Ravensburg Stadtnachrichten
Schubidubidu-Genie setzt auf Mango

Von unserem Redakteur Dirk Grupe
Alexander Mieles stetzt im Wahlkampf auf die betörende Kraft der wilden Mango. “Wilde Mango” lautet der Name seines Pfeiffentabaks, dessen Duft laut Miele die Wählerinnen in eine Art Trance versetzt, spätere Heirat nicht ausgeschlossen, das Kreuz auf dem Wahltzettel nur noch reine Formsache. Ein Test im Café Colours an der Bachstraße.
Miele, ein Glas Rioja in der Hand, umwölkt vom Duft der wilden Mango, schwebt auf zwei Damen zu und fragt: “Ist hier noch Platz für zwei Adonis?". Gegenfrage einer der Damen: "Welcher Adonis?" Der Redakteur zeigt dezent auf den 61-Jährigen. Die Frauen lachen. Die "wilde Mango" lacht nicht.
Ein Versuch, über Alexander Mieles Wahlkampf zu berichten, muss schon im Ansatz scheitern, denn: Miele macht keinen Wahlkampf. "Kein Geld", sagt er, den Leuten auf der Straße wirft er bestenfalls eine galante Handbewegung zu oder einen seiner Sprüche, Marke "du trägst die Sonne im Herzen". Damit wären wir beim nächsten Problem: Miele liebt zwar die Poesie, sein Repertoire an Einzeilern beschränkt sich aber auf ein sehr knappes Dutzend, und wer Miele kennt, hat sie schon alle gehört, hundertfach. Das kann anstrengend sein.
Daher die Vereinbahrung: Wir reden eine halbe Stunde und und er verzichtet in diesen 30 Minuten auf jeglichen Spruch. Das "Schubidubidu-Genie", wie er sich selber nennt, runzelt die Stirn, sagt dann "Gut". Prima, zum Aufwärmen eine schlichte Frage, nach der Befindlichkeit: "Im Moment nicht so gut", sagt er. Seit vier Jahren vertreibe er Photovoltaikanlagen, am Morgen kam die Nachricht, dass die Herstellerfirma dicht macht. Geschäftsabschlüsse kann er zwar ohnehin nicht vorweisen, trotzdem ein Rückschlag. Einer von vielen.
"Ich lebe von Hartz IV", sagt er. Den Akademiker („Ich bin ein verarmter Aristokrat“) hat das Unternehmertum ruiniert ("Selbstständigkeit ist Selbstmord"). Jetzt putzt er für seinen Vermieter das Treppenhaus und knabbert Studentenfutter. An seinem Niedergang trägt übrigens die freie Wirtschaft Schuld, eigene Fehler? "Nein"
Freizügig redet der Single auch über sein Liebesleben, das nicht vorhandene: "Seit zehn Jahren bin ich allein." Obwohl er täglich das weibliche Geschlecht paffend und plaudernd ("Nur du allein sollst das Objekt meiner Begierde sein") umgarnt. Erfolge: ein paar Lacher. Misserfolge: Reichlich, schon bei der zweiten Begegnung wenden sich die Damen ab. Ein Jahrzehnt vergebliches Werben und Wollen; daran seine die Frauen Schuld, weil nicht auf Augenhöhe mit seinem Wesen: "Ich bin ein edler Mann, der stets verneint, das Gute will und noch Besseres macht."
Vor allem macht es Alexander Miele einem nicht einfach. Man mag ihn, weil er die Menschen mag. Eine Nähe zu ihm, dem mehr Tragik als Komik anhaftet, findet sich aber kaum. Rückblick: Nach der SZ-Podiumsdiskussion im Konzerthaus trafen sich zum Ausklang Journalisten, Politiker und Kandidaten. Alexander Miele war auch da. Hastete von einem Stehtisch zum anderen, hinterließ überall einen Spruch, fand keinen Anschluss, ging weiter – und war wohl der einsamste Mensch an diesem Abend.
"Das Positive glorifizieren, das Negative ignorieren". Auch so ein Miele-Spruch, womöglich der Schlüsselsatz: Das Gute überhöhen, das Schlechte übersehen. In einer Welt leben, in der es nach exotischen Früchten duftet, in der Walzer und Worte der Dichtung den Takt des Lebens geben, in der aber nur ein einziger Mensch lebt. Sind Sie manchmal traurig, Herr Miele? "Ja", sagt er. "Dann gehe ich joggen." Man kann es auch so sehen: Kommt das Leben zu nah, hilft nur noch: Laufen.
