Ravensburg Stadtnachrichten
Petersweg: Anwohner wollen Umbenennung

Von unserem Redakteur Bernd Adler
Anfang Juli berichtete die „Schwäbische Zeitung“ über Straßennamen in Ravensburg, die an fragwürdige Helden erinnern. Dazu gehört auch der Petersweg in der Schussensiedlung. Namensgeber der Straße ist Carl Peters, der als Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika gilt. Historiker beschreiben Peters als Kolonialisten und Rassisten, der unter anderem wegen seiner Übergriffe auf die schwarze Bevölkerung 1897 unrühmlich aus dem kaiserlichen Dienst entlassen worden ist. Wegen seiner Brutalität gab ihm die Presse schon damals den Namen „Hänge-Peters“. Viele deutsche Städte haben nach Carl Peters benannte Straßen in den vergangenen Jahren einen neuen Namen gegeben.
Das wünscht sich auch Karl-Heinz Sonnenburg, der in Ravensburg im Petersweg 21 aufwuchs und seit 1984 wieder dort wohnt. Am Straßenschild vor seiner Haustür hat er ein Transparent aufgehängt, auf dem steht: „Weg mit Hänge-Peters“. „Schon vor Jahren hat mir ein Freund, er ist Deutsch-Lehrer, erzählt, was für eine unrühmliche Rolle Carl Peters in der Geschichte gespielt hat“, berichtet Karl-Heinz Sonnenburg. Durch den Bericht in der SZ wurde er wieder daran erinnert und begann, unter Nachbarn Unterschriften für eine Umbenennung der Straße zu sammeln. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp beantragten die Unterzeichner, der Gemeinderat möchte dem Weg, der nach einer „schändlichen Person“ benannt ist, einen neuen Namen geben, zum Beispiel einen der Ravensburger Partnerstädte.
Die Stadt hat darauf reagiert. Sie hat alle Anwohner im Petersweg angeschrieben und aufgefordert, sich zu äußern, ob sie für oder gegen eine Umbenennung sind. Die Stadtverwaltung, heißt es in dem Schreiben von Bürgermeisterin Stephanie Utz, wolle sich dadurch ein Meinungsbild verschaffen. Eine Antwort über ihr Bild steht noch aus.
„Große Begeisterung bei der Stadt auf meine Initiative habe ich nicht gespürt“, sagt Karl-Heinz Sonnenburg. Er bemängelt zudem, dass den Anwohnern für ihre Antwort lediglich die Frist von einer Woche gesetzt wurde – sehr kurz, zumal in der Ferienzeit. „Das ist doch ein Trick, um möglichst wenige Antworten zu kriegen“, spekuliert Sonnenburg. Der 57-Jährige nennt das Vorgehen der Verwaltung daher „zweifelhaft“.
Dem widerspricht Stadt-Sprecher Alfred Oswald. Die Stadt stehe einer Namensänderung offen gegenüber. Die gesetzte Frist sei zwar relativ kurz gewesen, doch würden auch später eingehende Meinungen noch berücksichtigt.
Die Hoffnung, eine Umbenennung des Peterswegs herbeizuführen, hat Karl-Heinz Sonnenburg dennoch nicht aufgegeben. Er könnte sich verschiedene Alternativen vorschlagen. Da es in der Nachbarschaft bereits einen Barbenweg gibt, ist aus seiner Sicht ein Name denkbar, der sich an einen Fisch anlehnt, der in der Schussen lebte oder lebt. Aber auch den Namen eines Nobelpreisträgers würde Sonnenburg gutheißen. „Als Wiedergutmachung für 80 Jahre Verherrlichung von Herrn Peters könnte unser Weg auch nach den Opfern von Peters heißen“, sagt der Ravensburg, also einem der Völker in Ostafrika. Doch das, meint Karl-Heinz Sonnenburg, sei wohl in Ravensburg kaum durchsetzbar.
