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Rund um Ravensburg

"Wir dürfen uns nicht selbst kannibalisieren"

WANGEN / sz Die Oberschwabenklinik und der Landkreis Ravensburg haben das Eckpunktepapier zur Zukunft der OSK-Standorte jetzt auch im Wangener Gemeinderat vorgestellt. "Wir wollen eine tragfähige Lösung erarbeiten", versprach Landrat-Stellvertreterin Eva-Maria Meschenmoser den Wangener Räten. Ins Wangener OSK-Haus wurden von 2008 bis 2010 rund zwölf Millionen Euro gepumpt.

Von unserem Redakteur

Christian Klose

Nach den öffentlichen Gemeinderatssitzungen in Leutkirch und Isny war nun der dritte Allgäuer Standort im OSK-Bunde, Wangen an der Reihe. In Wangen reichte der normale Sitzungssaal aus, hier gab es keine Kritik von Seiten des Rathauschefs oder von Stadträten, hier hatten Meschenmoser, OSK-Geschäftsführerin Dr. Elizabeth Harrison, ihr Stellvertreter Dr. Jan-Ove Faust sowie Kreiskämmerer Franz Baur so etwas wie Heimspiel-Atmosphäre. Wangen sei beim Thema Krankenhaus-Debatte "ganz besonders betroffen", sagte Meschenmoser eingangs. Allerdings nur im positiven Sinne, Wangen wird nach den Vorschlägen der OSK profitieren. Daher war die Stimmung im Rat nicht vergleichbar mit den gleichen Veranstaltungen in Leutkirch und Isny.

"Herzlichen Dank an den Landkreis und an die OSK dafür, was am Krankenhaus Wangen geschaffen wurde", sagte Wangens OB Michael Lang am Montagabend. Am Nachmittag hatten sich die Kreisräte die Veränderungen im Wangener Krankenhaus angeschaut. Die Erste Landesbeamtin Eva-Mario Meschenmoser erinnerte auch in Wangen noch einmal daran, dass die OSK 2005 mit einem Defizit von sechs Millionen Euro "knapp vor der Insolvenz" gestanden habe. Auch künftig könne man auf keine Hilfe der Kassen hoffen. "Wir müssen sparen", betonte die Landrat-Stellvertreterin. Der Landkreis Ravensburg habe sich beim Thema Krankenhaus und Gesundheitsversorgung bewusst gegen eine Privatisierung entschieden. "Privatanbieter würden sich nur die Rosinen rauspicken. Wir dürfen an den Standorten keine Konkurrenz zur OSK aufbauen, wir wollen dagegen eine tragfähige Lösung erarbeiten", sagte Meschenmoser.

Kreiskämmerer Franz Baur zeigte die vielen Investitionen am OSK-Standort Wangen auf. "Seit 2008 investiert der Landkreis kräftig ins Krankenhaus Wangen", sagte er. Als Beispiele führte er unter anderem den neuen Aufwachraum, die Parkplatz-Erweiterung, die neue Heizzentrale, mit deren Bau heuer begonnen wurde, sowie die neue Fassade und den neuen Haupteingang auf. Auch die neue Intensivstation ist fertig (siehe Bericht unten). In Summe seien dies zwischen 2008 und 2010 zwölf Millionen Euro an Investitionen gewesen, die ins Wangener OSK-Haus flossen.

Oberschwabenklinik-Chefin Harrison betonte, dass die OSK insgesamt trotz des positiven Betriebsergebnisses nicht so übermäßige Überschüsse erziele, dass es für die nötigen Investitionen reiche, "die wir brauchen". Harrison versprach dennoch: "Wir werden in den nächsten Jahren ein positives Betriebsergebnis vorlegen." Das Krankenhaus Wangen verursache momentan eine Million Euro Verlust. Um den OSK-Verbund insgesamt zu stärken, unabhängig davon wie die aktuelle Standort-Debatte ausgeht, müsse die Bettenzahl am Elisabethenkrankenhaus (EK) in Ravensburg mindestens gehalten werden. In Spitzenzeiten rechnet die OSK-Chefin mit nötigen Investitionen von zehn Millionen Euro, in ruhigen Jahren von fünf Millionen Euro. Wie mehrfach berichtet, hat die OSK vom Aufsichtsrat und vom Landkreis die Aufgabe bekommen, insgesamt finanziell gesünder zu werden, um in den kommenden Jahren nötige Investitionen in die Substanz der Oberschwabenklinik mehr als bisher selbst erwirtschaften zu können. Deshalb wird nun am 11. Mai im Kreistag über die Standort-Struktur entschieden.

Die Rolle von Wangen sieht die OSK in Zukunft darin, Wangen zum Klinikum Allgäu auszubauen und zusätzlich zu erweitern. Dazu gehört unter anderem 2010 eine Notfallpraxis durch die niedergelassenen Ärzte sowie die Zertifizierung des Traumazentrums. 2011 soll eine onkologische Praxis eröffnen, eine Aufnahmestation ist in Planung, 2012 soll der Linksherzkatheter-Messplatz eingerichtet werden. Dieser soll fünf Tage die Woche in Betrieb sein. Die ungefähr 300 Patienten aus Wangen pro Jahr, die jetzt am EK in Ravensburg behandelt werden, könnten dann in Wangen behandelt werden und müssten nicht mehr nach Ravensburg fahren. "Außerdem rechnen wir dann beim Linksherzkatheter-Messplatz mit zusätzlichen Patienten aus dem Allgäu und aus dem Landkreis Lindau", betonte Harrison.

"Für die Immobilien müssen wir eine Nutzung finden", sagte die OSK-Chefin für den Fall, dass Akutstationen nach dem Beschluss am 11. Mai geschlossen werden. Weiter sagte Harrison: "Wir dürfen uns bei allen Modellen nicht selbst kannibalisieren."

(Erschienen: 14.04.2010 19:00)

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