(Erschienen: 08.03.2010 09:25)

Von unserem Redakteur Dirk Grupe
Alexander Mieles stetzt im Wahlkampf auf die betörende Kraft der wilden Mango. “Wilde Mango” lautet der Name seines Pfeiffentabaks, dessen Duft laut Miele die Wählerinnen in eine Art Trance versetzt, spätere Heirat nicht ausgeschlossen, das Kreuz auf dem Wahltzettel nur noch reine Formsache. Ein Test im Café Colours an der Bachstraße.
Miele, ein Glas Rioja in der Hand, umwölkt vom Duft der wilden Mango, schwebt auf zwei Damen zu und fragt: “Ist hier noch Platz für zwei Adonis?". Gegenfrage einer der Damen: "Welcher Adonis?" Der Redakteur zeigt dezent auf den 61-Jährigen. Die Frauen lachen. Die "wilde Mango" lacht nicht.
Ein Versuch, über Alexander Mieles Wahlkampf zu berichten, muss schon im Ansatz scheitern, denn: Miele macht keinen Wahlkampf. "Kein Geld", sagt er, den Leuten auf der Straße wirft er bestenfalls eine galante Handbewegung zu oder einen seiner Sprüche, Marke "du trägst die Sonne im Herzen". Damit wären wir beim nächsten Problem: Miele liebt zwar die Poesie, sein Repertoire an Einzeilern beschränkt sich aber auf ein sehr knappes Dutzend, und wer Miele kennt, hat sie schon alle gehört, hundertfach. Das kann anstrengend sein.
Daher die Vereinbahrung: Wir reden eine halbe Stunde und und er verzichtet in diesen 30 Minuten auf jeglichen Spruch. Das "Schubidubidu-Genie", wie er sich selber nennt, runzelt die Stirn, sagt dann "Gut". Prima, zum Aufwärmen eine schlichte Frage, nach der Befindlichkeit: "Im Moment nicht so gut", sagt er. Seit vier Jahren vertreibe er Photovoltaikanlagen, am Morgen kam die Nachricht, dass die Herstellerfirma dicht macht. Geschäftsabschlüsse kann er zwar ohnehin nicht vorweisen, trotzdem ein Rückschlag. Einer von vielen.
"Ich lebe von Hartz IV", sagt er. Den Akademiker („Ich bin ein verarmter Aristokrat“) hat das Unternehmertum ruiniert ("Selbstständigkeit ist Selbstmord"). Jetzt putzt er für seinen Vermieter das Treppenhaus und knabbert Studentenfutter. An seinem Niedergang trägt übrigens die freie Wirtschaft Schuld, eigene Fehler? "Nein"
Freizügig redet der Single auch über sein Liebesleben, das nicht vorhandene: "Seit zehn Jahren bin ich allein." Obwohl er täglich das weibliche Geschlecht paffend und plaudernd ("Nur du allein sollst das Objekt meiner Begierde sein") umgarnt. Erfolge: ein paar Lacher. Misserfolge: Reichlich, schon bei der zweiten Begegnung wenden sich die Damen ab. Ein Jahrzehnt vergebliches Werben und Wollen; daran seine die Frauen Schuld, weil nicht auf Augenhöhe mit seinem Wesen: "Ich bin ein edler Mann, der stets verneint, das Gute will und noch Besseres macht."
Vor allem macht es Alexander Miele einem nicht einfach. Man mag ihn, weil er die Menschen mag. Eine Nähe zu ihm, dem mehr Tragik als Komik anhaftet, findet sich aber kaum. Rückblick: Nach der SZ-Podiumsdiskussion im Konzerthaus trafen sich zum Ausklang Journalisten, Politiker und Kandidaten. Alexander Miele war auch da. Hastete von einem Stehtisch zum anderen, hinterließ überall einen Spruch, fand keinen Anschluss, ging weiter – und war wohl der einsamste Mensch an diesem Abend.
"Das Positive glorifizieren, das Negative ignorieren". Auch so ein Miele-Spruch, womöglich der Schlüsselsatz: Das Gute überhöhen, das Schlechte übersehen. In einer Welt leben, in der es nach exotischen Früchten duftet, in der Walzer und Worte der Dichtung den Takt des Lebens geben, in der aber nur ein einziger Mensch lebt. Sind Sie manchmal traurig, Herr Miele? "Ja", sagt er. "Dann gehe ich joggen." Man kann es auch so sehen: Kommt das Leben zu nah, hilft nur noch: Laufen.
(Erschienen: 08.03.2010 09:25)







































