Ravensburg Stadtnachrichten
Auch ein Traumjob macht Arbeit
Arbeit, von der Blank nicht leben kann. Noch nicht. Vier, fünf Reiseführer müsse man schon auf dem Markt haben, damit sich das Geschäft rentiere, berichtet der 45-Jährige. Ein Buch über Bali hat er in diesem Sommer veröffentlicht, im Moment arbeitet er am zweiten, Reiseziel: Mauritius. Die Auflagen der Reiseführer sind zumeist nicht sehr hoch, da sie aber in der Regel alle zwei Jahre aktualisiert werden, bedeutet das für den Autor ein neuer Auftrag und damit weitere Einnahmen.
Stefan Blanks monatliche Einnahmen waren früher sicherer. Aber das Leben als Geschäftsführer eben auch nicht so spannend. „Ich wurde mit 33 Jahren Geschäftsführer“, erinnert sich der gebürtige Münchener. „Schon damals sagte ich mir: Zehn Jahre mach ich das, dann ist Schluss.“ Der Entschluss passt zu Stefan Blank, dessen Biografie alles andere als geradlinig ist. Da sein Vater Soldat war, zog er als Kind mehrfach quer durch Deutschland und landete 1978 schließlich in Oberschwaben. In Ravensburg besuchte er das Gymnasium, studierte in Tübingen und Konstanz Verwaltungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Und schloss sein Studium ab mit einer Diplom-Arbeit über Tibetischen Buddhismus. Seine darauffolgende Promotion brach er ab, die Idee, in die Entwicklungspolitik zu gehen, steckte er auf. Es folgten ein Journalismus-Studium, Arbeit als Dozent und Redakteur für ein Anzeigenblatt, der Wechsel in die Werbebranche als Texter, schließlich 1998 der Einstieg bei der Ravensburger Agentur „Fessler und Stemmer“, die den Namen Blank 1999 mit in ihren Titel aufnahm.
Ein Buch über Backpacker
„ Ich war immer viel unterwegs, viel auf Reisen“, sagt Blank, „irgendwann dachte ich, daraus muss ich etwas machen.“ Genau das tat er. Er schrieb ein Buch über Backpacker in Bangkok, das 2008 den Künstlerförderpreis der Stadt Friedrichshafen erhielt. Für Blank, der heute am See wohnt, war diese Auszeichnung der letzte Anstoß für die Idee „noch einmal was anderes zu machen“.
Es folgte ein zweites Buch über Bali, das der Häfler an Reisebuchverlage schickte. Und daraufhin gefragt wurde, ob er nicht einen seit acht Jahren nicht aktualisierten Bali-Reiseführer überarbeiten wolle – für den Reise Know-How-Verlag, einem Anbieter von Büchern für Individualtouristen ähnlich dem angelsächsischen Lonely Planet. Blank nahm an. Im Mai 2010 begann er zu überarbeiten, zu recherchieren, neu zu schreiben. Von Oktober bis Dezember folgte die Vor-Ort-Arbeit in Bali.
60 Tage hatte Blank Zeit, die Insel mit dem Moped zu erkunden. Dazu teilte er Bali in kleine Planquadrate ein, nahm sich jeden Tag eine neue Ecke vor. Zeichnete neue Stadtpläne, durchschritt Dörfer, sah sich Hotels an und Kneipen, überprüfte Busverbindungen, besuchte Tauchschulen. „Alles was da drin steht“, sagt Stefan Blank und zeigt auf die knapp 800 Seiten dicke Bali-Schwarte, „habe ich gesehen.“ Und fotografiert hat er es gleich auch noch selbst.
Abends, im Hotel, tippte er alles Recherchierte ins Notebook, am nächsten Morgen um sechs Uhr ging es schon wieder los mit der Nacharbeit und der Vorplanung für den nächsten Tag. Nach der Zeit in Südostasien brauchte es noch einmal ein halbes Jahr an Schreibarbeit, Korrekturen, Lektorat, Aktualisierungen und letzten Änderungen, bis der Reiseführer endlich im August auf den Markt kam. Also ist der Traumjob Reisejournalist am Ende doch mit Arbeit verbunden? Es scheint so.