(Erschienen: 13.08.2010 11:35)

Von unserem Redakteur Bernd Adler
Anfang Juli berichtete die „Schwäbische Zeitung“ über Straßennamen in Ravensburg, die an fragwürdige Helden erinnern. Dazu gehört auch der Petersweg in der Schussensiedlung. Namensgeber der Straße ist Carl Peters, der als Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika gilt. Historiker beschreiben Peters als Kolonialisten und Rassisten, der unter anderem wegen seiner Übergriffe auf die schwarze Bevölkerung 1897 unrühmlich aus dem kaiserlichen Dienst entlassen worden ist. Wegen seiner Brutalität gab ihm die Presse schon damals den Namen „Hänge-Peters“. Viele deutsche Städte haben nach Carl Peters benannte Straßen in den vergangenen Jahren einen neuen Namen gegeben.
Das wünscht sich auch Karl-Heinz Sonnenburg, der in Ravensburg im Petersweg 21 aufwuchs und seit 1984 wieder dort wohnt. Am Straßenschild vor seiner Haustür hat er ein Transparent aufgehängt, auf dem steht: „Weg mit Hänge-Peters“. „Schon vor Jahren hat mir ein Freund, er ist Deutsch-Lehrer, erzählt, was für eine unrühmliche Rolle Carl Peters in der Geschichte gespielt hat“, berichtet Karl-Heinz Sonnenburg. Durch den Bericht in der SZ wurde er wieder daran erinnert und begann, unter Nachbarn Unterschriften für eine Umbenennung der Straße zu sammeln. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp beantragten die Unterzeichner, der Gemeinderat möchte dem Weg, der nach einer „schändlichen Person“ benannt ist, einen neuen Namen geben, zum Beispiel einen der Ravensburger Partnerstädte.
Die Stadt hat darauf reagiert. Sie hat alle Anwohner im Petersweg angeschrieben und aufgefordert, sich zu äußern, ob sie für oder gegen eine Umbenennung sind. Die Stadtverwaltung, heißt es in dem Schreiben von Bürgermeisterin Stephanie Utz, wolle sich dadurch ein Meinungsbild verschaffen. Eine Antwort über ihr Bild steht noch aus.
„Große Begeisterung bei der Stadt auf meine Initiative habe ich nicht gespürt“, sagt Karl-Heinz Sonnenburg. Er bemängelt zudem, dass den Anwohnern für ihre Antwort lediglich die Frist von einer Woche gesetzt wurde – sehr kurz, zumal in der Ferienzeit. „Das ist doch ein Trick, um möglichst wenige Antworten zu kriegen“, spekuliert Sonnenburg. Der 57-Jährige nennt das Vorgehen der Verwaltung daher „zweifelhaft“.
Dem widerspricht Stadt-Sprecher Alfred Oswald. Die Stadt stehe einer Namensänderung offen gegenüber. Die gesetzte Frist sei zwar relativ kurz gewesen, doch würden auch später eingehende Meinungen noch berücksichtigt.
Die Hoffnung, eine Umbenennung des Peterswegs herbeizuführen, hat Karl-Heinz Sonnenburg dennoch nicht aufgegeben. Er könnte sich verschiedene Alternativen vorschlagen. Da es in der Nachbarschaft bereits einen Barbenweg gibt, ist aus seiner Sicht ein Name denkbar, der sich an einen Fisch anlehnt, der in der Schussen lebte oder lebt. Aber auch den Namen eines Nobelpreisträgers würde Sonnenburg gutheißen. „Als Wiedergutmachung für 80 Jahre Verherrlichung von Herrn Peters könnte unser Weg auch nach den Opfern von Peters heißen“, sagt der Ravensburg, also einem der Völker in Ostafrika. Doch das, meint Karl-Heinz Sonnenburg, sei wohl in Ravensburg kaum durchsetzbar.
(Erschienen: 13.08.2010 11:35)






































