass Frankreich einem völlig anderem Kirchensystem folgt, beispielsweise ohne Kirchengemeinderat. Eine neue Gemeinschaft in Weingarten aber müsste sich den hiesigen Gepflogenheiten anpassen, betont der Weihbischof: „Wir müssen ihnen unsere Art, wie wir uns Kirche vorstellen, zeigen.“
Der vielen Unbekannten wegen will sich die Diözese Optionen offen lassen: „Wir fahren mehrgleisig“, sagt Renz.
Wer auch immer in die Klostergemäuer zieht, muss laut Renz bestimmte Voraussetzungen erfüllen: „Die Gemeinschaft muss jung, anziehend, attraktiv und offen sein. Sie sollte sich auf einem hohen intellektuellen Niveau bewegen und mit modernen Medien auskennen. Man kann sagen: Die müssen auf Facebook präsent sein.“
Kommentar: Auf der Höhe der Zeit
(Erschienen: 26.01.2012 18:35)
| Themendossier: Klostertradition in Weingarten |

Dieser Hoffnung erteilte nun Weihbischof Thomas Maria Renz bei einem Besuch in der Ravensburger Redaktion der Schwäbischen Zeitung eine Absage: „Eine Neuansiedlung kann zehn Jahre dauern“, dies sei auch die Meinung von Bischof Fürst.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart nimmt sich bewusst Zeit für diese Entscheidung, Weingarten mit seinem Kloster habe seit jeher eine herausragende Ausstrahlung auf die Region, eine Neuansiedlung sei entsprechend bedeutsam: „Wir brauchen eine Gemeinschaft, die nach Weingarten passt, die sich in das Umfeld von Hochschule, Akademie und Gemeinde einfügt“, so Weihbischof Renz.
Er bestätigte Zweifel, ob die französische Gemeinschaft Saint Martin diese Eignung für den Martinsberg mitbringt, diese Zweifel seien aber nicht ungewöhnlich in einem so komplexen Prozeß.
Bei einem Besuch in Weingarten vegangenes Jahr wurden mit Vertretern Saint Martins zahlreiche Gespräche geführt, dabei alle wichtigen Themen angeschnitten, mit einem ordenlichen Gesamteindruck im Ergebnis. „Bischof Fürst war nach den Gesprächen nicht euphorisch, aber offen.“
Saint Martin ist eine junge und wachsende Priestergemeinschaft, derzeit befinden sich 50 Seminaristen in der Ausbildung, darunter zwei deutschsprachige. Die Gemeinschaft gilt als neokonservativ, also der Tradition verpflichtet, sie hält die Messe beispielsweise in Latein ab, aber nicht wie extrem konservative Gemeinschaften mit dem Rücken zur Gemeinde (tridentinische Messe).
Problematisch könnte sein, dass Frankreich einem völlig anderem Kirchensystem folgt, beispielsweise ohne Kirchengemeinderat. Eine neue Gemeinschaft in Weingarten aber müsste sich den hiesigen Gepflogenheiten anpassen, betont der Weihbischof: „Wir müssen ihnen unsere Art, wie wir uns Kirche vorstellen, zeigen.“
Der vielen Unbekannten wegen will sich die Diözese Optionen offen lassen: „Wir fahren mehrgleisig“, sagt Renz.
Wer auch immer in die Klostergemäuer zieht, muss laut Renz bestimmte Voraussetzungen erfüllen: „Die Gemeinschaft muss jung, anziehend, attraktiv und offen sein. Sie sollte sich auf einem hohen intellektuellen Niveau bewegen und mit modernen Medien auskennen. Man kann sagen: Die müssen auf Facebook präsent sein.“
Kommentar: Auf der Höhe der Zeit
(Erschienen: 26.01.2012 18:35)

Themendossiers
Die Benediktiner haben nach 950 Jahren Klosterkultur die Stadt Weingarten im Jahr 2010 verlassen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stand anschließend in konkreten Verhandlungen mit der französischen Ordensgemeinschaft Sankt Martin (französisch: La Communauté Saint Martin). Noch ist eine Entscheidung aber nicht gefallen.
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