(Erschienen: 20.10.2011 09:40)
Arbeit, von der Blank nicht leben kann. Noch nicht. Vier, fünf Reiseführer müsse man schon auf dem Markt haben, damit sich das Geschäft rentiere, berichtet der 45-Jährige. Ein Buch über Bali hat er in diesem Sommer veröffentlicht, im Moment arbeitet er am zweiten, Reiseziel: Mauritius. Die Auflagen der Reiseführer sind zumeist nicht sehr hoch, da sie aber in der Regel alle zwei Jahre aktualisiert werden, bedeutet das für den Autor ein neuer Auftrag und damit weitere Einnahmen.
Stefan Blanks monatliche Einnahmen waren früher sicherer. Aber das Leben als Geschäftsführer eben auch nicht so spannend. „Ich wurde mit 33 Jahren Geschäftsführer“, erinnert sich der gebürtige Münchener. „Schon damals sagte ich mir: Zehn Jahre mach ich das, dann ist Schluss.“ Der Entschluss passt zu Stefan Blank, dessen Biografie alles andere als geradlinig ist. Da sein Vater Soldat war, zog er als Kind mehrfach quer durch Deutschland und landete 1978 schließlich in Oberschwaben. In Ravensburg besuchte er das Gymnasium, studierte in Tübingen und Konstanz Verwaltungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Und schloss sein Studium ab mit einer Diplom-Arbeit über Tibetischen Buddhismus. Seine darauffolgende Promotion brach er ab, die Idee, in die Entwicklungspolitik zu gehen, steckte er auf. Es folgten ein Journalismus-Studium, Arbeit als Dozent und Redakteur für ein Anzeigenblatt, der Wechsel in die Werbebranche als Texter, schließlich 1998 der Einstieg bei der Ravensburger Agentur „Fessler und Stemmer“, die den Namen Blank 1999 mit in ihren Titel aufnahm.
Ein Buch über Backpacker
„ Ich war immer viel unterwegs, viel auf Reisen“, sagt Blank, „irgendwann dachte ich, daraus muss ich etwas machen.“ Genau das tat er. Er schrieb ein Buch über Backpacker in Bangkok, das 2008 den Künstlerförderpreis der Stadt Friedrichshafen erhielt. Für Blank, der heute am See wohnt, war diese Auszeichnung der letzte Anstoß für die Idee „noch einmal was anderes zu machen“.
Es folgte ein zweites Buch über Bali, das der Häfler an Reisebuchverlage schickte. Und daraufhin gefragt wurde, ob er nicht einen seit acht Jahren nicht aktualisierten Bali-Reiseführer überarbeiten wolle – für den Reise Know-How-Verlag, einem Anbieter von Büchern für Individualtouristen ähnlich dem angelsächsischen Lonely Planet. Blank nahm an. Im Mai 2010 begann er zu überarbeiten, zu recherchieren, neu zu schreiben. Von Oktober bis Dezember folgte die Vor-Ort-Arbeit in Bali.
60 Tage hatte Blank Zeit, die Insel mit dem Moped zu erkunden. Dazu teilte er Bali in kleine Planquadrate ein, nahm sich jeden Tag eine neue Ecke vor. Zeichnete neue Stadtpläne, durchschritt Dörfer, sah sich Hotels an und Kneipen, überprüfte Busverbindungen, besuchte Tauchschulen. „Alles was da drin steht“, sagt Stefan Blank und zeigt auf die knapp 800 Seiten dicke Bali-Schwarte, „habe ich gesehen.“ Und fotografiert hat er es gleich auch noch selbst.
Abends, im Hotel, tippte er alles Recherchierte ins Notebook, am nächsten Morgen um sechs Uhr ging es schon wieder los mit der Nacharbeit und der Vorplanung für den nächsten Tag. Nach der Zeit in Südostasien brauchte es noch einmal ein halbes Jahr an Schreibarbeit, Korrekturen, Lektorat, Aktualisierungen und letzten Änderungen, bis der Reiseführer endlich im August auf den Markt kam. Also ist der Traumjob Reisejournalist am Ende doch mit Arbeit verbunden? Es scheint so.
(Erschienen: 20.10.2011 09:40)







































