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Bilanz der Vesperkirche 2012¨„Hier war ich gerne arm“

Am Sonntag gab es zum letzten Mal Mittagstisch 9000 Menschen nutzen das Angebot in der Evangelischen Stadtkirche
Die Vesperkirche ist zu Ende: Viele Besucher bedauern das.
Die Vesperkirche ist zu Ende: Viele Besucher bedauern das. (Foto: Margret Welsch)

WEINGARTEN / wel „Schade, dass es aus ist!“, „Warum gibt es das nicht jeden Tag?“: So oder ähnlich sind die Kommentare vieler Besucher zum Ende der zweiten Vesperkirche in Weingarten. 17 Tage lang bot sie in der Evangelischen Kirche Mittagessen, Wärme bei sibirischen Minusgraden, dazu Begegnung und Gemeinschaft. Mit einem Mitarbeiterfest ging sie am Sonntag zu Ende.

280 Ehrenamtliche umsorgten zweieinhalb Wochen lang die Vesperkirchenbesucher, hatten ein offenes Ohr für alle Sorgen und Nöte. Die Veranstalter sind rundum zufrieden, das Konzept sei aufgegangen. Eine leichte Steigerung zum letzten Jahr ist auszumachen, wo es zwar 1000 Besucher mehr waren, dafür aber drei Tage länger dauerte. Zu Spitzenzeiten wurden über 600 Mittagessen ausgegeben. Bei allem Trubel sei es aber entspannt gewesen. Insgesamt hätten sich die Besucherströme besser verteilt. Ludger Baum von den Zieglerschen Anstalten aus Wilhelmsdorf, die mit dem Diakonischen Werk Ravensburg nun schon zum vierten Mal Kirchenraum in Lebensraum verwandeln, resümiert so: „Die Vesperkirche ist in der Gesellschaft angekommen. Wo wir anklopfen, ist uns Unterstützung sicher.“

Ob der Einsatz vom Bauhof zum Auf- und Abbau der Kirchenbänke, Sachspenden wie Kuchen oder Getränke, Geschäfte und Privatpersonen hätten sich alles andere als knausrig gezeigt. 40 000 Euro an Spenden waren notwendig zur Deckung der Kosten, auf 2000 Euro ist der Fehlbetrag nun geschrumpft. Leute, die noch nie da waren, seien gekommen, sagt Pfarrerin Marit Hole von der gastgebenden Gemeinde. Immer wieder musste die Seelsorgerin Vorbehalte ausräumen wie die: „Dürfen wir da auch hin“. Erreiche die Kirche mit ihren Angeboten sonst nur die Mittelschicht, seien in der Vesperkirche die ganzen Klischeegruppen aufgebrochen. „Reich-Arm-Gefälle ist da nicht, da sitzt alles an einem Tisch.“

Besser angenommen wie letztes Jahr wurde laut Veranstalter auch der „niederschwellige“ Service, wie Friseur, Arzt oder Sozialberatung. Und größere Besucherzahlen waren auch bei den täglichen Abschlussandachten und bei den kulturellen Angeboten zu verzeichnen. Rund 1200 Besucher kamen zu den fünf Abendveranstaltungen. „Da erreichen wir Leute, die sonst mit Vesperkirche nichts am Hut haben“, sagt Gerd Gunßer vom Diakonischen Werk. Wie gehofft strahle die Vesperkirche aus, spreche die Menschen auf vielfältige Weise an.

Ob es im nächsten Jahr in Weingarten wieder eine Vesperkirche geben wird, wissen die Veranstalter noch nicht. Doch stellt Ludger Baum klar: „Man bietet keine Vesperkirche an, um sie nach vier Jahren wieder aufzugeben.“ Doch wo und wie lange sie ihre Zelte aufschlagen wird, steht in den Sternen. Beflügeln könnten die Vesperkirchenmacher Gästebucheinträge wie diese: „Hier war ich gerne arm“, oder „jeden Tag noch besser und schöner, wenn man alleine ist.“

(Erschienen: 12.02.2012 13:40)

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