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Ravensburg Stadtnachrichten

Weniger Autos können trotzdem viele sein

Rund zehn Jahre nach der Verlegung der B 30 fahren immer noch knapp 10 000 Fahrzeuge täglich durch die Ortsdurchfahrt Baienfurt
Vor zehn Jahren fuhren zwar mehr Autos durch die Dorfmitte, wenig sind es zu Stoßzeiten allerdings nicht.
Vor zehn Jahren fuhren zwar mehr Autos durch die Dorfmitte, wenig sind es zu Stoßzeiten allerdings nicht. (Foto: Nicolai Kapitz)

Baienfurt / mst 9 976 Fahrzeuge sind in der Ortsdurchfahrt Baienfurt, der Landesstraße 314, im Jahr 2010 gemessen worden. Fast 10 000 Fahrzeuge also düsen an einem Tag durch die rund 7000 Einwohner große Schussental-Gemeinde, mehr Fahrzeuge als Einwohner. Und das mehr als zehn Jahre nach dem Bau der Umgehungsstraße. Zum Vergleich: Im Jahr 2000, also bevor die B 30 umgeleitet wurde, zählte das Land an der Ortsdurchfahrt 18 980 Fahrzeuge. Der Bau der B 30 neu rund zwei Kilometer westlich der Gemeinde stellt also definitiv eine Verbesserung dar.

„Manche Bürger sind ein wenig enttäuscht, dass der Verkehr nicht noch weniger geworden ist.“, sagt Baienfurts Bürgermeister Robert Wiedemann. Allerdings, gibt er zu Bedenken, alleine die Baienfurter seien über 7000 Menschen, viele Baindter, die in Weingarten arbeiten, fahren über die L 314 an ihre Arbeitsstätte. Es gebe vielfältige Verkehrsbeziehungen, sagt der Bürgermeister. Und da sehe er auch keine großen Veränderungen in der nächsten Zeit„Viele Leute, die an einem vorbeifahren, kennt man ja fast persönlich“, sagt Wiedemann augenzwinkernd. Er sagt aber auch, wenn er sich die Verkehrszahlen anderer Gemeinden anschaue, die entsprechende Maßnahmen forderten, dann lägen die doch weit unter denen Baienfurts. Was sich aber verbessert habe, ist, dass die Pendler nicht mehr die Schleichwege benutzen. Aber das geht eben auf Kosten der Ortsdurchfahrt.

Die zur Landesstraße abgestufte Ortsdurchfahrt in Baienfurt wurde in den Jahren 2006 bis 2008 umgestaltet und optisch aufgewertet. Fahrradfahrer haben seitdem eigene Fahrlinien – Schutzstreifen geben ihnen eigenen Raum auf der Straße. Die in der Straßenverkehrsordnung eingeräumte Möglichkeit, Schutzstreifen auch über den Kreuzungsraum einmündender Straßen hinweg zu markieren, geht auf die Initiative der Gemeinde im Jahr 2008 zurück. Mit dem Rad kann man Baindt oder Weingarten von Baienfurt aus gut erreichen – ein Angebot, dass zum Beispiel viele Schüler nutzen.

Verbessert werden soll der Radweg nach Baienfurt. Das habe Priorität eins, sagt der Bürgermeister. Im Blick hat er da die Verbreiterung des Radwegs und die Anpassung der Ampelschaltung, „so dass die Radfahrer auch ernst genommen werden im Straßenverkehr.“ In Planung ist ein Radweg, der die Niederbieger Straße mit der Friedhofstraße verbindet, quer über das von der Gemeinde gekaufte Grundstück, auf dem sich die alte Bahntrasse befindet.

Apropos Bahn, über den Teilort Niederbiegen ist Baienfurt auch an die Bodensee-Oberschwaben-Bahn angeschlossen. Auch über Busverkehr ist Baienfurt an andere Gemeinden wie Ravensburg, Weingarten oder eben Bad Waldsee angeschlossen.

Im vergangenen Jahrhundert gab es übrigens mal eine Straßenbahn-Verbindung nach Baienfurt. 1911 wurde eine 2,4 Kilometer lange Erweiterung der Straßenbahn Ravensburg-Weingarten eröffnet. Seit 1959 gibt es diese aber nicht mehr.

(Erschienen: 12.02.2012 12:55)

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