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Leere statt Leben

Rundgang im verwaisten Kloster Weingarten
Der Klosterinnenhof. Foto: Dirk Grupe
Der Klosterinnenhof. Foto: Dirk Grupe

Von Dirk Grupe

WEINGARTEN Als auch der letzte Mönch den Martinsberg verließ, blieb einer zurück. Johann Grathwohl, seit 1983 Hausmeister im Kloster Weingarten. Er empfängt den Reporter an der Pforte, ein freundlicher, älterer Herr, der mit Erlaubnis der Diözese durch das verwaiste Gemäuer führt.

„Diese Leere, da kann man schon wehmütig werden“, sagt Grathwohl, der das Kloster so gut kennt wie wohl niemand. Mögen die Benediktiner über Jahrhunderte bestimmend für Stadt und Region gewesen sein, ihre Gemächer, Kapellen und Säle haben die meisten Bürger nie betreten, in den letzten Jahren des Rückzugs sowie so nicht.

„Ich habe mich mit den Mönchen immer gut verstanden“, sagt Grathwohl, die gute Seele des Hauses, die unzählige Kilometer in den nicht enden wollenden Gängen zurückgelegt hat.

SZ lädt zum Klosterrundgang
Fotos:
SZ lädt zum Klosterrundgang

Das Kloster liegt etwas unscheinbar im Schatten der Basilikatürme, deshalb überrascht und beeindruckt die Größe. Im Erdgeschoss um den Kreuzgang folgt Saal auf Saal, ausufernd allein der Speiseraum, indem eine strenge Hierarchie herrschte. Am Kopf saß der Abtpräses, an den Rändern die Mönche, in der Sitzordnung gestaffelt vom ältesten Klostermitglied bis zum jüngsten. An der anderen Kopfseite steht noch die Kanzel, auf der der Vorleser die Mahlzeiten begleitete, Gespräche blieben so während des Essens aus.

Zu manchen Zeiten lebten 160 Benediktiner in Weingarten und sie alle fanden Platz in dem Kloster, das heuer insgesamt 100 Räume zählt. In den oberen Geschossen liegen die bescheidenen und fast engen Mönchszellen dicht an dicht, etwas größer und schmuckvoller sind die Gästezimmer. Christliche Kunst, wohin das Auge schaut, meist aus vergangenen Jahrhunderten, die aber nicht die scheinbar endlose Leere ausfüllen kann.

„Als ich ins Kloster kam, wohnten hier 37 Mönche“, berichtet Grathwohl, der miterlebte, wie es von Jahr zu Jahr weniger wurden, zuletzt blieben nur noch vier übrig. Kaum vorstellbar, wie über Jahre eine so kleine Gruppe in dieser Endlosigkeit leben konnte, ja, sich verlieren musste.

Das grandiose Gemäuer, mit seinen Bodenkacheln aus dem Mittelalter, dem wunderschönen Kreuzgang, den vielen hochwertigen Holzarbeiten und kunstvollen Kleinigkeiten zeigt aber auch, welch gewaltigen Schatz die Diözese hier hat. Verbunden allerdings mit einer gewaltigen Herausforderung, muss sie Leere doch wieder mit Leben füllen. (siehe auch Bildergalerie).

(Erschienen: 10.02.2012 19:10)

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